30. August 2009
SonntagsZeitung
Die UBS-Aktien kletterten Ende Woche bis auf 19.50 Franken – 3 Franken über dem Preis, den der Bund acht Tage zuvor für sein Paket verlangt hatte. Damit wollen wir nicht sagen, der Verkauf sei zu früh erfolgt. Das Finanzdepartement hat damit den Höhenflug erst möglich gemacht. Dennoch ist die Rechnung reizvoll, hätte der Bund heute bereits eine Milliarde mehr in der Kasse. Der wieder ansprechend hohe Kurs kündigt einen deutlich besseren Gesundheitszustand der UBS an. Insgesamt läuft es in der Finanzindustrie wieder ziemlich rund, und am Jahresende wird man sich erstaunt die Augen reiben und sagen: War da mal was?
«Mehr als ein paar technische Korrekturen bei den Boni wird es nicht geben»
Die Gefahr wächst, dass von den angedachten Massnahmen zur Eliminierung der systemischen Risiken kaum etwas umgesetzt wird. Wenn die Banken wieder Geld verdienen und Steuern abliefern, nimmt die Lust der Staaten ab, die Geldhäuser stärker an die Kandare zu nehmen. Mehr als ein paar technische Korrekturen bei den Boni wird es nicht geben. Daran ändern auch die grossen Worte nichts von Präsident Sarkozy diese Woche. De facto hat er nur formuliert, was in den Empfehlungen der G-20 enthalten ist. Gleiches gilt für die Überwachung von Hedge-Funds, die Kontrolle der Rating-Agenturen oder die höheren Eigenmittel der Banken. Die G-20 ist nicht mehr als ein Debattierklub ohne Entscheidungsbefugnisse. Damit sind alle gut gemeinten Korrekturen, die das Finanzsystem sicherer machen sollen, letztlich Wunschdenken. Der nächste, von Obama geleitete G-20-Gipfel am 24. September in Pittsburgh wird daran nichts ändern. Korrekturen am System hätten nur eine Chance, wenn die USA und Grossbritannien an ihren tonangebenden Finanzplätzen Wallstreet und London mit dem guten Beispiel vorangehen und die übrigen Finanzplätze folgen würden. Auch die Schweiz kann hier nicht Winkelried spielen.
Massnahmen bleiben jedoch nötig, denn die Risiken sind nicht kleiner geworden. Immer eindringlicher verweisen die Gurus der Finanzwelt auf die bevorstehende Krise bei den Staatsobligationen, allen voran jener der USA. Das US-Defizit ist gigantisch, 1600 Milliarden Dollar allein in diesem und im nächsten Jahr – der Schuldenberg hat astronomische Ausmasse angenommen. Statt abzunehmen, wächst zudem das destabilisierende Ungleichgewicht zwischen den USA und China: Hüben nehmen die Schulden zu, drüben steigen die Reserven. Es drohen Dollarschwäche und Inflation. Kein Wunder raten die Vermögensverwalter, sich aus dem US-Markt zurückzuziehen.
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27. August 2009
Mittelland Zeitung
Wenn eine Aktie nach mehr oder minder überstandener Wirtschaftskrise um über 6 Prozent sinkt, wie gestern Mittwoch die Titel von Swiss Life, ist das ein klares Zeichen, dass mit der Firma etwas nicht stimmt. Tatsächlich steckt der Lebensversicherer in einer Dauerkrise, seit sich das Management vor zwei Jahren dazu hinreissen liess, den deutschen Vertreiber von Finanzprodukten AWD für satte 1,9 Mrd. Franken zu kaufen. Damit hat sich Swiss Life viele Probleme aufgehalst. Von adäquater Verzinsung der investierten Milliarden keine Spur: Im ersten Halbjahr weisst AWD einen Verlust von 28 Mio. Franken aus. Abgründe taten sich in England und Österreich auf, beschönigend spricht die Firmenleitung nun von Wende und Neuanfang. Fakt ist, dass mit Swiss Life und AWD zwei Kulturen aufeinanderprallen, die so gar nicht zusammenpassen wollen. Hier der seriöse, biedere Schweizer Lebensversicherer, dort ein agiler, bisweilen ziemlich laut auftretender Verkäufer von Finanzprodukten. Anfang Juli hat zu allem Übel ein Gericht in Hannover der AWD verboten, sicher weiterhin «unabhängiger Finanzdienstleister» zu nennen.
