29. Oktober 2009
Mittelland Zeitung
Ein starkes StücK, was sich der italienische Finanzminister am Montag mit der Razzia gegen Schweizer Bankfilialen geleistet hat. Vor allem, weil sich selbstverständlich deutsche und amerikanische Banken genauso um die gut betuchte italienische Kundschaft bemühen wie die hiesigen Institute. Rechtlich stützt sich die italienische Finanzpolizei auf angeblich nicht gemeldete Transaktionen ins Ausland, was nach italienischem Recht Pflicht wäre. Die Vorgehensweise ist in höchstem Mass diskriminierend, vor allem weil sie flächendeckend auf der Basis eines Generalverdachts erfolgt ist.
Am Beispiel Italiens lässt sich bestens zeigen, dass ein Bankgeheimnis, wie es die Schweiz kennt, einem legitimen Bedürfnis entspricht. Wenn ein Staat nicht in der Lage ist, seine Finanzen in ordentlichen Bahnen zu halten, wenn Misswirtschaft zu horrenden Staatsdefiziten und einer gewaltigen Verschuldung führen (rund 140 Prozent des Bruttoinlandprodukts), fühlt sich der Bürger verunsichert und sucht für sein Erspartes einen sicheren Ort. Die wirtschaftliche Not und Unsicherheit der Italiener drückt sich auch in der Schattenwirtschaft aus, gemäss Schätzungen wird bis zu einem Drittel des offiziellen Bruttoinlandprodukts zusätzlich schwarz, also unversteuert, erarbeitet. Im Übrigen auch ein Zeugnis einer erschreckend ineffizienten Steuerfahndung. Nichtsdestotrotz: Man kann die Aktion der Guardia di Finanza als gut inszenierte Schau abtun, um die Steuerflüchtlinge zur Rückführung ihrer Gelder im Rahmen der laufenden Steueramnestie zu bewegen, allein das hiesse den Kopf in den Sand stecken. Die Gelder werden rasch andere Finanzplätze finden, die ebenso sicher sind. Auf üppige Rückflüsse kann der italienische Staat nicht hoffen, der Tessiner Finanzplatz dürfte dennoch nachhaltig Schaden nehmen.
Druck wird auch auf einem anderen Gebiet entstehen: Nicht nur die Privaten benutzen die Schweiz als sicheren Finanzhafen, immer häufiger optimiert auch die italienische Wirtschaft ihre Steuern mittels der schweizerischen Steuergesetze, indem beispielsweise Modefirmen hier Holdinggesellschaften gründen. Damit lassen sich via Transferzahlungen innerhalb von Konzerngesellschaften Erträge hier- oder dorthin verschieben, sodass die Gewinne kaum mehr in Italien, dafür aber in der weitgehend steuerbefreiten Schweizer Holding anfallen. Die Schweiz tut also gut daran, das italienische Vorgehen ernst zu nehmen. Wir werden mittelfristig nicht darum herumkommen, unsere Steuersysteme zumindest teilweise dem europäischen anzugleichen. Im Fall der Unterscheidung zwischen Steuerbetrug und -hinterziehung ist das bereits geschehen. Ein besonders heikler Punkt ist das Offshore Banking, das ordentlich zu betreiben immer schwieriger wird. Das Vermögensverwaltungsgeschäft verliert seine Ertragskraft, womit auch Arbeitsplätze gefährdet sind.
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25. Oktober 2009
SonntagsZeitung
Doris Leuthard nahm die Stiefelwürfe der Westschweizer Bauerngewerkschaft Uniterre gelassen. Die Aktion wurde zum Rohrkrepierer, denn mittlerweile weiss bald jedes Kind, dass der tiefe Milchpreis von denen verursacht wird, die Milch produzieren: von den Bauern selbst. Fakt ist: In der Schweiz stehen 20 000 bis 30 000 Kühe zu viel in den Ställen, das ergibt rund 220 Millionen Liter Überschussmilch pro Jahr oder 30 Liter pro Kopf. Satte 7,4 Prozent liegt die produzierte Menge Milch über dem Niveau von 2007. Kein Wunder, sank der Preis von 80 auf unter 60 Rappen. Also muss weniger produziert werden. Das Problem dabei ist bloss, dass auch ein einsichtiger Bauer nicht freiwillig eine Kuh schlachtet. Zur Konsensfindung fehlt der Anreiz, solange die überschüssige Milch noch abgekauft wird. Reduziert wird erst, wenn der gelöste Preis die Produktionskosten nicht mehr deckt. Davon sind wir offensichtlich noch weit entfernt.
