Archiv für Januar 2010


Wir Westler verarmen

31. Januar 2010

SonntagsZeitung

Griechenland ist aus dem Ruder. Das Land muss neues Geld in Form von Euro-Obligationen aufnehmen, doch die Investoren auf dem Eurobondmarkt streiken. Der Zinssatz ist am Freitag auf 6,9 Prozent gestiegen, in der Schweiz liegt der vergleichbare Satz bei 2,5 Prozent. Weil in diesem Jahr Dutzende von Milliarden griechischer Obligationen zur Rückzahlung fällig werden, die das Land durch Neuemissionen ersetzen muss, würde die Zinslast nicht mehr finanzierbar. Ergo ist niemand mehr bereit, diesem Land Kredit zu gewähren. Am Ende wird die EU einspringen, obwohl eine Rettung in solchen – bisher hypothetischen Fällen – immer kategorisch ausgeschlossen wurde. Die unvermeidliche Rettung hat den Euro massiv geschwächt, zumal Griechenland vermutlich Vorreiter einer ganzen Welle möglicher staatlicher Insolvenzen ist: Irland, Portugal und Spanien könnten folgen, später vielleicht Italien.

«Niemand hat ein taugliches Rezept für eine Trendwende»

Diese Länder sind Beispiele für die typische Situation des Westens: Die Staatsverschuldung nimmt furchterregende Ausmasse an, auch in den USA. Rekorddefizite melden auch das Vereinigte Königreich, Frankreich oder Deutschland. Die Schweiz übrigens steht mit weisser Weste da, Finanzminister Hans-Rudolf Merz wird für 2009 schwarze Zahlen präsentieren können, was allerdings im Ausland nicht nur Respekt hervorrufen, sondern auch Argwohn schüren wird.

Wie schlimm es um den Westen steht, blenden die Politiker aus. Die Schuldenberge drücken auf die Konkurrenzfähigkeit, Spanien hat beschlossen, die Mehrwertsteuer von 16 auf 18 Prozent zu erhöhen. Gleichzeitig wachsen die Schwellenländer – die Bezeichnung wird zunehmend grotesker – mit enormem Tempo. China boomt wieder mit einem Wirtschaftswachstum von über 10 Prozent, die Währungsreserven betragen gigantische 2400 Milliarden Dollar. Die globalen Folgen dieser Krise sind beängstigend. Das Ungleichgewicht zwischen dem verschuldeten Westen und den Überschussländern nimmt gewaltig zu, ja Letztere finanzieren den Konsum der westlichen Welt. Ein taugliches Rezept für eine Trendwende hat niemand. Das Beispiel Griechenlands zeigt, welche Folgen eine Korrektur hat: Lohnkürzungen, höhere Steuern, Arbeitslosigkeit und wohl bald soziale Unruhe. Nein, die Zukunft sieht vielerorts nicht lustig aus.

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Vasella hätte mehr zu sagen

28. Januar 2010

Mittelland Zeitung

Man kann ihm nur Respekt zollen. Da hat sich Dan Vasella jahrelang der Forderung widersetzt, Macht abzugeben und auf das Doppelmandat zu verzichten, doch als er realisierte, dass der Widerstand an der kommenden GV zu gross werden würde, handelte er konsequent und sicherte sich mit ein paar Schachzüge kompromisslos seine Macht als VR-Präsident. Nicht nur liess er seinen Freund und COO Joerg Reinhardt im Regen stehen und wählte den jüngeren Amerikaner Joe Jimenez, Vasella entfernte auch gleich alle anderen Konzernleitungsmitglieder, welche sich Hoffnungen auf den Posten des Konzernleiters hatten machen können: Andreas Rummelt und Thomas Wellauer.

Das sind schon fast feudalistische Herrschermethoden, denn damit eliminiert Vasella mögliche Illoyalitäten. Er weiss, dass der Frust bei jenen, die leer ausgingen, tief sitzt und folglich für den neuen CEO ein Risiko darstellt. Entsprechend dankbar wird ihm Jimenez sein. Der muss die Wechsel nicht selber vornehmen und hat erst noch freie Hand, wenn es darum geht, die vakant gewordenen Stellen mit jüngeren Anwärtern zu besetzen.

