Mit verschärften Regeln wird ernst gemacht
27. September 2009SonntagsZeitung
Die gut gemeinten hehren Vorsätze der G-20 haben wir zur Kenntnis genommen. Allein uns fehlt der Glaube, dass diese auch umgesetzt werden. Zweifel sind beispielsweise bei den Boni erlaubt, die in der Höhe kaum eingeschränkt werden und für deren Berechnung nur das Risiko etwas mehr berücksichtigt wird. Damit sich aber die Finanzkrise nicht wiederholt, ist eine viel akribischere Aufsicht über die Finanzmärkte nötig. Und tatsächlich stehen die Chancen gut, dass die vor zwei Tagen in Pittsburgh gemachten Versprechungen umgesetzt und zu einer fundamentalen Stärkung des Systems führen werden. Das allerdings hat weniger mit der Gruppe der G-20 zu tun als vielmehr mit dem in Basel angesiedelten, neu etablierten und von Zentralbanken und Regulatoren personell alimentierten Financial Stability Board (FSB). Mit einem bis Ende Jahr vorliegenden detaillierten Katalog will das FSB harte Regeln für international tätige Banken erlassen, für deren Einhaltung die jeweiligen staatlichen Aufsichtsbehörden sorgen müssen.
«Damit werden Bankgewinne stabiler – ein volkswirtschaftlicher Segen»
Zum einen wird die Äufnung von Eigenmitteln gefordert, gegenüber den heutigen Vorschriften der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) ist eine Verdoppelung geplant. Als zusätzlicher Puffer soll die in der Schweiz bereits beschlossene, variable Equity Ratio international verankert werden. Eine Reserve, die in guten Zeiten auf- und in schlechten abgebaut werden kann. Geplant ist, die Eigenmittel durch zurückbehaltene Gewinne und geringere Dividendenausschüttung zu erhöhen. Ob das ausreicht oder ob Kapitalerhöhungen nötig werden, muss sich weisen. Neben dem Eigenkapital soll auch die Liquidität verbessert werden. Das FSB will die Banken zwingen, hohe Bestände an Staatsanleihen zu halten, die auch in Krisenzeiten verkäuflich sind. Zudem liessen sich Staatsanleihen im Notfall in Eigenkapital wandeln – ein zusätzliches Sicherheitsnetz, mit dem das FSB ebenfalls liebäugelt. Mehr Eigenmittel und höhere Liquidität führen zwangsläufig zu einer geringeren Kapitalrendite. Werden diese Vorschriften eingeführt, gehören 25 Prozent Return on Equity der Vergangenheit an. Damit werden die Bankgewinne stabiler – mit Blick auf die letzte Krise ein volkswirtschaftlicher Segen.
Die Arbeiten beim FSB sind, in enger Zusammenarbeit mit der BIZ, weit fortgeschritten. Dank der internationalen Verankerung bindender Vorschriften ist dem Anliegen der Schweizer Grossbanken Rechnung getragen, die befürchteten, die Finanzmarktaufsicht könnte im Alleingang die Vorschriften verschärfen.