Das gewagte Spiel der Nationalbank

22. Juli 2010

Mittelland Zeitung

Das hat es in der neueren Geschichte der Nationalbank noch nie gegeben: Die Währungshüterin veröffentlicht eine Gewinnwarnung. Sie tut das aus gutem Grund: Die Kritik an ihrer Geldpolitik hat massiv zugenommen. Sie richtet sich gegen die Euro-Stützungskäufe, die nun prompt jene Verluste gebracht haben, vor der viele gewarnt haben. Alleine 14 Milliarden mit dem Euro zu verspekulieren, ist schon ein starkes Stück. Schon in früheren Phasen, als für die Schweiz noch der Dollar die absolute Leitwährung war, hatte die Nationalbank hin und wieder versucht, Kursausschläge zu glätten. Immer wieder hatten frühere Nationalbankchefs selber darauf hingewiesen, dass sich weder die Notenbanken gemeinsam, geschweige denn eine einzelne wie die schweizerische gegen den Markttrend stemmen könnten.

Dennoch hat die SNB in diesem Frühling in noch nie da gewesenem Ausmass Euro gegen Franken gekauft. Sie tat dies im Glauben, Arbeitsplätze der Exportindustrie sichern zu müssen. Doch dieser geht es plötzlich blendend, just wegen des tiefen Euros. Namentlich die deutsche Wirtschaft boomt dank der tiefen Währung, was zu Anschlussaufträgen in der Schweizer Wirtschaft führt. Diverse Branchen verzeichnen plötzlich wieder Auftragseingänge wie in der Hochkonjunktur. Und Asien boomt sowieso.

Doch die Eurokäufe führten zu einer ganzen Reihe von neuen Ungleichgewichten. Plötzlich schwimmen im Ausland Milliarden von Franken, die irgendwann wieder abgesogen werden müssen. Das wird dann den Euro drücken und den Franken stärken, auf jeden Fall neue Kursauschläge bewirken. Die Wirtschaft aber wünscht sich eine möglichst berechenbare Währung. Die Geldschwemme kann zu Inflation führen, welche die Notenbank mit hohen Zinsen bekämpfen muss.

Natürlich kann die Nationalbank die Verluste verkraften, zumal der Zufall wollte, dass das Gold teurer wurde und damit die Goldbestände an Wert zulegten, was einen grossen Teil der Euroverluste kompensierte. Und als besondere Pointe verdiente die Nationalbank an den Subprimes, welche die UBS notfallmässig an die Nationalbank auslagern musste. Doch was, wenn der Euro weiter fällt, etwa auf Fr. 1.20, wie das verschiedene Ökonomen in ihre Szenarien eingebaut haben? Was, wenn das Gold wieder taucht und der Dollar dazu? Die Nationalbank ist unnötig grosse Risiken eingegangen.

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