Darüber hinaus rapportiert das Auditing (Controlling) neu direkt an den VR-Präsidenten. Die Kontrolle behält er folglich fest in der Hand. Keine Frage: Auch in Zukunft wird bei Novartis nichts Wesentliches ohne Dan Vasella entschieden. Das ist vermutlich auch gut so, denn seinLeistungsausweis ist beeindruckend. Es ist Vasella in den letzten zehn Jahren gelungen, den Konzern fast vollständig auf Pharma auszurichten und Novartis in dieser extrem kompetitiven Sparte an die Weltspitze zu führen. Das zeigt auch der Aktienkurs, der sich seit 2007 absolutparallel zu jenem von Roche entwickelt. Das war früher nicht so. Auch die Produktepipeline scheint gut gefüllt und die Alcon-Übernahme verspricht im Sektor der Augenheilkunde ein beachtliches Wachstumspotenzial.

Dennoch wird er – im Gegensatz zum Ausland – hierzulande nicht als Held gefeiert. Im Gegenteil: Als bestbezahlter Manager eines Schweizer Konzerns mit Bezügen (inkl. Optionen) von bis zu 40 Mil-lionen Franken ist er zum Buhmann geworden. Vasella hat die Kritik nie verstanden. Auch wenn diese nur unter demAspekt des Neids zu verstehen ist, so wäre ihm etwas Masshalten gut angestanden, es hätte ihm Respekt und letztlich mehr politisches Gewicht eingetragen. Sein Kollege Humer von Roche hat das geschafft. Schade, dass Vasella sein Potenzial, auch in gesellschaftlichen Fragen Pflöcke einzuschlagen, nicht ausgenutzt hat.

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Obama rettet vor allem sich selbst

24. Januar 2010

SonntagsZeitung

Der Verlust des Sitzes des verstorbenen Ur-Demokraten Ted Kennedy in Massachusetts an einen Republikaner hat bei US-Präsident Barack Obama Panik ausgelöst. Er weiss, dass die Bevölkerung mit seiner Amtsführung unzufrieden ist. Die Arbeitslosigkeit beträgt schockierende 10 Prozent, während die Banker Millionen kassieren, obwohl die Steuerzahler das US-Finanzsystem mit Milliarden retten mussten. Obama droht bei den Zwischenwahlen im Herbst ein Debakel. Deshalb ist «action» gefragt, deshalb hat er am Donnerstag überraschend den ehemaligen Fed-Chef Paul Volcker, 82, aus dem Hut gezaubert und neue Bankengesetze – er nennt sie Volcker-Regeln – angekündigt (Verbot des Eigenhandels für Banken mit Kundengeldern, keine Beteiligung mehr an Hedge- oder Private-Equity-Funds usw.). Kein gutes Omen, dass der Präsident damit den eigenen Finanzminister desavouiert, der in Zusammenarbeit mit dem internationalen Financial Stability Board (FSB) an Lösungen arbeitet, wie das Bankensystem sicherer gemacht werden kann.

«Mit dem Aufbau des Eigenkapitals trägt der Eigentümer ein höheres Risiko»

Tatsächlich gleichen die Vorschläge Obamas einer Hauruckübung. Sie erreichen nicht das Ziel, Sicherheit ins System zu bringen. Den Eigenhandel haben die Banken längst massiv reduziert, und die Hedge-Funds waren nicht das Problem, das zur Krise geführt hat. Auch das immer wieder zitierte Schlagwort «too big to fail», ist nicht das Problem (Lehman war gemessen an der US-Volkswirtschaft ein Zwerg). Vielmehr ist es die Vernetzung des Systems, und diese wird mit den angekündigten Vorschriften nicht abgebaut. Nötig ist eine international abgestimmt Regulierung, und die muss vor allem auf die Erhöhung des Eigenkapitals ausgerichtet sein. Denn je höher das Eigenkapital einer Bank, desto grösser das Risiko der Aktionäre, im Krisenfall ihr eigenes Geld (und nicht das geliehene) zu verlieren. Wenn darüber hinaus noch die Liquidität gesichert ist und Aufsichtsbehörden die Produkterisiken überwachen, kann eine Bank Konkurs gehen, ohne dass das System gefährdet ist.

