Wird 2012 besser als vermutet?
29. Dezember 2011AZ Mittelland Zeitung
Wird 2012 so schlimm, wie überall nachzulesen ist? Die Prognosen jedenfalls sind allesamt düster, und kaum ein Tag vergeht, ohne dass sich das Krisenszenario nicht noch um einen Zacken verschärfen würde. Etwa die Meldung der EZB vom Dienstag, wonach die Banken mit 411 Milliarden Euro noch nie so viel Geld sicherheitshalber bei der EZB parkiert haben wie über die Weihnachtstage. Die Summe ist höher als nach dem Lehman-Kollaps und mithin ein Alarmsignal erster Güte, weil es ein konkretes Faktum darstellt und es sich nicht um eine Einschätzung von Beobachtern oder Analysten handelt. Die Lösung für die Krise heisst Wachstum, doch angesichts der notwendigen Budgetkürzungen ist Rezession im Euroland angesagt (was auch an der Schweiz nicht spurlos vorübergehen wird). Als Folge erscheint es unvermeidlich, dass sich die Lage 2012 in der EU weiter verschärfen wird.
Immerhin, es könnte auch anders kommen. Da ist einmal das überraschende Zinssignal aus Italien. An der jüngsten Auktion für – allerdings nur sechsmonatige – Anleihen konnte der italienische Staat 9 Milliarden Euro zu nur 3,25 Prozent aufnehmen. Im November musste Italien dafür noch doppelt so hohen Zins zahlen. Damit honoriert der Markt die Sparbemühungen der Regierung Monti. Die Nachfrage nach italienischen Anleihen ist auch ein Indiz für die prallvollen Schatullen der Pensionskassen, die nur darauf warten, ihre Millionen anzulegen. Allgemein gilt Italien als der Schlüssel zur Überwindung der Euro-Krise. Gelingt die Zinswende auch bei den langfristigen Anleihen, dürfte das Schlimmste überstanden sein. Zudem müssen auch Euroskeptiker zugeben, dass es der EU bisher immer gelungen ist, ihre Probleme zu lösen. Natürlich lässt sich die Vergangenheit nicht mit Sicherheit in die Zukunft extrapolieren, und richtig ist auch, dass die EU noch nie so nahe am Zerfall war wie gerade jetzt, doch deren Widerstandsfähigkeit ist mit Garantie grösser als das unter den gegebenen Umständen erscheint.
Es könnte also durchaus auch anders kommen, als dies auf der Basis der Prognosen und der Logik anzunehmen ist. Prognosen, insbesondere jene der Wirtschaft, zeichnen sich im Übrigen dadurch aus, dass sie praktisch immer falsch sind. Und weil der bekannte Herdentrieb des Marktes nicht nur abwärts, sondern auch im Aufwärtstrend funktioniert, könnten wir in den kommenden zwölf Monaten durchaus wieder einen solideren Euro sehen. Damit verlöre der Franken von seiner Stärke, was sich unmittelbar auf die Aktienkurse hiesiger Unternehmen auswirken wird. Viele Börsianer sagen ein gutes Aktienjahr voraus. Sie könnten recht bekommen.
Comments Off | Mittelland Zeitung