In der vergangenen Woche hat sich die Branchenorganisation Milch endlich zu einem Kompromiss durchgerungen und ein Modell zur Mengenführung beschlossen (der Begriff Regulierung wird tunlichst vermieden). Nach Aufhebung der Milchkontingentierung 2006 soll ein dreistufiges System ab Januar wieder eine gewisse Stabilität bringen: Die Vertragsmilch mit fixen Jahresabnahmen bildet die Basis, was darüber produziert wird, soll an einer neuen Milchbörse verkauft werden. Bleibt Milch gänzlich unverkäuflich, sollen Abräumaktionen diese Mengen ins Ausland verfrachten.
«Abhilfe schafft in der Tat nur eine Mengenbeschränkung»
Ob das funktionieren wird, ist fraglich. Vieles ist noch unklar, und selbst unter den Milchproduzenten herrschen Zweifel, ob das System tatsächlich höhere Preise bringt. Abhilfe schafft in der Tat nur eine Mengenbeschränkung, die auf mindestens 10 Prozent geschätzt wird. Ohne Härte ist das nicht zu machen. Die Bauern verstehen sich als Unternehmer. Die müssten wissen: Entweder ist mein Produkt marktfähig, oder ich muss auf ein anderes ausweichen. Stiefel schmeissen hilft da auch nicht weiter.
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22. Oktober 2009
Mittelland Zeitung
Die CS passt also ihr Boni-System den Anforderungen des Financial Stability Board an, dessen unter der Leitung des designierten Nationalbankpräsidenten Philipp Hildebrand ausgearbeiteter Vorschlag von der G-20 verabschiedet worden war. Die Richtlinien schreiben keine Obergrenze vor › was sich etwa Präsident Sarkozy erhofft hatte -, sondern regeln bloss die verzögerte Auszahlung, damit bei schlechtem Geschäftsgang der geschuldete Bonus reduziert werden kann. So soll der kurzfristige Ergebnishorizont der Banker einer langfristigen Optik weichen, was die risikoreiche kurzfristige Spekulation eindämmen müsste. Auch werden neu die 7000 obersten Manager gezwungen, einen grösseren Anteil an eigenen CS-Aktien zu halten mit der Absicht, sie laufend daran zu erinnern, dass sie den langfristigen Anlagehorizont im Auge behalten. Andernfalls täte es weh.
Dass damit allerdings weder sämtlichen Risiken eliminiert sind noch die nächste Krise verhindert wird, ist allen klar. Mehr als ein Mosaikstein in Gesamtpaket der neuen Bankenregulierungen ist die neue Regelung nicht. Es wundert auch nicht, dass das superkomplexe neue CS-Bonussystem in für AQussenstehende undurchschaubare Derivate verpackt wurde. Schliesslich ist das Financial Engineering eine Kernkompetenz der Banken. Die Derivate bringen übrigens dem Einzelnen im positivsten Fall ein Mehrfaches des Bonus, der Incentive-Gedanke hat also auch hier Einzug gehalten. Alles andere wäre auch eine Überraschung gewesen, schliesslich kämpft die CS um gute Leute und wird sich nicht freiwillig eine Selbstbeschränkung auferlegen, die sie als Arbeitgeberin benachteiligen würde.
