Archiv für April 2010


Entwarnung nur für die Schweiz

29. April 2010

Mittelland Zeitung

Eine parlamentarische Anfrage über die Höhe der griechischen Schulden bei Schweizer Banken zeigt, wie gross die Angst vor einer neuen Finanzkrise auch hierzulande ist. Verständlich, denn gemäss einer Statistik waren angeblich 21 Prozent der griechischen Schulden von 245 Milliarden Euro bei Schweizer Banken platziert. Schon lange war klar, dass das nicht stimmen konnte. Die Lösung des Rätsels: Die in Genf ansässige griechische EFG-Bank hat naturgemäss grosse Guthaben in Griechenland. Die Bank verlegte aber kürzlich ihren Sitz nach Luxemburg, so- dass sich das Problem von selbst löste. Ende September 2009 lagen 1,9 Milliarden bei Schweizer Banken. Heute dürfte der Bestand gegen null tendieren.

Die EU aber erschüttert das griechische Schuldendrama in ihren Fundamenten. Eindrücklich hat dies ein deutscher Politiker geschildert, der nicht verstehen kann, wie Deutschland den eigenen Unternehmen hohe Steuern abverlangt, Griechenland aber seit Jahren mit Milliarden unter die Arme greift. Seit am Dienstag Standard & Poor’s das Rating Griechenlands auf «Ramsch» gesetzt hat, ist die Situation eskaliert. Das Land ist schlicht nicht mehr kreditfähig, während der Bedarf an Neugeld mittlerweile auf über 100 Milliarden Euro geschätzt wird. Gemäss neuestem Plan soll die EU den Hellenen eine Summe von 110 bis 120 Milliarden zusichern, sodass das Land in den kommenden drei Jahren den Kapitalmarkt gar nicht mehr beanspruchen muss. Man nimmt Griechenland quasi vom Markt.

Für die EU wird das ein teurer, aber vermutlich der einzig gangbare Weg, wenn das ganze Gebilde um den Euro nicht zusammenbrechen soll. Als nicht praktikabel erweist sich die oft diskutierte Variante, Griechenland wieder aus dem Euro zu entlassen und eine Ersatzwährung einzuführen, die gegenüber dem Euro sofort um geschätzte 40 Prozent abgewertet würde. Zwar gewänne das Land damit seine Wettbewerbsfähigkeit zurück, doch die Ersatzwährung hätte den Bankrott des griechischen Bankensystems zur Folge, was einen grossen Teil der Wirtschaft ruinieren würde.

Viel wahrscheinlich erscheint das, was die Briten als Haarschnitt, «hair cut», bezeichnen: ein Moratorium mit einem partiellen Schuldenerlass. Das könnte heissen, dass Griechenland für zwei oder drei Jahre keine Zinsen mehr bezahlt und der Nominalwert der ausstehenden Anleihen beispielsweise von 100 auf 60 Prozent herabgesetzt würde. Der Nachteil dieses Szenarios: Griechenland wäre so lange nicht mehr kreditfähig, bis der Staat saniert und die Finanzen nachhaltig gesundet wären. Das aber könnte sehr lange dauern. Die EU will beide Szenarien vermeiden, weil dies dem Scheitern des Euro gleichkäme.

Weil die Stabilität des Euro und die Glaubwürdigkeit der EU auf dem Spiel stehen, ist Brüssel gewillt, den ohnehin riesigen Schuldenberg im EU-Raum weiter zu erhöhen und darauf zu hoffen, dass Griechenland nach und nach gesundet. Augen zu und durch heisst die Devise. Das ist nur möglich, weil über das Sanierungspaket keine Abstimmung durchgeführt wird. Vor dem Volk hätte der Plan keine Chance.