Höhere Eigenkapitalquoten führen auch automatisch zu einer normalisierten Entlöhnung der Bankangestellten, also zu deutlich tieferen Boni. Denn mit dem Aufbau von Eigenkapital trägt der Eigentümer (Aktionär) ein viel höheres Risiko und wird folglich nicht mehr bereit sein, die Mitarbeiter im gleichen Ausmass wie bisher am Gewinn zu beteiligen. Zudem kostet der Aufbau von Eigenmitteln Geld, das am einfachsten durch die Reduktion der Entschädigung geäufnet wird. Gemäss den Plänen des FSB und der BIZ liegen bis im Herbst neue Regeln vor. Sie können danach von den einzelnen Überwachungsbehörden eingeführt werden. Die Amerikaner werden sich diesem Vorgehen anschliessen. Die Volcker-Regeln sind ein politisches Manöver, mehr nicht.

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Obama-Steuer nicht kopieren

21. Januar 2010

Mittelland Zeitung

Die Sondersteuer, mit der Barack Obama die US-Banken ab einer Bilanzsumme von 50 Milliarden (ohne Kunden-Sparguthaben) zur Kasse bitten will, gefällt den meisten Regierungschefs auch in Europa. Verständlich, denn wenn die USA mit neuen Steuern vorangehen, braucht es weder Mut noch Weitsicht, sich dieser sprudelnden Geldquellen zu verschliessen, zumal es im Moment ohnehin populär ist, die Banken an die Kandare zunehmen.

Die IdeE, das Fremdkapital einer Bank mit 0,15 Prozent pro Jahr zu besteuern, hat in der Tat etwas Verführerisches. Damit verteuert sich das Risiko, just der kritischste Punkt im Geschäftsmodell einer Bank, was – zumindest vordergründig – die Banken tendenziell zum Abbau von Risiken ermuntern sollte.

Bloss wird dies Wunschtraum bleiben. Die Geldhäuser werden selbstverständlich die Steuer weiterreichen, der Disziplinierungseffekt bleibt mit Garantie aus. Vor allem aber sind die Investmentbanken, die mit traditionell tiefen Bilanzsummen hohe Gewinne erzielen, gegenüber den grossen Instituten bevorteilt: Sie trifft die Steuer weniger stark. Schon gar nicht besteuert werden Hedge Funds, welche in der Regel die grössten Risiken eingehen. Ferner ist die willkürlich bei 50 Milliarden gezogene Grenze ungerecht und führt zu einer Wettbewerbsverzerrung. Der Steuer geht also die Lenkungswirkung ab, die beiden drängendsten Probleme bleiben ungelöst: Weder animiert die Steuer die Aktionäre der Banken, ihren Angestellten die horrenden Boni zu kürzen, noch zwingt sie die Banken, ihr Eigenkapital zu erhöhen.

Die US-Regierung versucht nun, Europa und auch die Schweiz dazu zu bewegen, ihrem Beispiel zu folgen. Aus nachvollziehbarem Grund: Die Regierung Obama weiss genau, dass sie mit der Sondersteuer nicht nur die eigenen Banken benachteiligt, sondern auch die Wall Streetals Finanzplatz um 15 Basispunkte schwächt. Das kann sehr wohl bedeuten, dass die grossen Banken ganze Geschäftszweige weg von Manhattan nach London, Zürich, Frankfurt oder Singapur verlegen. Wieso aber sollen andere, also auch die Schweiz, für die Amerikaner die Kohlen aus dem Feuer holen? Vergessen wir nicht, dass die Finanzkrise in den USA verursacht wurde und ihren Ursprung in einer Politik der falschen Anreize hatte: eine irrwitzige Wohneigentumsförderung der Regierung Bush, gekoppelt mit einer viel zu largen Geldpolitik des Fed verursachten die Immobilienblase. Die Investmentbanken waren keiner Aufsicht unterstellt, und die (amerikanischen) Rating-Agenturen hatten kläglich versagt.

Die Obama-Steuer müssen wir nicht kopieren. Unser Interesse muss sein, dass die beiden Grossbanken CS und UBS möglichst ihr Eigenkapital aufstocken, und die Finma muss deren Risiken besser kontrollieren. Je rascher auch die UBS wieder gesundet, umso schneller zahlt sie wieder Steuern.