Auf Druck der Politik ist im neuen System der Anteil des Fixlohnes erhöht worden. Das bereitet namentlich jenen Banken Sorge, die derzeit besonders stark auf die Kostenbremse stehen, wie etwa die UBS. Die Erhöhung des Fixlohns hat nämlich zur Folge, dass die direkten Lohnkosten massiv erhöht werden, während im Gegenzug die Aufwände für die Boni sinken. Auf den ersten Blick könnte man meinen, das sei Hans was Heiri. Doch buchhalterisch macht das gewaltige Differenzen aus. Bisher wurde der grösste Teil der Boni in Form von Aktien oder Optionen ausbezahlt, welche die Bank weniger kosten, als sie dem Mitarbeiter angerechnet werden können. Für den Einzelnen ist ein höherer Fixlohn eher eine Erleichterung, sein Cash-Management wird einfacher. Gescheiter wäre es gewesen, man hätte den Fixlohn tief behalten und den Rest in langfristig gesperrten Aktien ausbezahlt.
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18. Oktober 2009
SonntagsZeitung
25 000 Mitarbeiter zählt Goldman Sachs weltweit, auf geschätzte 22 bis 23 Milliarden Dollar werden sich bis Ende des Geschäftsjahres (Ende November) die Rückstellungen für Boni-zahlungen auftürmen. Macht pro Beschäftigten im Schnitt gut 900 000 Dollar Zusatzlohn. Der Sturm der Entrüstung darüber ist nicht nur hier gross. Noch höher schlagen die Wellen in England, Frankreich und den USA. Mit Sicherheit lässt sich heute sagen: Das Pittsburgh-Treffen der G-20 entpuppt sich in der Bonusfrage wie erwartet als nettes Gerede. Ändern wird sich allenfalls eine Winzigkeit: Die teilverzögerte Auszahlung sowie ein späteres Rückgriffsrecht werden breit eingeführt. Dank dem allgemein reduzierten Risiko kümmert das den Banker wenig.
Der Grund, weshalb nichts geschieht, liegt in den USA. Im Land, wo Tellerwäscherkarrieren Heldenstatus haben, hat die bestimmende Elite nichts gegen hohe Boni, es sei denn, der Staat habe die Bank unterstützt. Bemerkenswert, dass selbst die Regierung der Demokraten nur in jenen Fällen eingreifen will. Statt die G-20-Regelung verbindlich einzuführen, hat die Administration Obama einen pragmatischen Weg gewählt und einen Bonuspolizisten eingesetzt. Kenneth Feinberg heisst der Mann, der im Auftrag des Finanzamts per Dekret einzelnen Bankern den Bonus streichen kann, sofern deren Bank Staatsgarantie in Anspruch nahm. Das ist zwar – typisch amerikanisch – aus der Hüfte geschossen, dafür ist die Wirkung schnell und effizient. Einen Einfluss auf das System haben die einzelnen Bonusverbote nicht. Den Behörden anderer Länder ist klar, dass sie mit einer einseitigen Bonuslimite nur die eigenen Banken schwächten, will heissen, dem Staat Steuersubstrat entzögen, also lassen sies bleiben. Im Übrigen macht es keinen Sinn, sich aufzuregen. Die Bonuszahlungen bringen gewaltige Steuereinnahmen, auch in der Schweiz.
Stossend ist allerdings eine ganz andere Tatsache. Goldman Sachs verdient sich derzeit eine goldene Nase, weil der amerikanische Staat die Finanzierung maroder Banken und die Ausgabe neuer Staatspapiere via wenige Investmentbanken vornimmt, die damit hohe Gebühren kassieren. Weshalb sind die Eintrittsbarrieren für andere so hoch, dass sich der Handel nach der Krise praktisch auf Goldman Sachs und JP Morgan Chase konzentriert und für andere bloss noch Brosamen übrigbleiben? Die hohen Boni sind nicht die Ursache des Übels, sondern die Folge davon, die Folge exzessiver Gewinne. Und diese sind eine Folge ungenügend spielender Marktkräfte. Spielt der Markt nicht richtig, müssten Regeln geändert werden.