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Der Markt ist gierig wie eh und je

25. April 2010

SonntagtsZeitung

Die Credit Suisse hat am Donnerstag einen Quartalsgewinn von 2 Milliarden Franken gemeldet, was auf ein Jahr hochgerechnet stolze 8 Milliarden ergibt. Doch der Markt war frustriert. Die Aktie verlor in zwei Tagen 6,5 Prozent. Was war geschehen? Während andere Banken die Erwartungen der Analysten übertrafen, erreichte die CS bestenfalls das prognostizierte Gewinnniveau. Im Einklang mit den nach der Krise erhobenen Forderungen hatte die Bank ihre Risikopositionen konsequent reduziert, den Eigenhandel eingeschränkt und die Bilanzsumme um 40 Prozent gekürzt. Die Strategie: Eine Bank mit geringem Risiko soll Vertrauen gewinnen.

«Die Ertragslage von CS und UBS wird im Vergleich zum Ausland eingeschränkt»

Doch die Botschaft verhallt ungehört. Der Markt als Summe aller Investoren ist gierig wie eh und je, und er bestraft den – vermeintlich – Schwächeren sofort. Es wäre für die CS ein Leichtes gewesen, die Zügel zu lockern, den Händlern mehr Spielgeld anzuvertrauen und die gegenwärtig gute Stimmung auszunutzen. Der Markt, das sind die Institutionellen, die Pensionskassen, auch jene im Ausland. Sie alle rennen dem schnellen Geld nach, weil sie auf ihre Weise unter Druck stehen, nämlich unsere Vorsorgegelder optimal zu verwalten. An dieser Gier sind wir nicht unschuldig. Den reduzierten Umwandlungssatz haben wir den Pensionskassen verweigert, also zwingen wir sie zu besserer Performance. So fällt dann eine solide Bank wie die CS aus dem Raster. Kommt hinzu, dass der einzelne Kassenwart nicht gegen den Strom schwimmen kann. Er steht im Wettbewerb; schneidet seine Kasse schlecht ab, muss er mit seiner Absetzung rechnen.

Der Druck auf die CS (und die UBS) wird noch grösser, wenn der am Donnerstag vorgestellte Plan der Expertenkommission «Too big to fail» umgesetzt wird. So sinnvoll die hohen Eigenmittelvorschriften und die teuren Liquiditätspolster sind, sie werden die Ertragslage der beiden Banken im Vergleich zur ausländischen Konkurrenz einschränken. Englische, amerikanische und die meisten europäischen Institute sind ausgehungert und zu schwach auf der Brust, als dass sie ähnlich hohe Vorschriften ertrügen. Diese mögen unsere Banken davor schützen, bei der nächsten Krise unter die Räder zu kommen. Doch wenn Staaten kollabieren und das Ende des Euro droht, sitzen wir wieder alle im gleichen Boot. Denn: Nicht die Grösse ist das Problem, sondern die Vernetzung. Vernetzt aber sind wir mehr denn je.

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20 Mrd. Steuern für UBS und CS?

22. April 2010

Mittelland Zeitung

Die an dieser Stelle vor Wochenfrist angekündigte Sondersteuer für Banken wird immer wahrscheinlicher. Am Montag hat der Internationale Währungsfonds den neuesten Financial Stability Report publiziert. Darin stellt er zwar eine Verringerung des immer noch hängigen Abschreibungsbedarfs bei den Banken um weltweit 500 Milliarden fest, aber die verbleibende Position ist mit 2300 Milliarden nach wie vor erschreckend hoch. Auch wenn die berühmten Silberstreifen am Horizont aufgetaucht sind, zu glauben, die Krise wäre vorbei, wäre fatal. Zudem droht bereits die nächste, wenn tatsächlich eine Reihe von EU-Staaten zahlungsunfähig werden sollten.

Das Finanzsystem ist also nach wie vor bedroht, mit ein Grund, weshalb der IWF auch in seinem neuesten Report zu einer Bankensteuer rät, deren Einnahmen dazu dienen sollen, einen Sicherheitsfonds zu äufnen, mit dem allfällige künftige Bankverluste abgefedert werden sollen, sodass der Staat – beziehungsweise der Steuerzahler – nicht wie bei der letzten Krise zu Kasse gebeten wird. Besteuert werden soll die Passivseite der Bilanz, was zur Folge hätte, dass die Banken sehr genau berechnen müssten, bei welchem Einsatz von Fremdkapital sich ein Deal noch lohnt. Das Aufpumpen von Bilanzen, wie das die UBS in horrendem Ausmass mit den Subprime-Käufen getan hat, würde sich dann zum Vornherein nicht mehr lohnen.