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Uns kanns recht sein

17. Januar 2010

SonntagsZeitung

US-Präsident Barack Obama bittet die Banken zur Kasse und erhebt eine Sondersteuer, die dem Staat innerhalb von zehn Jahren 90 Milliarden Dollar in die Kasse spülen soll. Er will so das Loch stopfen, das aus dem 700-Milliarden-Rettungspaket geblieben ist. Der offene Betrag allerdings betrifft die Banken nicht mehr, sie haben die Staatshilfen samt Zinsen zurückbezahlt. Offen sind noch die Versicherung AIG, die staatlichen (!) Hypothekarkassen Fannie Mae und Freddie Mac sowie die Autogiganten GM und Chrysler. Zahlen aber sollen auch Banken, die keine Staatshilfe beanspruchten, etwa die Credit Suisse USA. Obamas Sondersteuer ist deshalb eine Straf- und Züchtigungs- steuer und zielt auf die gigantischen Boni, über deren Höhe und Zustandekommen man sich in der Tat ärgern kann. Namentlich Goldman Sachs, welche die höchsten Boni bezahlt, weist nur deshalb einen Riesengewinn aus, weil die Bank die wegen der Krise gewaltig angeschwollenen Staatspapiere im Namen der Notenbank Fed platzieren konnte.

Statt die Banken für die Boni zu bestrafen, hätte die Regierung besser daran getan, die Rahmenbedingungen für Banken so zu ändern, dass diese ihre Boni aus eigenem Antrieb reduzieren. Geändert werden müssten die Anreizsysteme der Eigentümer, also der Aktionäre. Solange die Investmentbanken ein Geschäftsmodell fahren können, mit dem es praktisch ohne Eigenkapital möglich ist, Milliarden zu verdienen, lohnt es sich für die Eigentümer, den Managern hohe Löhne zu zahlen. Denn jeder zusätzlich verdiente Dollar erhöht den praktisch risiko- losen Profit der Aktionäre. Zu fordern wären massiv höhere Eigenkapitalquoten. Denn je höher das Eigenkapital, desto höher ist das Risiko für die Aktionäre und desto weniger sind sie bereit, hohe Boni zu zahlen. Schon der Aufbau des Eigenkapitals kostet Geld. In der Schweiz führen übrigens die neuen Eigen- kapitalvorschriften dazu, dass UBS und CS im Frühling wahrscheinlich die Dividenden kürzen müssen.

«Obamas Sondersteuer ist eine Strafsteuer und zielt auf die gigantischen Boni»

Die US-Sondersteuer aber bewirkt das Gegenteil, indem sie den Aufbau von Eigenkapital erschwert. Zudem untergräbt eine unvermittelt eingeführte Strafsteuer die Rechtssicherheit, genau so wie die Boni-Sondersteuer in Grossbritannien. Uns Schweizern können diese Steuern im harten Wettbewerb der Finanzplätze nur recht sein. Denn damit wandern Märkte und Arbeitsplätze tendenziell in die Schweiz. Bei der CS etwa sind wegen der Bonisteuer bereits über 100 Händler von London nach Zürich verlegt worden. Sie zahlen ihre (hohen) Steuern künftig hier.

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Keine Lösung des Boni-Problems

14. Januar 2010

Mittelland Zeitung

Der Rettungsplan, mit dem die US-Regierung ihre Finanz- und Autoindustrie gerettet hatte, verschlang 700 Milliarden Dollar. In der nachfolgenden Erholung zahlten die meisten Banken ihre Unterstützungsmilliarden mit Zinsen zurück. Derzeit sind 120 Milliarden nicht zurückbezahlt, säumig sind insbesondere die Hypothekarinstitute, die Versicherung AIG sowie die Autoindustrie. Nun plant die Regierung Obama, die ausstehenden Milliarden mittels einer Sondersteuer von den grössten Banken zurückzuholen, mit dem Argument, dass diese von der Rettungsaktion am meisten profitierten.

Dagegen wehren sich vor allem jene Banken, welche die Staatshilfen bereits zurückbezahlt haben. Ihr Argument: Für die desolate Lage der Autoindustrie seien sie nicht verantwortlich. Problematisch ist auch das – erst in groben Zügen bekannte – Berechnungsmodell. Danach soll sich der Verteilschlüssel auf die Bilanzsumme stützen, was just jene bestraft, die viel Spargelder in den Büchern halten, während die schlanken Investmentbanken, die das Desaster weitgehend verursacht haben, günstig fahren würden.