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15. Oktober 2009
Mittelland Zeitung
In den letzten Tagen hat der Dollar weiter an Wert verloren und kostet jetzt unter Fr. 1.02. Der Rückgang ist längst erwartet worden: Die aufgeblähten Defizite der USA, die massive, auf rund 80 Prozent des Bruttoinlandprodukts steigende Verschuldung (2010), das schwache Wachstum und die tiefe Sparquote sind alles Argumente für eine Schwächung der Währung. Zudem flutet die Notenbank die Märkte mit billigem Geld. Eigentlich müsste Hyperinflation drohen. Innerhalb der letzten sechs Monate verlor der Dollar rund 13 Prozent. Wie tief fällt die US-Währung noch?
Die Antwort wissen wir natürlich auch nicht, aber die Analyse des Dollarzerfalls ist komplexer als oben beschrieben. Vor der Krise im März 2008 war der Dollar schon mal unter einen Franken getaucht. Die darauffolgende Finanzkrise führte zu einer eigentlichen Flucht in den Dollar. Dieser legte zwischen Juli 2008 und März 2009 um über 20 Prozent zu. Seither haben sich die Märkte durch die massiven Staatsinterventionen wieder beruhigt. Analog dazu ist der Dollar wieder gesunken, mittlerweile fast auf das Vorkrisenniveau. Nicht die Angst vor Hyperinflation hat den Dollar geschwächt, vielmehr hat er die Rolle als Fluchtwährung wieder verloren.
Geändert hat sich jedoch die Haltung jener Länder, welche grosse Zahlungsbilanzüberschüsse verzeichnen und folglich Dollars als Reserve halten, allen voran China. Immer lauter sagen chinesische Zentralbanker, der Dollar müsse als Leitwährung wenn nicht abgelöst so doch nach und nach ersetzt werden. Sie schlagen einen Währungskorb vor, den der Internationale Währungsfonds in Form einer neuen Art von Sonderziehungsrechten herausgeben soll. Doch was einfach tönt, ist kaum zu bewerkstelligen: Eine Kunstwährung wird der Markt nicht akzeptieren. Zudem sind noch immer 65 Prozent aller Währungsreserven in Dollars gehalten, nur 25 Prozent in Euro. Der mit Abstand grösste Dollarkunde China kann kein Interesse an einer massiven Dollarschwäche haben. Auch kauft China nach wie vor US-Staatsobligationen und gibt sich mit 3,4 Prozent Zins (für 10 Jahre Laufzeit) zufrieden.
Zu den fundamentalen Ursachen der Finanzkrise zählen die riesigen Ungleichgewichte zwischen dem dollarscheffelnden Asien als Fabrik der Welt und den ein Defizit aufweisenden USA und Europa. Mehr Stabilität kommt erst ins System, wenn sich diese Missverhältnisse ausgleichen. Dazu müsste China seine Währung freigeben und nicht mehr an den Dollar koppeln. Doch davon will China nichts wissen, denn der Yuan und damit die chinesischen Produkte würden sich massiv verteuern. China würde viel von seiner Exportfähigkeit einbüssen und gäbe damit auch politische Macht Preis. Daran aber hat die chinesische Regierung kein Interesse.
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11. Oktober 2009
SonntagsZeitung
In Istanbul trafen sich diese Woche die Gouverneure des Internationalen Währungsfonds, in Basel die Börsenaufsichtsbehörden: Notenbankchefs gaben Interviews: Zentrales Thema überall: Was tun, damit sich die Finanzkrise nicht wiederholt? Wie sind die Leitplanken zu setzen, dass künftig grosse Banken im Krisenfall in den Konkurs geschickt werden können, ohne das globale System zu gefährden? Die Lösung heisst: mehr Eigenkapital, höhere Liquidität, ein gangbares Konkursverfahren und all dies weltweit nach einheitlichen Regeln.