Der IWF schlägt vor, dass dieser Absicherungsfonds je nach Land bis zu einer Summe aufgefüllt werden soll, die zwischen zwei und vier Prozent des Bruttoinlandprodukts ausmacht. Auf die Schweiz mit ihrem rund 500 Milliarden Franken grossen BIP umgerechnet, bedeutet das eine Summe zwischen 10 und 20 Milliarden Franken, die die beiden Grossbanken CS und UBS über mehrere Jahre verteilt aus dem Gewinn in einen solchen Fonds abgeben müssten. Falls das System überhaupt zu Anwendung käme, würde sich die Nationalbank auf jeden Fall an die obere Skala halten oder noch darüber hinausgehen. Bekanntlich sind die beiden Schweizer Banken gemessen am BIP immer noch riesig, auch wenn sie ihre Bilanz kräftig zusammengestrichen haben. Kombiniert bringen CS und UBS immer noch 2370 Milliarden auf die Waage oder gut viermal so viel wie alle in der Schweiz in einem Jahr hergestellten Güter und Dienstleistungen.

Ob die Vorschläge des IWF auch umgesetzt werden, ist offen. Aber die Chancen stehen nicht schlecht. Der IWF-Report ist zuhanden der Finanzminister der G-20 ausgestellt worden, die sich heute und morgen in Washington mit dem IWF treffen. Die vorgeschlagene Steuer ist ganz im Sinne von US-Präsident Obama und wird auch von der britischen Regierung begrüsst. Sie könnte definitiv am nächsten G-20-Treffen beschlossen werden, das November in Seoul stattfindet.

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Uneinsichtig und unbelehrbar

18. April 2010

SonntagsZeitung

Ein renommierter Banker und Verwalter grosser Vermögen hat seine Portefeuilles sofort von sämtlichen CS-Aktien gesäubert, als er vom drei Milliarden schweren Geldsegen hörte, den die Credit Suisse für das Jahr 2005 ihren 400 Topkadern in Form von Aktien zuteil werden liess. Derlei Verwässerung gehe zulasten der Aktionäre, und überhaupt sei dieser Betrag Diebstahl am Aktionär. Der Unmut ist gross. Dem Vernehmen nach sind bei der Bank Dutzende geharnischter Briefe von Industriekunden eingegangen, und Pensionskassen wollen der Bank das Verwaltungsmandat entziehen. Selbst wirtschaftsfreundliche Kreise haben angesichts der verteilten Aktien – 70 Millionen Franken allein für CEO Brady Dougan – das Verständnis für die Bank verloren. Es macht sich Wut breit im Establishment.

«Es hätte den Mut des VR gebraucht, dem Bonusprogramm einen Riegel vorzuschieben»

Wie kann die Bank mit einer einzigen Massnahme ihr Image zerstören? Natürlich stammt das Bonusprogramm aus dem Jubeljahr 2005. Doch heute ist die Welt anders, und es hätte den Mut des Verwaltungsrats gebraucht, einen Riegel vorzuschieben. Gouverner c’est prévoir, heisst es. Der VR hätte die negativen Folgen dieses Bonusprogramms für die Bank erkennen müssen. Zweifellos hätte man beim Management einen Teilverzicht einfordern können. Hätte sich Dougan geweigert? Hätte er geklagt oder gekündigt? Weder noch, weil er damit bloss das Image eines geldgierigen Managers zementiert hätte. Zementiert werden jetzt aber Vorurteile. Etwa, dass Banker in Machtpositionen uneinsichtig und unbelehrbar sind. Die Wurzel des Übels ist, nicht zu erkennen, dass die eigene Leistung die horrenden Beträge niemals wert sein kann, weil selbstverständlich jeder ersetzbar ist.