Die Sondersteuer, so sehr sie zu begrüssen ist, hat allerdings einen Haken: Was den Banken derzeit vor allem fehlt, ist Eigenkapital, das ja gemäss den G-20Plänen nach einheitlichen Regeln aufgestockt werden soll. Werden jetzt die US-Banken zur Zahlung von 120 Milliarden verpflichtet, fehlt diese Summe für den Aufbau von Kapitalpolstern.

Ungelöst ist auch die Bonusfrage. Zwar haben Topmanager etwa von Goldman Sachs verkündet, für 2009 auf den Bonus zu verzichten. Doch unbestritten ist, dass die Gewinne auch der von der Krise weitgehend verschont gebliebenen Banken nur möglich geworden sind, weil Regierungen und Notenbanken mit ihren Geldspritzen den Systemkollaps verhindert hatten. Kein Wunder, werden die Boni als ungerechtfertigt betracht. Doch keinem Finanzplatz ist es bisher gelungen, der hohen Boni Herr zu werden. Zwar sind überall die Systeme so angeglichen worden, dass die Auszahlung verzögert und künftige Verluste mit einkalkuliert werden. Aber an der Höhe der Boni hat sich nichts geändert.

Ohne einheitliche internationale Bestimmungen ist eine Lösung nicht möglich. Weil es im privaten Sektor jedem Arbeitgeber überlassen ist, wie er seine Mitarbeiter entlöhnen will, kann es aus systemischen Gründen keine nominelle Beschränkung geben. Ökonomen schlagen deshalb eine Systemänderung vor: Wären die Banken gezwungen, massiv höhere Eigenkapitalquoten zu halten, sodass die Aktionäre im Krisenfall viel eigenes Geld verlören, wären diese auch nicht mehr bereit, ihren Mitarbeitern de facto die Hälfte des erwirtschafteten Ertrags in Form von Löhnen und Boni abzutreten. Doch so einfach diese Lösung klingt, auch sie scheitert an der fehlenden internationalen Zusammenarbeit.

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Meine Fotografien

11. Januar 2010

Die grosse Frage des Daseins beschäftigt den Menschen unaufhörlich. Wir nennen es das «Suchen». Unsere Existenz begreifen wir nicht nur intellektuell, sie erschliesst sich uns auch über Gefühle und Eindrücke.
Mögliche Antworten auf die Daseinsfrage finden auch, wenn die Natur uns Bilder vorführt, die das Alltägliche übertreffen. Solche «Stimmungen» erobern uns indes nur jenseits von Hektik und Stress. Am Wasser etwa oder eben in den Bergen. Staunend stehen wir dann da, vor uns das Erhabene, das Mächtige, das Überwältigende, das Gefährliche, das Bedrohliche, das Furchterregende. Tief vermag sich das Naturschauspiel in die Seele einzugraben und lässt uns hin und wieder die Beziehung zwischen dem Hier und Jetzt und dem Jenseitigen ergründen. Diese Momente einzufangen, hab ich mir zum Ziel gesetzt.
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8er Block Berge

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Der Bund kann kein Unternehmen führen

10. Januar 2010

SonntagsZeitung

Mit dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts gegen die Finma ist ein eklatanter Mangel an Führungswille im Bundesrat sichtbar geworden. Das Problem war seit langem bekannt, Bundesrat Hans-Rudolf Merz schob es auf die lange Bank. Als Eile angesagt war, fehlte ein fundierter Entscheid. Den gleichen Mangel lässt sich Moritz Leuenberger im Fall Post vorwerfen. Weder kümmerte er sich um klare Führungsstrukturen, noch definierte er angesichts schrumpfender Erträge eine Strategie. Als vor Weihnachten die Auseinandersetzung darüber im Verwaltungsrat eskalierte, deckte der bloggende und lustige Reden schreibende Leuenberger, der sich auch eine 17-stündige Zugreise nach Kopenhagen leisten kann, dem umstrittenen neuen VR-Präsidenten Claude Béglé hastig den Rücken. Als am Dienstag mit Wolfgang Werlé der nächste VR den Bettel hinschmiss, blieb Leuenberger nichts anderes übrig, als rechtsumkehrt zu machen. Er setzte zwei Spitzenbeamte ein und liess durchblicken, dass Béglés Tage gezählt seien. Hätte Leuenberger seinen Job rechtzeitig wahrgenommen und dafür gesorgt, dass der Bund als Eigentümer der Post eine klare Strategie verpasst, hätte es weder den Rauswurf von CEO Kunz gebraucht, noch hätte sich in der Folge der VR de facto in Luft aufgelöst.