Die Schweizer Finanzmarktaufsicht (Finma) hatte nach dem UBS-Debakel rascher gehandelt als alle andern Regulatoren und Credit Suisse sowie UBS zu einer höheren Eigenkapitalquote verpflichtet. Die Vorschrift für nachhaltigere Liquidität soll folgen. Das Vorpreschen hat bei den Grossbanken verständlicherweise zu etwelcher Nervosität geführt, sah es doch lange so aus, als würden die anderen bedeutenden Finanzplätze mit ihren Banken pfleglicher umgehen, was selbstredend die Schweizer Banken benachteiligt hätte. Mittlerweile scheint ein Konsens innerhalb der OECD in greifbarer Nähe: Das Financial Stability Board will bis Ende Jahr einheitliche Regeln verabschieden. Der Chef dieser Aufsichtsbehörde, Mario Draghi, und Finma-Präsident Eugen Haltiner bestätigen, dass sie die strengeren Vorschriften erst nach und nach einführen wollen, um die sich abzeichnende Konjunkturerholung nicht abzuwürgen.
«Es fehlt die nüchterne Analyse über die Folgen der geplanten Eigenkapitalquote»
UBS und Credit Suisse vorzuwerfen, sie würden sich generell gegen schärfere Vorschriften wehren, wie das Kritiker tun, ist schlicht falsch und zementiert das Klischee der bösen, uneinsichtigen Banken. Es fehlt indessen an einer nüchternen Analyse über die Auswirkungen der geplanten Eigenkapitalquoten und strengeren Liquiditätsvorschriften. Die Grossbanken haben längst «Too-big-to-fail-Ausschüsse» gebildet. Finma und Nationalbank müssten sich mit diesen Arbeitsgruppen an einen Tisch setzen. Zu starke Restriktionen behindern die Kreditvergabe. Beispiel: Die von der britischen Finanzmarktaufsicht skizzierten neuen Liquiditätsvorschriften würden die Banken zwingen, insgesamt 370 Milliarden Pfund an zusätzlicher Liquidität zu halten. Geld, das dem Kreditgeschäft entzogen würde. Ob es sinnvoll ist, CS und UBS das Investmentbanking mehrheitlich zu verbieten, wie das manche möchten, muss auch gründlich geprüft sein. Immerhin haben beide Banken die Risiken massiv zurückgefahren. Es ist einfach, nach neuen Regeln zu rufen, aber ziemlich anspruchsvoll, diese so zu definieren, dass sie die Lage nicht verschlimmern.
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8. Oktober 2009
Mittelland Zeitung
Gestern hat die Bank Julius Bär angekündigt, die Schweizer Tochtergesellschaft der ING Bank zu übernehmen. Die Bären lassen sich diese Übernahme 520 Mio. Franken kosten, dafür erhalten sie 15 Mrd. Franken an verwalteten Vermögen, wodurch die Position als eine der grossen Privatbanken der Schweiz gestärkt wird. Die verwalteten Vermögen der Bank Bär steigen von 145 auf 160 Mrd. Franken.
So weit die – verkürzte – Meldung der Bank Bär. Keine besonders aufregende Botschaft, stünde dahinter nicht ein beachtenswerter Trend. Seit der zugespitzten Diskussion um das Bankgeheimnis sind nämlich bereits eine Reihe von Auslandsbanken – Banken unter Schweizer Recht, aber im Eigentum eines grossen ausländischen Instituts › verkauft worden. Kürzlich ging die Commerzbank (Schweiz) AG an die Bank Vontobel und die Dresdner Bank (Schweiz) AG an die liechtensteinische LGT. Bekannt ist ferner, dass die britische Coutts (Schweiz) AG ebenfalls zum Verkauf steht.
