Die Nationalbank bringt uns näher an die EU
28. März 2010SonntagsZeitung
Die Finanzkrise ist zwar überwunden, und die Behörden unternehmen alles, damit sich die Krise nicht wiederholt: Die Banken werden verpflichtet, ihr Eigenkapital zu erhöhen und deutlich mehr Liquidität zu halten. Doch die Gefahr einer neuen Krise ist nicht gebannt. Noch sind viele der krisengeschüttelten ausländischen Banken unterkapitalisiert, noch sind längst nicht alle faulen Positionen genügend abgeschrieben. Und bereits droht neues Ungemach, das sich vorerst im schwachen Euro manifestiert.
Die Unklarheit, wie die EU die Krise in Griechenland bewältigen soll, die zunehmenden Spannungen in dieser Frage zwischen der EU und Deutschland, das die Hauptlast wird tragen müssen, haben den Euro am Dienstag auf fast Fr. 1.42 gedrückt. Noch vor wenigen Tagen wurde noch über Fr. 1.46 bezahlt. Zwar hat sich der Euro-Kurs am Mittwoch wieder etwas erholt, aber von der von der Nationalbank definierten Zielgrösse von Fr. 1.50 ist der Euro meilenweit entfernt. Hinzu gekommen sind neue Befürchtungen, dass auch Portugal, Spanien, Italien und Irland nicht in der Lage sein werden, ihre Schulden fristgerecht zu bezahlen, beziehungsweise ihre riesigen Budgetdefizite auf ein akzeptables Mass zu kürzen. Gestern hat die Agentur Fitch das Rating von Portugal heruntergestuft.
«Jetzt sitzt die SNB auf einem gewaltigen Stock an Euro, den sie nur mit Verlust wieder loswird»
Wenn immer mehr Teilnehmer am Finanzmarkt zur Überzeugung gelangen, dass die Verschuldung der Staaten – auch der USA oder Grossbritanniens – nicht ohne Schuldverzicht oder gar Staatsbankrotte abgebaut werden kann, droht dem Euro eine psychologische Abwärtsspirale, die ihn letztlich in seiner Existenz bedroht. Das wird auch die Banken wieder vor ganz neue Probleme stellen.
Für die Nationalbank wird die Aufgabe, den Franken stabil zu halten, immer unerfüllbarer. Sie versucht es verbal, also mit bedeutungsvollen Statements ihrer Exponenten, die beteuern, die SNB werde eine Aufwertung des Frankens nicht zulassen. Vor allem aber interveniert sie mit massiven Euro-Käufen und versucht so, der schleichenden Abwertung des Euro Einhalt zu gebieten. So ist der Devisenbestand der Nationalbank allein im Februar um 15 Milliarden Franken gestiegen. Das hat offensichtlich nur kurzfristig geholfen und die Statements werden immer unglaubwürdiger.
Sollten sich die Befürchtungen um die Stabilität des Euro bewahrheiten, werden die Marktkräfte den Widerstand der Nationalbank schlicht wegfegen. Zudem ist den Devisenkäufen dort ein Ende gesetzt, wo die Preisstabilität gefährdet ist. Parallel zu den aufgebauten Währungsreserven dehnt die Nationalbank die Geldmenge aus und schafft so ein latentes Inflationspotenzial. So wie es derzeit aussieht, dürfte die Eurokrise der Schweizer Wirtschaft weit mehr schaden, als das die Finanzkrise getan hat.