Ältere Semester erinnern sich noch an Hansjörg Abt, vor 20 Jahren der Star in der NZZ-Wirtschaftsredaktion, dessen Artikel Unternehmensentscheide beeinflusst haben. Auf die Frage, weshalb er so mächtig sei, hatte er einmal gesagt: Das liege nur daran, dass hinter ihm die Institution NZZ stehe, allein könnte er nichts bewirken. Auf die CS umgemünzt: Die Mitarbeiter sind nur erfolgreich, weil die Institution CS einen guten Ruf hat und die Kunden ihr vertrauen.

Mit ihren sphärischen Bezügen katapultieren sich die Banker selber aus der Gesellschaft. Natürlich braucht es die Differenzierung. Ihr steht aber die Vernunft gegenüber, die zum viel zitierten Masshalten rät. Dieses Mass hat der Verwaltungsrat der CS aus den Augen verloren. Das wird man ihm an der GV vom 30. April um die Ohren schlagen.

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Sondersteuer für grosse Banken

15. April 2010

Mittelland Zeitung

Ende letzter Woche machte die Meldung die Runde, Bundesrat Merz prüfe eine Sondersteuer für UBS und CS. Insider waren überrascht, hatte Merz doch bisher jeder solchen Forderung die Stirn geboten. Manche fragten sich, ob das lediglich eine Konzession des Finanzministers an die SP sei, die eine Boni-Steuer verlangt. Nun ist klar, weshalb Merz diesen Schritt ankündigte.

Am Dienstag drängte der Internationale Währungsfonds die USA und die EU dazu, jene Banken mit einer Sonderabgabe zu besteuern, welche als «too big to fail» betrachtet werden. Frankreich, Deutschland und Grossbritannien begrüssen seit längerem eine Sondersteuer, Anfang Jahr hatte US-Präsident Obama bereits angekündigt, die grossen Banken mit einer Sondersteuer zu belegen, welche sich am Fremdkapital misst. Je grösser der Umfang des Fremdkapitals in einer Bank, desto grösser die Steuer. Die Massnahme sollte die Banken dazu animieren, ihr Fremdkapital und damit ihr Risiko einzuschränken.

Mit der jetzt angekündigten Unterstützung dieser Idee durch den IWF soll einer kommenden Systemkrise auf einer internationalen Ebene begegnet werden. Doch noch viele Fragen sind offen. Etwa, ob die so eingetriebenen Gelder in einem Fonds gehortet werden oder ob sie einfach mithelfen, die Staatskasse zu alimentieren. Ebenfalls fehlen die Empfehlungen der BIZ in Basel, der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, der internationalen Regulationsbehörde.

Selbstredend, dass sich die grossen Banken gegen eine Sondersteuer wehren. Klar ist, dass damit kein absoluter Schutz geboten ist. Offen ist die Frage, ob das Problem des genügend hohen Eigenkapitals nicht viel einfacher über eine Erhöhung der Kernkapitalquote beziehungsweise des an der Bilanz gemessenen Eigenkapitals (leverage ratio) gelöst werden kann. Auch ist die Festlegung der Eigenkapitalquote von Land zu Land anders. In der Schweiz beispielsweise hat die Finma schneller als alle anderen Regulatoren gehandelt und verlangt von der UBS und der CS bis 2013 eine Eigenkapitalquote von fünf Prozent – mithin ein Grund, weshalb die beiden Institute ihre Bilanzsummen massiv gekürzt haben. Um eine Benachteiligung zu verhindern, schlägt der IWF vor, die Liste der zu besteuernden Banken geheim zu halten. Ein frommer Wunsch.

Das Hauptproblem jedoch ist die unterschiedliche Solidität der Banken und damit ein international einheitlicher Massstab, der nötig wäre, um Marktverzerrungen zu vermeiden. In Irland serbeln alle grossen Banken und müssen neu kapitalisiert werden. Ziel ist eine Kernkapitalquote von – aus Schweizer Sicht– magersten 7 Prozent. Überhaupt schlummern gemäss Experten in europäischen Banken noch gewaltige Risiken, die abgeschrieben werden müssten. Man kann es auch anders ausdrücken: Einen Systemkollaps mit einer Steuer völlig ausschliessen zu wollen, ist eine Illusion.