Offensichtlich geben Mutterhäuser in Deutschland, England oder den Niederlanden (ING) ihre Schweizer Töchter auf. Nicht dass diese Niederlassungen hierzulande plötzlich nicht mehr rentieren würden. Der Grund liegt vielmehr im Offshore-Banking, das den Mutterhäusern zu riskant geworden ist. Seit dem Druck der USA und insbesondere auch nach den Attacken des früheren deutschen Finanzministers Peer Steinbrück sind die Mutterhäuser in einen moralischen Konflikt geraten: Sie sind es in erster Linie, die ihren betuchten Kunden empfehlen, zumindest einen Teil des Geldes in die Schweiz zu transferieren und dort verwalten zu lassen. Auch wenn die Banken nicht unmittelbar Hand bieten, hier angelegtes Geld nicht zu versteuern – der Entscheid, ob der ausländische Kunde zu Hause sein Schweizer Vermögenswerte meldet oder nicht, liegt bei ihm und nicht bei der Bank -, so verführt ein Schweizer Konto schnell, dieses nicht ordentlich zu deklarieren.
Das Dilemma ausländischer Mutterhäuser in der Schweiz ist offensichtlich. Sie bieten in der eigenen Organisation indirekt Hand zur Steuerumgehung und geraten deswegen bei den Finanzbehörden im eigenen Land unter Druck, dem sie – wie die obigen Beispiele zeigen, jetzt durch den Verkauf ihrer Schweizer Töchter ausweichen. Interessant ist ja auch, dass die Käufer nicht andere ausländische, sondern Schweizer Banken sind. Dieser Trend weg vom Offshore-Banking wird sich fortsetzen, denn das grenzüberschreitende Geschäft innerhalb des EU-Raumes wird schwieriger. Am Beispiel Italien zeigt sich drastisch, zu welchen Mitteln mittlerweile gegriffen wird, um den Kapitalabfluss einzudämmen und Steuerhinterziehern auf die Spur zu kommen. Italien filmt jetzt jedes ausfahrende Auto in Chiasso.
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4. Oktober 2009
SonntagsZeitung
Neun Jahre lang hat der Unfug gedauert. 800 000 Franken hatte die Übung damals gekostet, zur Logo-Enthüllung waren 1000 Gäste geladen: Im April 2000 hatte sich die im Jahr zuvor teilprivatisierte Flughafen Zürich AG einen Markennamen verpasst und nannte sich künftig «Unique». Offenbar war die schlichte Bezeichnung «Flughafen Zürich» zu profan und spiegelte die Businesspläne zu wenig. Das Management sah sich schon bald als Betreiber einer Reihe grosser Flughäfen weltweit. Mit «Unique» aber fühlten sich Verwaltungsrat und Geschäftsleitung unglaublich einzigartig. Allein – unerreichbar waren damals einzig die horrenden Verspätungen. Ansonsten war Zürich ein Flughafen wie viele andere auch. Kein Passagier fliegt nach Zürich, bloss weil der Marmoranteil in der Shoppinghalle höher ist als andernorts.
Weshalb der Flughafen Zürich nicht mehr Flughafen Zürich heissen konnte, blieb das Geheimnis der mit der Namens- und Markenfindung beauftragten Werbeagentur. Sie kam aus London, denn die Verantwortlichen von Unique trauten damals keiner Schweizer Agentur die nötige Kreativität zu. Mit dem Superlativ «unique» überhöhte das Management, beseelt von der eigenen Überlegenheit, die Vision der Firma, die sich – ganz banal – jedes Unternehmen auf die Fahne schreibt, nämlich besser zu sein als die Konkurrenz. Der Versuch, die Zielsetzung zur Marke zu machen, musste zwangsläufig scheitern.
Jetzt, neun Jahre später, hat es in den Managerköpfen gedämmert. «Unique» hat der Marke Flughafen Zürich wohl mehr geschadet als genützt. Die hehren Ziele, internationale Flughäfen zu managen, wurden verfehlt. Und statt dass Name und Logo «leicht verständlich» und «zeitlos» wirkten, wie die englische Agentur ihre eigene Schöpfungskraft pries, hat der Verwaltungsrat nüchtern erkannt, dass «Unique» unschweizerisch grossspurig daherkam und auch noch Verwirrung stiftete. Wo, bitte, liegt Unique?