Neben dem Klotz AWD sind die Kosten des Konzerns zu hoch › oder, je nach Sichtweise, die Erträge trotz leicht höherem Prämienvolumen zu mager. Jetzt hat der neue CEO Bruno Pfister seinem Unternehmen eine radikale Sparrunde verordnet. Schweizweit sollen in den kommenden drei Jahren 520 Stellen abgebaut werden. Das sieht im ersten Augenblick nach viel aus, aber auf Jahresbasis machen die Einsparungen (die mit der normalen Fluktuation aufgefangen werden sollen) bloss etwa 170 Stellen aus.
In aller Regel entpuppen sich solche Ankündigen als «window dressing», als Wunschvorstellungen, die dann in der Realität nicht eingehalten werden können. Denn Hand aufs Herz: Welcher Manager kann schon abschätzen, wie sich die Lage in drei Jahren entwickelt. Zudem spricht Bruno Pfister von mehr Kundennähe, von intensiverer Kundenbearbeitung, von optimierter Vertriebsorganisation. Man könnte meinen, die Versicherungsvertreter hätten bisher geschlafen. Ob das ganze Backoffice tatsächlich dieses Sparpotenzial hergibt, darf bezweifelt werden.
Überhaupt hat der ehemalige Banker Pfister beim Lebensversicherer einen schweren Stand. Zum einen hat er mit AWD ein deftiges Problem geerbt, zum andern sind dem Eigenwilligen bereits eine Reihe Topmanager davongelaufen. Solange die Aktienmärkte geboomt haben, konnte Swiss Life mit seinem riesigen Kapitalstock schöne Gewinne ausweisen. Jetzt, wo dieses Manna bloss noch spärlich regnet, treten die betriebswirtschaftlichen Probleme viel deutlicher zutage. Es wird nicht leicht werden für den Konzernchef.
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23. August 2009
SonntagsZeitung
22 Prozent Kapitalgewinn auf Jahresbasis hat die Bundestresorerie aus dem UBS-Investment herausgeholt, ein beeindruckendes Resultat in einer Zeit, in der weltweit die Verschuldung der öffentlichen Hand explosionsartig zunimmt. Zu verdanken ist es der Umsicht und dem Weitblick des Direktors der Finanzverwaltung, Peter Siegenthaler. Er hatte das Konzept für die Eigenkapitalbeschaffung bereits in der Schublade, als im Krisenmonat Oktober im letzten Moment klar wurde, dass es der UBS nicht gelingen würde, neue Mittel von privaten Investoren aufzutreiben. Pfannenfertig konnte Siegenthaler das Papier dem Bundesrat zur Unterschrift vorlegen. Und schon damals muss es dem Finanzstrategen klar gewesen sein, dass ein Kapitalgewinn herausschauen werde. «Ich erachte das Risiko als sehr, sehr gering, dass das Geld verloren geht», hatte er damals in einem Interview gesagt. Der stille Schaffer gehört zu jener Sorte Staatsdiener, auf die das Land stolz sein kann und deren Ethik sich so mancher Banker zum Vorbild nehmen könnte. In der Privatwirtschaft würde er vergoldet, allein, sämtliche Angebote lehnte er bisher ab.
Typisch für Siegenthalers Haltung ist, dass er kompromisslos darauf drängte, die UBS-Beteiligung sofort abzustossen, sobald die Bank nicht mehr auf finanzielle oder ideelle Unterstützung durch den Staat angewiesen war. Am gleichen Tag, an dem der neue Staatsvertrag mit den USA stand, wurde der Verkauf angeordnet und am nächsten Tag zum Fixpreis von 16.50 Franken durchgezogen. Dreimal mehr Aktien hätte er verkaufen können. Es sei nicht am Staat, sagte er ordnungspolitisch korrekt, mit dem Volksvermögen zu spekulieren.