So aber ernannte der Bundesrat kurz vor der Neubesetzung des VR-Präsidiums noch husch, husch einen neuen CEO und wählte dann Béglé trotz eines wenig transparenten Lebenslaufs aus einem Einervorschlag (!) zum Präsidenten. Mangels klarer strategischer Vorgaben, aber ausgerüstet mit Erfahrung bei der französischen und deutschen Post, träumte dieser alsbald von ähnlichen Dimensionen und verkündete, die Post werde ins Ausland expandieren. Leuenberger fand das noch nach dem Rücktritt von VR Rudolf Hug eine gute Idee. Peinlich bloss, dass sein eigener Parteipräsident Christian Levrat einige Tage später mitteilte, die SP werde die Auslandexpansion «mit allen Mitteln verhindern».

Der Bund als Eigentümer der Post fällt zwar Personalentscheide, aber er weiss nicht, wohin mit der Firma. Kein Wunder, mündet das im Debakel. Führen muss der Eigentümer nicht selber, aber er muss Leute an die Spitze berufen, die seine Strategie umsetzen. Was voraussetzt, dass der Eigentümer selber eine Strategie hat, was jeder private Unternehmer weiss. So wie Merz das Problem an die Finma delegiert hat, versuchte Leuenberger mangels Interesse die Strategiedefinition der Post an den Verwaltungsrat abzutreten. Ein Beispiel mehr, weshalb der Staat keine Unternehmen besitzen sollte, die nicht zwingend ein Monopol sein müssen. Die Post gehört eindeutig nicht mehr in diese Kategorie.

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Die Migros schafft das bestimmt

7. Januar 2010

Mittelland Zeitung

Der Wirbel ist beachtlich, den Migros-Chef Herbert Bolliger mit seiner Aussage im Interview mit dem «Sonntag» am 27. Dezember ausgelöst hat, wonach Aldi in Deutschland mit der Preisdrückerei einen volkswirtschaftlichen Schaden anrichten würde. Firmen gingen zugrunde und Arbeitsplätze verloren. Die Aldi-Besitzer würden immer reicher, während die Mitarbeiter mit miesen Arbeitsbedingungen abgefunden würden.

Die Reaktionen in Kommentaren und Leserbriefen waren heftig. Bolliger musste einiges einstecken. Etwa, wo denn die wirtschaftliche Logik geblieben sei, wurde gefragt. Er wolle bloss von den Schwächen der Migros ablenken, wurde ihm vorgeworfen. Andere Zeitungen haben nachgedoppelt, die «SonntagsZeitung» lud am letzten Wochenende einen früheren Chef von Aldi-Nord zum Gegeninterview ein.

Tatsächlich zeigt sich an diesem Beispiel einmal mehr, dass ein Angriff auf die Konkurrenz via Medien sehr schnell nicht nur die Wirkung (des Blossstellens) verfehlt, sondern sich sogar ins Gegenteil verkehren kann. Die Frage ist nämlich, für wen das Publikum Sympathie ergreift. Im klassischen Zweikampf von David und Goliath hat David als der Schwächere die Sympathien auf seiner Seite. Sobald jedoch der Grössere den Kleineren angreift, fragt sich das Publikum, weshalb dieser das nötig hat.

Aldi ist in der Schweiz der Newcomer, der den Grossen das Leben schwermacht. Die Kunden nehmen das als willkommene Abwechslung wahr. Auch wer Migros treu bleibt, schätzt, dass es eine Alternative gibt.

Von einem volkswirtschaftlichen Schaden zu sprechen, wenn die Preise sinken, ist tatsächlich ein Unsinn, denn gerade darin besteht das Wesen der freien Marktwirtschaft. Dass die Preise tauchen würden, hat Migros selber beim Markteintritt von Aldi und Lidl betont und immer behauptet, man sei «gewappnet».