Also heisst es jetzt: zurück auf Feld eins! Bemüht um neue Sachlichkeit, trennt man sich von der Marke Unique und nennt sich wieder schlicht Flughafen Zürich. Und, oh Wunder, damit wird der Name tatsächlich einzigartig, oder kennen Sie einen anderen Flughafen Zürich auf der Welt? Das Rebranding dürfte heute wohl noch teurer werden als damals, doch wen kümmerts? Schliesslich berappen das die Aktionäre und damit zu 38 Prozent auch die Steuerzahler des Kantons und der Stadt Zürich. So viel zur viel gepriesenen Weitsicht von Managern.
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1. Oktober 2009
Mittelland Zeitung
Vor zweieinhalb Jahren stellte erstmals eine chinesische Autofirma ihre Fahrzeuge am Salon in Genf aus. Bril- lance ist einer von 50 chinesischen Autoherstellern, die es innerhalb eines halben Jahrzehnts geschafft haben, die Lücke zwischen einem Drittwelt-Fahrzeughersteller und dem Weltstandard zu schliessen. Brillance plant im kommenden Jahr den Einstieg in den US-Markt, genau so wie BYD, die erfolgreichste Marke im Elektro- und Hybrid-Bereich. Letztere gehört dem erst 43-jährigen Wang Chuanfu, der seinen rasanten Aufstieg dem kompromisslosen Einsatz von Mitteln, Manpower und Hingabe verdankt. Mit 29 Jahren gründete Chuanfu eine Firma für Handy-Batterien und nannte sie ganz nach dem Macher-Motto «BYD: Build your dreams» oder frei übersetzt «Lass Träume Wirklichkeit werden».
Innert kurzer Zeit wurde BYD zum weltgrössten Hersteller von solchen Energiespeichern. Treu seinem Traum-Motto stieg Chuanfu 2003 in den ihm fremden Automobilmarkt ein, in der Überzeugung, dass sein Lithium-Ionen-Batterie-Know-how ihm einen Wettbewerbsvorsprung verschaffen werde. Tatsächlich brachte BYD als erste chinesische Firma ein Auto mit Elektroantrieb auf den Markt und sie gilt heute als Marktführer für ökologische Fahrzeuge.
Vor Jahresfrist wurde der legendäre Investor Warren Buffet auf die Firma aufmerksam und kaufte für 230 Mio. Dollar ein 10-Prozent-Paket an BYD. Das Engagement der Spürnase sowie der grosse Heimerfolg liessen die BYD-Aktien durchstarten. Krise hin oder her, die Titel versiebenfachten sich innert Jahresfrist, so dass der Anteil von Wang Chuanfu an der Firma mittlerweile 5,1 Mrd. Dollar wert ist, was ihm eben den Titel des reichsten Chinesen eintrug. Nummer zwei ist übrigens eine Frau, Zahng Yin. Die 52-Jährige gründete in Kalifornien einen Papierhandel und besitzt heute in China den grössten Konzern für Karton und Verpackungspapier, das hauptsächlich aus wiederverwertetem Altpapier gewonnen wird. Entsprechend ist China stolz darauf, dass die reichsten Unternehmer ihr Geld im «grünen Sektor» verdienen.
Wie dynamisch sich die chinesische Wirtschaft nach wie vor entwickelt, lässt sich nicht nur am Wirtschaftswachstum ablesen, das trotz Krise über 8 Prozent beträgt. Auch ein Blick auf die Website der eine Reichstenliste erarbeitenden Beratungsfirma Hurun (www.hurun.com) macht klar, wie erstrebenswert Reichtum in China ist. Da wird hemmungsloser Markenkult betrieben. Das Portal nennt sich Luxury Business Portal, die Beratungsfirma gibt ein eigenes Magazin heraus, unterhält einen Luxusklub und listet die besten Schulen in England und den USA auf, dank denen die reichen Chinesen wissen, wo sie ihre Sprösslinge ausbilden lassen können. Geld ist in China alles und folglich ein wesentlicher Treiber für den rasant zunehmenden Wohlstand im Land.
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