«Es sei nicht am Staat, sagte er korrekt, mit dem Volks-vermögen zu spekulieren»
Dabei weiss der Schatzmeister ganz genau, dass es ein Leichtes gewesen wäre, mit der UBS-Beteiligung noch mehr Geld zu verdienen, denn im laufenden Quartal wird die Bank wieder einen substanziellen Gewinn von vermutlich über einer Milliarde ausweisen, da fast 1,2 Milliarden Franken Rückstellungen für Goodwill-Abschreibungen und Personalabbau wegfallen werden, welche das letzte Quartal belastet hatten. Das wird dem Aktienkurs weiteren Auftrieb verleihen.
Früher als andere hatte der Finanzdirektor im Bundeshaus auch gewarnt, das Bankgeheimnis sei in dieser Form nicht zu halten. Er wurde nicht gehört, das Dossier hatte man ihm aus der Hand genommen. Dass das Problem weder mit dem neuen Staatsvertrag mit den USA und schon gar nicht mit den neuen Doppelbesteuerungsabkommen vom Tisch ist, weiss Siegenthaler. Die Politik muss sich endlich grundsätzlich hinter eine neue Finanzmarktordnung setzen. Denn noch immer herrscht vor allem eines: Unsicherheit über deren Ausgestaltung.
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20. August 2009
Mittelland Zeitung
Nach dem Erfolg der Schweizer Verhandlungsdelegation, der es gelungen ist, den Rechtsweg unter Schweizer Recht zu wahren, bleibt die Frage, wie es denn die UBS rechtfertigen kann, den USA über die Eidgenössische Steuerverwaltung 4450 Namen zu nennen, die – vermutlich – das geltende Recht verletzt haben. Offensichtlich muss aus Schweizer Sicht ein begründeter Verdacht bestehen, dass diese 4450 Personen Schweizer Recht verletzt haben.
Grundlage dafür ist ein gültiges bilaterales Abkommen zwischen den USA und der Schweiz, das 2001 ausgehandelte Qualified Intermediaries Agreement, kurz QI. In dieser für Banken geltenden Vereinbarung ist festgehalten, dass in den USA steuerpflichtige Personen Vermögen und Einkünfte deklarieren müssen, wenn es sich um amerikanische Wertschriften handelt. Die Bank muss für ihre in den USA steuerpflichtigen Kunden auf einem speziellen Formular mit dem Kürzel W9 diese Wertschriften den US-Steuerbehörden melden, womit Vermögen und Einkünfte ordnungsgemäss versteuert werden. Um diese Deklarationspflicht zu umgehen, haben Steuerpflichtige zum Beispiel auf den Cayman Islands Briefkastenfirmen errichtet, auf welche die Wertschriften übertragen wurden. Damit verhindert der Steuerpflichtige, dass er als wirtschaftlich Berechtigter erscheint und umgeht damit die Steuern. In diesen Fällen haben die Kundenberater der UBS entweder die Kunden direkt aufgefordert, sich an Anwälte zu wenden, welche entsprechende Firmenkonstrukte anbieten. Wurde der Kunde selber aktiv, haben die Berater zumindest gewusst, dass der US-Kunde aktiv die Steuern umgeht. Beide Verhaltensweisen widersprechen dem Geist des bestehenden QI-Agreements und können deshalb als aktive oder stillschweigende Beihilfe zur Steuerumgehung betrachtet werden. Das ist zwar gemäss Schweizer Recht kein Steuerbetrug, aber im QI-Agreement wird auch der Tatbestand «und Dergleichen» erwähnt, worunter qualifizierte Umgehung gemeint ist. Die UBS hat nun diese Fälle aus den über 50 000 Konten herausgefiltert.