Wettbewerb könnte im Extremfall auch bedeuten, dass Migros (und Coop) ihr faktisches Duopol verlieren und andere den Markt unter sich aufteilen. Das ist zwar im Fall der beiden Riesen undenkbar, aber es wäre keine Katastrophe, denn die neuen müssten besser sein als die alten. Im Übrigen beklagt sich jetzt die Schweizerische Nationalbank (SNB) zu Recht, dass es systemwidrig war, dass sie die UBS mit Staatshilfe retten musste, weshalb jetzt alles vorzukehren sei, dass dies künftig nicht mehr nötig wird. Auch eine Grossbank müsse in Konkurs gehen können, ohne dass dies einen volkswirtschaftlichen Schaden anrichte, fordert die SNB.

Dass namentlich in der EU die Bauern unter dem Preisdruck leiden, ist eine Tatsache, hat aber nichts mit der Preisdrückerei von Aldi zu tun. Wie bei uns gibt es auch in der EU zu viele Kühe und folglich zu viel Milch. Wäre es anders, könnten die Produzenten den Milchpreis diktieren. Wahr ist viel eher, dass die Migros hinter dem Investitionszyklus nachhinkt und schon früher betont hat, dass sie in Sachen Einkaufserlebnis bald aufholen wolle. Man muss mit Migros kein Bedauern haben. Die schaffen das bestimmt.

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Der Finanzplatz steht vor einem Schicksalsjahr

3. Januar 2010

SonntagsZeitung

2010 könnte zum Schicksalsjahr für den Finanzplatz Schweiz werden. Die personell ausgedünnte UBS muss beweisen, dass sie wieder Gewinn erzielen kann, die Privatbanken stehen aufgrund des schwierig gewordenen Offshore-Geschäfts vor tief greifenden Restrukturierungen, und die Finanzmarktaufsicht (Finma) muss entscheiden, wie stark sie die Geschäfte der Grossbanken beschneiden will. Keine Frage: Die Profitabilität des Finanzplatzes nimmt rapide ab. Damit hat die Schweiz ein gröberes Problem.

Sorge um den Finanzplatz bedeutet Sorge um die ganze Volkswirtschaft. Die italienische Steueramnestie hat zu einem Rückfluss von rund 100 Milliarden Franken geführt; bei einer Nettomarge von einem Prozent fehlen dem nicht auf Rosen gebetteten Tessin und seinen Einwohnern eine Milliarde Einnahmen. Das Offshore-Banking wird schwierig, auch Genf, Zürich und Basel stehen Schrumpfungsprozesse bevor. 2010 wird ein Fusionsjahr von Privatbanken werden, Institute, die nicht mindestens 100 Milliarden Vermögen verwalten, werden den Alleingang auf Dauer nicht schaffen. Zu teuer sind der juristische Aufwand, die IT und der Aufbau eines Filialnetzwerks im Ausland.

«Nationalbank und Finma wollen der UBS und der Credit Suisse enge Fesseln anlegen»

Politisch stehen den Grossbanken harte Zeiten bevor. Nationalbank und Finma wollen ihnen engen Fesseln anlegen. Das ist nach dem UBS-Debakel verständlich, aber die Gefahr einer Überreaktion ist beachtlich. So plant die Finma, CS und UBS ab März zu zwingen, statt wie bisher 15 Rappen von jedem Sparfranken satte 45 Rappen liquide auf der Seite zu halten. Damit geriete das klassische Bankgeschäft aus den Fugen, das darin besteht, die Spargelder zum überwiegenden Teil in Form von Krediten wieder auszuleihen. Wenn fast die Hälfte davon in Bundesobligationen angelegt werden soll, wird das Kreditgeschäft – das Blut der Wirtschaft – massiv eingeschränkt. Gegen im Vergleich zum Ausland etwas härtere Vorschriften ist nichts einzuwenden, aber verhältnismässig sollten sie sein. Die Finma täte gut daran, zuerst die definitiven Vorschriften der BIZ abzuwarten – sie werden Ende 2010 vorliegen, statt vorschnell einen Alleingang zu wagen. An einer Wettbewerbsverzerrung zulasten der Schweiz hätten die ausländischen Finanzplätze ihre helle Freude. Das Geschäft wird auch so härter.

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