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UBS: Decharge ja, Vergütung nein

11. April 2010

Sonntagszeitung

An der Generalversammlung der UBS vom kommenden Mittwoch stehen bekanntlich zwei heisse Traktanden an. Erstens geht es um die Decharge für Verwaltungsrat (VR) und Geschäftsleitung für die Jahre 2007, 2008 und 2009 und zweitens um die – allerdings nur konsultative – Abstimmung über den Vergütungsbericht 2009, wozu auch ein neues Bonus-Programm für Topkader gehört, der Incentive Performance Plan (IPP). Die Ethos-Stiftung sowie einige in- und ausländische Pensionskassen lehnen die Decharge insbesondere für das Jahr 2007 ab, das Jahr, als die Subprime-Krise ausbrach. Diese Decharge bezieht sich lediglich auf die bekannten Fakten. Tauchen neue auf, könnten die Verantwortlichen dennoch zur Rechenschaft gezogen werden. Externe Gutachter und die Staatsanwaltschaft fanden keine Grundlage für eine Zivil- bzw. Strafklage. Vor Wochenfrist hat der für seine Gradlinigkeit bekannte VR Bruno Gehrig in dieser Zeitung für die Decharge plädiert. Der ehemalige Professor und Bankenspezialist war 2008 auf Knien gebeten worden, dem VR beizutreten, die Ethos-Stiftung hatte Beifall geklatscht.

Aus Sicht eines Aktionärs ist die Verweigerung der Decharge widersinnig. Sie hielte die Bank auf Jahre hinaus im Gerede, was die nach wie vor angeschlagene Reputation der Bank weiter verschlechtert. Noch immer ziehen Anleger ihr Geld ab, und nichts braucht die Bank dringlicher als Ruhe, Erfolge im Geschäft und vor allem Kunden, die ihr Vertrauen schenken. Die Verweigerung der Decharge würde das Gegenteil erreichen. Gerichtsverfahren gegen längst ausgeschiedene Manager bringen bloss neue Unruhe und die Gewissheit, dass die Prozesse enden würden wie jene im Fall Swissair. Offensichtlich vertreten Aktionäre, welche jetzt die Decharge verweigern, andere Interessen als jene ihrer Firma, politische beispielsweise. Oder aber es geht schlicht um die Demonstration der Existenzberechtigung von Organisationen wie der Ethos-Stiftung.

Anders sieht es im Fall des neuen Bonusprogramms aus, das sich ausnimmt wie eine schlechte Kopie des mittlerweile abgeschafften Bonusprogramms der Credit Suisse, das Brady Dougan eben für das Jahr 2005 irre 70 Millionen Franken eingebracht hat. Das IPP der UBS ist undurchsichtig, das Argument, man brauche das Programm, um die besten Leute bei der Stange zu halten, ein billiger Vorwand. Die Eigentümer können durchaus das Risiko eingehen, dass der eine oder andere angeblich so unersetzliche Manager abspringt. Auch wenn die Abstimmung bloss konsultativen Charakter hat, wird der VR im Fall einer Ablehnung über die Bücher müssen. Wetten, keiner wird es tun.

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Vekselberg ging in der Schweiz leer aus