Kritiker des neuen Staatsvertrags, wie etwa der St. Galler Banker Konrad Hummler, können ihren Vorwurf, der Bundesrat habe das Bankgeheimnis verraten, nicht aufrechterhalten. Der neue Staatsvertrag verletzt das Bankgeheimnis nicht, vielmehr wird ein bestehendes Spezialabkommen mit den USA im Sinn seines Geistes ausgelegt. Klar ist auch, dass die US-Behörden nun von anderen Banken Informationen einfordern, sofern der Verdacht besteht, dass auch sie Kunden empfohlen haben, Umgehungskonstruktionen zu bauen. Der Erfolg für die US-Steuerbehörden wird sich einstellen. US-Steuerpflichtige werden aufgrund der korrekten Auslegung des Abkommens jetzt eilends ihre Offshore-Konstrukte offenlegen.
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16. August 2009
SonntagsZeitung
Der Ständerat hat sich diese Woche in weiser Voraussicht nicht dazu hergegeben, den Banken eine fixe Obergrenze für die Boni-Zahlungen vorzuschreiben. Er hätte dem Staat damit mehr geschadet als genützt. Boni-Beschränkungen bringen nur etwas, wenn die grossen Finanzplätze London und New York diese durchsetzen, denn dort werden die Supervergütungen auch bezahlt. Die Schweiz als Vorkämpferin aber geriete zur Lachnummer. Im Übrigen ist in einer freien Gesellschaft an hohen Boni per se auch nichts auszusetzen. Jeder Arbeitgeber darf seinem Mitarbeiter so viel Lohn zahlen, wie er will. Zudem vergisst der neidgeplagte Bürger gerne, dass etwa 40 Prozent eines Bonus geradewegs in die Staatskasse fliessen. Was es heisst, wenn dieser Zustrom versiegt, spürt jetzt der Kanton Zürich, der ohne Bankerboni in die roten Zahlen rutscht und im übernächsten Jahr ein Defizit von 1,3 Milliarden verkraften muss.
Dass die hohen Boni blind machten und mit zur Krise beigetragen haben, wird nicht bestritten. Doch mit der Beschränkung wird das Systemrisiko nicht beseitigt. Überwachen muss der Staat die Risikobereitschaft der Banken, indem er etwa für den Eigenhandel mehr Eigenkapital fordert oder die komplexen Wertschriften verbietet. Tatsache ist ja, dass auch die Regulierungsbehörden das Systemrisiko nicht erkannt haben.
«Im Aktienrecht müssen die Eigentümer gestärkt und die Manager geschwächt werden»
In einer freien Gesellschaft soll der Arbeitgeber – also der Eigentümer – darüber entscheiden, wie er seine Mitarbeiter entlöhnen will. Doch das verhindert in grotesker Weise unser Aktienrecht mit dem Depotstimmrecht. In Grosskonzernen haben nicht die Eigentümer das Sagen, sondern die Manager. Das Depotstimmrecht blockiert den Durchgriff der Aktionäre, auf ihm basiert die Macht des Managements, das sich aufführt, als gehöre der Konzern ihm. Selber an hohen Löhnen interessiert, nimmt es die Gesellschaft aus wie eine fette Weihnachtsgans, während die Eigentümer keine Chance haben. So ist bei den meisten international tätigen Banken das Total der Boni höher als der ausgewiesene Gewinn. Ins gleiche Kapitel gehen die Eintragungsbeschränkungen ins Aktienrecht (beispielsweise bei Georg Fischer auf 5 Prozent der Stimmen), ebenfalls ein Instrument des Managements, um seine Privilegien zu wahren. Wenn der Nationalrat im Herbst den Gegenvorschlag zur Abzockerinitiative behandelt, muss er vor allem dafür sorgen, dass im Aktienrecht die Eigentümer gestärkt werden und das Management geschwächt wird.
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13. August 2009
Mittelland Zeitung
Exemplarischer präsentiert sich die desolate Situation in der Industrie kaum als beim gebeutelten Rieter-Konzern. Im ersten Halbjahr musste der Hersteller von Spinnmaschinen und Autobestandteilen die Halbierung des Umsatzes wegstecken, ein industrielles Horrorszenario. Da lassen sich Verluste auch mit umsichtiger Planung und frühzeitigem Reagieren auf die Krise nicht wettmachen. Immerhin ist es Rieter gelungen, die Aufwände wenigstens um einen Drittel zu kürzen, eine Topleistung. Dass derlei nur mit einem drastischen Abbau von Arbeitsplätzen und massiver Kurzarbeit möglich war und weiter ist, leuchtet ein, sind doch die Personalkosten in jedem Industrieunternehmen der grösste Kostenfaktor. Innert Jahresfrist hat Rieter 2700 Stellen gestrichen, noch mal 1500 sollen bis Ende nächsten Jahres dazukommen. Insgesamt müssen die Winterthurer für Januar bis Juni einen Verlust von 145 Millionen Franken hinnehmen. Im Vorjahr hatte noch ein Halbjahresgewinn von 40 Millionen herausgeschaut.
Die Krise hat das Unternehmen in den Grundfesten erschüttert. Vor gut einem Jahr, als sich das Gewitter zusammenbraute, trat der designierte neue VR-Präsident schon gar nicht an und überliess Erwin Stoller das Ruder. Bald läuteten auch bei den Banken die Alarmglocken, der Aktienkurs stürzte ab. Neues Kapital und mutige Neuinvestoren waren nötig. Engagiert hatte sich Peter Spuhler, Besitzer der nahen Stadler Rail und Nationalrat, der heute 20 Prozent der Aktien besitzt. Daneben auch Franke-Chef Michael Pieper sowie Forbo, die zusammen 15,8 Prozent halten. Nur dank diesem Trio waren die Banken bereit, Rieter weiterhin Kredite zu geben. Die neuen starken Aktionäre haben auch kürzlich den bisherigen CEO entlassen und die gesamte Führungsverantwortung in die Hände des VR-Präsidenten gelegt. Sanierung auf allen Ebenen.
Rote Zahlen wird es auch 2010 noch absetzen, Gewinn soll Rieter erst wieder ab 2011 abwerfen. Die zentrale Frage aber ist die strategische Ausrichtung. Fakt ist, dass die Textilmaschinen dank Weltmarktführerschaft in guten Zeiten bis zu 14 Prozent Ebit-Marge abwerfen, während das Autozuliefergeschäft im Normalfall bei mageren 3 bis 4 Prozent stecken bleibt, zu wenig, um die Zyklen, das Risiko und die hohen Investitionen zu rechtfertigen. Also würde der gewiefte Industrielle den Automotiv-Sektor am liebsten abstossen. Doch daran ist derzeit nicht zu denken. Es gibt schlicht keine Käufer dafür. Also bleibt nur eins: Augen zu und durch. Will heissen, Effizienz und Produktivität steigern und warten, bis die Nachfragelücke nach Autos so gross ist, dass die Bestellungen wieder ins Haus flattern. Ob dann die Marktlage besser ist? Gut möglich, dass Rieter im Autogeschäft hängen bleibt. Immerhin gibt es aus Schweizer Sicht eine gute Nachricht: Die im St. Galler Rheintal angesiedelten Schweizer Produktionsstätten rentieren prima. Der beste Beweis, dass der Industriestandort Schweiz in Krisenzeitengutdasteht.
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9. August 2009
SonntagsZeitung
Goldman Sachs, die grösste Investmentbank der Welt, hat im zweiten Quartal mit dem Handel von festverzinslichen Wertpapieren Erträge von 6,8 Milliarden Dollar erzielt. An 46 Tagen davon erzielte die Bank einen Gewinn von 100 Millionen Dollar und mehr. Goldman Sachs beherrscht diesen Markt fast nach Belieben. Einerseits profitiert die Bank von ihrem guten Ruf – kein anderes internationales Geldhaus ist so ungefährdet durch die Krise gesegelt wie Goldman Sachs. Andererseits beschert ihr die Schuldenwirtschaft des Staates diesen Geldsegen. Via Wallstreet pumpt die US-Notenbank Milliarden in Obligationen von Firmen oder Staatsanleihen und hält so den Markt liquid. Im totgesagten Investmentbanking wird Geld verdient wie kaum je zuvor.