8. April 2010

Mittelland Zeitung

Viktor Vekselberg zählt zu den ärmeren der reichsten Oligarchen Russlands. «Forbes» schätzt sein aktuelles Vermögen auf 6,4 Mrd. Dollar, vor der Krise waren es über 11 Mrd. Einen grossen Abschreiber muss Vekselberg in der Schweiz verdauen. Nach der Sanierung von OC Oerlikon zeigt sich, dass Vekselberg allein mit dieser Firma rund 1,8 Mrd. Franken verloren hat. 400 Millionen hatte der Mathematiker 2006 für die ersten 10 Prozent an der damaligen Unaxis bezahlt, als der Wert des Konzerns also noch 4 Mrd. Franken betrug. Danach stockte Vekselberg seinen Anteil bis auf 45 Prozent auf, wofür er nochmals über 1,5 Mrd. aufgewendet haben dürfte. Die Sanierung kostete ihn weitere 447 Millionen. Total dürfte Vekselberg bisher rund 2,5 Mrd. investiert haben. Nach der Sanierung hält er noch 38 Prozent an OC Oerlikon, die nun noch einen Wert von knapp 700 Millionen haben. Ergibt einen Verlust von 1,8 Millionen Franken. Natürlich geht der Unternehmer davon aus, dass das Unternehmen wieder Fuss fasst und der Aktienkurs steigt.

2008 zahlte Vekselberg gemäss der «NZZ am Sonntag» in Zürich eine Pauschalsteuer von 1,9 Millionen Franken. Angesichts der Vermögensverluste ist das ein ansehnlicher Betrag. Die Renova-Holding in Zürich hingegen dürfte die Verluste absetzen können.

Auch wenn Vekselbergs Vermögen geschrumpft ist, sein Imperium wird laufend grösser. Es umfasst mittlerweile die Erdöl- und Aluminiumproduktion, ist in der Stromversorgung, der Maschinen-, Metall- und Telekomindustrie tätig. Auch im Immobiliensektor investiert die Gruppe. Sie besitzt einen Private Equity Fonds, der Konzern gewinnt Mangan in Afrika und Titan in der Ukraine und hat in Alternativenergien in Italien investiert – es gibt fast keine Industriebranche, in die der 53-Jährige nicht investiert hätte.

Im verschlungenen Machtzirkel des Kremls scheint Vekselberg die Rolle jenes Industriellen zu spielen, der die russische Wirtschaft mithilfe westlichen Know-hows an die Weltspitze führen soll. Vor 2 Wochen wurde er zum Präsidenten eines Komitees, das in der Stadt Skolkovo ein russisches Silicon Valley aufbauen soll. Keine Frage, Vekselberg wird auch dieses Geschäft irgendwann zu vergolden wissen.

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And the winners are: The Hedge Funds

4. April 2010

SonntagsZeitung

David Tepper kennen Sie vermutlich nicht. Der aus Pittsburgh stammende Banker, den einst Goldman Sachs nicht zum Partner machen wollte, verdiente im letzten Jahr die bescheidene Summe von 4 Milliarden Dollar. Die 70 Millionen, die CS-Chef Brady Dougan für das Jahr 2005 ausbezahlt erhält, nehmen sich dagegen wie ein Pappenstiel aus. Tepper besitzt einen Hedgefonds und war 2009 der bestverdienende Mann der Finanzszene. Im Gegensatz zum Schlagzeilen machenden CS-CEO regt sich jedoch kaum jemand über Teppers Gehalt auf. Weshalb? Tepper ist Unternehmer und nicht Manager. Der Apaloosa-Fund gehört mehrheitlich ihm und steht auch nicht unter faktischer Staatsgarantie. Die Milliarden verdiente Tepper übrigens ganz einfach: Als im Februar 2009 die Bankaktien auf dem Tiefstpunkt angelangt und Citigroup-Titel für einen Dollar zu haben waren, kaufte er im grossen Stil ein. Hedgefonds halfen damals, den Totalkollaps zu verhindern.

«Es gibt auch Hedgefonds, die einen Nutzen für die Volks- wirtschaft bringen»