Wie trist ist da der Blick auf die gebeutelte UBS. In ihren besten Tagen hatte die Schweizer Bank in den USA eine vergleichbar gute Position im Handel mit Festverzinslichen wie Goldman Sachs. Mit der Krise wurde diese Abteilung ausgedünnt. Jetzt, wo man wieder Geld verdienen könnte, fehlen Knowhow, Renommee und Personal. Das Resultat: Operativ, also vor allen nötigen Abschreibungen, verdiente die Schweizer Bank im Investmentbanking gerade mal 530 Millionen Franken. Die Erträge aus dem Handel mit Obligationen und ähnlichen Produkten fehlen fast ganz.
«Jetzt, wo man wieder Geld verdienen könnte, fehlen Knowhow, Renommee und Personal»
Die Stellung von Goldman Sachs ist heute gefestigter denn je. Ganz nach dem vom US-Ökonomen Robert Frank 1996 beschriebenen Phänomen, leben wir in der The-winner-takes-it-all-Gesellschaft. Die allgegenwärtige Information, die Medien, die Sieger auf den Schild heben, machen diesen Trend erst möglich. Vom hohen Ross fällt nur, wer kapitale Fehler macht. Dann aber für immer. Für die Verlierer ist der Weg zurück kaum mehr machbar. Nur schon ins Mittelfeld vorzustossen, ist ambitiös. Der UBS geht es zwar deutlich besser, und mit etwas Optimismus schreibt sie in den kommenden zwei Quartalen schwarze Zahlen. Doch es wäre unrealistisch, darauf zu hoffen, dass die Bank je wieder ihren alten Platz als beste europäische Bank zurückerobern kann. Gleiches gilt für die Swiss Re, die noch immer an ihrem abenteuerlichen Ausflug ins Investmentbanking nagt und einen Verlust ausweisen musste, während die Konkurrentin Müncher Rück mit einem Milliardengewinn im zweiten Quartal auf und davon segelt. Die Krise hat die Gewichte verschoben. Leider nachhaltig.
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6. August 2009
Mittelland Zeitung
Immer noch läuft international hinter den Kulissen die Diskussion um die richtige Grösse einer Bank, besonders in der Schweiz seien die Bankbilanzen von Credit Suisse und UBS gemessen an der Wirtschaftskraft des Landes zu gross. Doch von einer erzwungenen Verkleinerung wollen die Banken nichts wissen, sie wollen ihr Ertragspotenzial nicht künstlich einschränken müssen. Insbesondere wehren sie sich gegen die Meinung, das Investmentbanking sei zu veräussern, vielmehr sollten sich UBS und CS ganz auf die Vermögensverwaltung konzentrieren.
Die jüngsten Quartalsergebnisse der Institute zeigen deutlich, was eine Abspaltung bedeuten würde: Die Credit Suisse hat im Investmentbanking ohne technische Abschreibung, also operativ, satte 2,4 Milliarden Franken verdient, während es die UBS nur gerade auf 530 Millionen brachte, eine Differenz von fast 2 Milliarden Franken in nur drei Monaten. Dass die CS im zweiten Quartal überhaupt einen Gewinn ausweisen konnte, verdankt sie zum grösseren Teil dem Investmentbanking, während die UBS einen Verlust ausweisen musste, weil im Investmentbanking die Erträge fehlten.
Konkret stammen die fetten Erträge ironischerweise alle aus dem Handel mit festverzinslichen Papieren, der Fixed-Income-Sparte › just von dort, wo das ganze Debakel mit den Subprime-Papieren begann und in dessen Folge die UBS dort radikal aufräumte. Nicht nur wurde das Management dieser Handelsgruppe ausgewechselt, insgesamt verliess freiwillig und unfreiwillig praktisch die gesamte Händlerschar die Bank. Diese Leute fehlen nun. Denn nachdem die Regierung die grossen Rettungsaktionen beschloss und das Schatzamt milliardenfach neue Staatspapiere zur Finanzierung ausgibt, blüht diese Sparte wie nie zu vor. Wer Reputation genoss, war in diesen Deals dabei, allen voran Goldman Sachs, welche im zweiten Quartal den höchsten je erzielten Gewinn im Fixed-Income-Bereich auswies › 6,8 Milliarden Dollar. Kein Wunder, sagt jetzt UBS-Chef Oswald Grübel, die UBS müsse diese Sparte erst wieder neu aufbauen.