Die Sanierung von OC Oerlikon ist ebenfalls weitgehend Hedgefonds zu verdanken. Nachdem die Banken monatelang vergeblich um eine Lösung für die überschuldete OC gefeilscht hatten, kauften Hedgefonds im März einigen ausländischen Banken die Guthaben bei OC mit kräftigem Abschlag ab. Was auf dem Papier 1,5 Milliarden wert war, bekamen sie für geschätzte 900 Millionen Franken. Dank ihrer Erfahrung im Umgang mit notleidenden Krediten spielten sie unter Mithilfe britischer Finanzspezialisten den russischen Grossaktionär Viktor Vekselberg an die Wand. Dieser konnte sich einen Konkurs von OC nicht leisten. Vekselberg wird gezwungen, nochmals fast 450 Millionen Franken einzuschiessen, während die Banken nur 5 Prozent ihrer Guthaben abschreiben müssen und erst noch günstige Optionen erhalten. Neu besitzen die Banken und Hedgefonds knapp die Hälfte an OC Oerlikon. Mit einem Einsatz von einer Milliarde haben die Hedgefonds in wenigen Wochen gegen 500 Millionen verdient. Nochmals 600 Millionen kommen hinzu, sollte sich der Aktienkurs in zwei bis drei Jahren verdoppeln – kein unrealistisches Szenario.

Wir wollen nicht pauschalisieren, es gibt Heuschrecken unter den Hedgefonds. Aber es gibt auch solche, die volkswirtschaftlichen Nutzen bringen. Wie sagt ein beteiligter Banker: Ohne die Hedgefonds hätte OC Oerlikon geendet wie die Swissair.

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Irland: Mit grenzenlosem Optimismus in die Krise

1. April 2010

Mittelland Zeitung

In der Schweiz diskutieren wir heftig über die Grösse der Grossbanken und die Gefahr, die für die Wirtschaft bei einer neuen Krise von ihnen ausgehen könnte. Angesichts der Tatsache, dass der Regulator die Eigenkapitalvorschriften schon erhöht hat und sowohl die CS wie die UBS eine Kernkapitalquote von über 15 Prozent ausweisen, müssen die beiden Institute in den Augen der Iren wie prall gefüllte Tresore vorkommen. Mit Ausnahme der Bank of Irland braucht jede grössere irische Bank staatliche Hilfe. Sie sind so schlecht kapitalisiert, dass schon die neu definierte 7-Prozent-Zielgrösse für die Kernkapitalquote als höchst ehrgeizig gilt.

Kurz: die irischen Banken sind in einem so katastrophalen Zustand, dass der Staat ihnen mit gigantischen 81 Mrd. Euro oder 116 Mrd. Franken zu Hilfe eilen muss. Für diesen Betrag wird er ihnen mit Immobilien abgesicherte Kredite abkaufen und in einer staatliche Organisation verstauen, die sehr vergleichbar mit den Stabilisierungsfonds ist, den die Nationalbank für die UBS eingerichtet hat. Bloss sind die Unterschiede gigantisch: Der UBS hatte die Nationalbank Kredite für 54 Mrd. Franken abgekauft, was 10 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) entsprach. Die 81 Mrd. Euro Staatshilfe für die irischen Banken dagegen machen 40 Prozent des irischen BIP aus. Die Hilfe ist nötig, nicht weil Irlands Banken «too big to fail» wären. Vielmehr haben alle den gleichen Fehler gemacht: Im grenzenlosen Übermut, den der Wandel vom Armenhaus zum Tiger Europas auslöste, haben die Banken den zehn grössten Immobilien-Haien jeden Kredit gewährt. Keine Immobilie war zu teuer, kein Projekt zu waghalsig. Als der Markt einbrach, stand das Land vor einem Scherbenhaufen.

Der Staat zahlt den Banken noch die Hälfte des Nominalwerts der Kredite, den Rest müssen sie abschreiben. Die Staatsverschuldung von einst harmlosen 25 Prozent des BIP wird im laufenden Jahr auf 80 Prozent emporschnellen. Zwar hat Irland die Steuern erhöht und Ausgaben gekürzt, aber immer noch bleibt ein Defizit von über 5 Prozent des BIP. Politiker machen auf Optimismus, was anders sollen sie auch sagen? Doch die Probleme sind nur wenig geringer als jene Griechenlands. Irgendwann wird der Zeitpunkt kommen, wo die Anleger nicht mehr bereit sind, die Schulden hochverschuldeter Staaten zu finanzieren. Das wär sie dann, die nächste Krise.

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