Die üppigen Gewinne im Investmentbanking zeigen, wie sinnlos eine gewaltsame Abkoppelung des Investmentbanking wäre. Die Risikominimierung für die Schweiz führt nicht über die Abspaltung einer Sparte, sondern über ein neues Risikobewusstsein und eine viel präzisere Kontrolle der Risikopositionen durch die Finma. Gescheitert war die UBS am Eigenhandel, in dem sie mit eigenem beziehungsweise geliehenem Geld über 700 Milliarden in festverzinsliche Instrumente investierte. Mittlerweile hat die Bank diese Eigenpositionen weitgehend abgebaut, allein im zweiten Quartal um 260 Milliarden. Seit dem Höhepunkt der Krise ist die Bilanzsumme der UBS von rund 2500 auf noch 1600 Milliarden geschrumpft. Jetzt im Handel mit Festverzinslichen wieder Fuss zu fassen, wird allerdings sehr lange dauern.
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2. August 2009
SonntagsZeitung
Keine andere Zentralbank übt derzeit so viel Druck auf ihren Finanzplatz aus wie die Nationalbank. Sie will verhindern, dass es noch einmal zum Beinahekollaps der Schweizer Volkswirtschaft kommen kann. Nicht nur fordert sie von den beiden Grossbanken eine massiv höhere Eigenkapitalquote, derzeit ist auch ein Rundschreiben in Vorbereitung, das die Banken zwingen soll, viel dichter gestopfte Liquiditätspolster zu halten. Zudem wird – nicht nur in der Schweiz – darüber nachgedacht, ob und wie die zu grossen Banken in nach Ländern getrennte juristische Einheiten aufgeteilt werden können. Politiker und Regulatoren glauben: Small banks are beautiful.
Gerade die Schweiz mit ihrer kleinen Volkswirtschaft kann sich nach Auffassung der Nationalbank zwei grosse Brocken wie CS und UBS nicht mehr leisten, für die der Staat garantiert, garantieren muss. Am vehementesten vertritt diese Haltung Philipp Hildebrand, künftiger Präsident der Nationalbank. Diese erntet für die Art, wie sie die beiden Grossen an die Kandare nimmt, viel Lob, namentlich von der US-Notenbank, der Bank of England und der europäischen Zentralbank. Was Wunder, mit der SNB als Zugpferd können diese ähnliche Forderungen in ihren Ländern besser durchsetzen. Das hat Josef Ackermann auf den Plan gerufen. In der «Financial Times» warnt der Deutsche-Bank-Chef eindringlich vor einer Überregulierung und wehrt sich explizit gegen die Forderungen der SNB, insbesondere gegen das Ansinnen, die grossen internationalen Institute in juristische, länderspezifische Einheiten zu zerstückeln. Die Märkte würden damit unsicherer, und besonders leiden darunter würden die Schwellenländer.
«Der Fight zeugt vom Seilziehen zwischen Banken und Regulierungsbehörden»
Der Fight zwischen Ackermann und Hildebrand zeugt vom Seilziehen zwischen Banken und Regulierungsbehörden. Stossend ist, dass kaum etwas über die geplanten Regulierungen nach aussen dringt. Insbesondere ist nicht klar, wer unter den Zentralbanken den Ton angibt. Wird überhaupt koordiniert? Braucht es die SNB als Winkelried? Wer gibt den Ton an? Das Fed? Die BIZ in Basel? Das Financial Stability Forum? Eines steht fest: Der Reformwille der Banken ist kaum vorhanden. Wenn die Citigroup trotz 28 Milliarden Dollar Verlust und massiver staatlicher Unterstützung insgesamt 738 Mitarbeitern einen Bonus von mehr als einer Million Dollar bezahlt, beginnen die Politiker mit der Kanone zu schiessen. Die Gier scheint unzähmbar – doch ohne Einsicht kommt es zu keiner gesunden Lösung.
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