26. Juli 2009
SonntagsZeitung
Das gute Halbjahresergebnis der Credit Suisse birgt ein paar Knacknüsse, mit denen sich die Aufsichtsbehörden Finma und Nationalbank schwertun. Sie registrieren ungebrochen hohe Entlöhnungen und Eigenkapitalrenditen. Mit dem Investmentbanking verdiente die CS fast 1,7 Milliarden, ohne Sonderfaktoren wäre es eine Milliarde mehr gewesen. In diesem Geschäftszweig schüttet die CS praktisch die gleich hohen Boni aus wie in den besten Boomjahren: 290 000 Franken gibts im Durchschnitt für jeden Investmentbanker, wohlgemerkt allein fürs erste Halbjahr. Das ist nur ein Drittel weniger als bei Goldman Sachs, wo der durchschnittliche Banker mit dem Rekordbetrag von 400 000 Franken vergoldet wird. Das zeigt: Die besten Investmentbanken denken nicht daran, Löhne und Vergütungen substanziell zu senken. Wurde früher rund die Hälfte des Gewinns an die (besten) Mitarbeiter ausgeschüttet, sind es jetzt noch 40 bis 45 Prozent. Damit sind die Anreize ungebrochen. Was sich ändern wird, ist deren Koppelung an kurzfristige Gewinne. Die Banker werden länger auf ihr Geld warten müssen, und das Risiko, dass heutige Gewinne gegen spätere Verluste verrechnet werden, ist neu in die Vergütungssysteme eingebaut. Dennoch: Die Gier ist ungebrochen, und bekanntlich blendet der Mensch Risiken umso mehr aus, je höher die Chancen sind.
«Die besten Investmentbanken denken nicht daran, Vergütungen substanziell zu senken»
Ähnliches gilt für die Eigenkapitalrendite, die zum Politikum geworden ist. Ohne technische Abschreibungen würfe das Kapital der CS wieder 27 Prozent Rendite ab. Auch wenn das Beratungsgeschäft traditionell wenig Kapital benötigt, dafür hohe Einnahmen bringt (und deshalb auch nicht mit kapitalintensivem Industriegeschäft verglichen werden kann), geraten die Banken damit wieder ins gleiche Fahrwasser wie vor der Krise: Man brüstet sich mit möglichst hohen Renditen, womit wieder jener Wettbewerb entsteht, der zu den verheerenden Verlusten beigetragen hat, die nun die Staaten in eine gewaltige Verschuldung treibt. Was also kehren die Aufsichtsbehörden vor? Es ist nicht einzusehen, weshalb in Zeiten, in denen auch beste Banker arbeitslos sind, die Bezüge gekürzt, dafür im Gegenzug Eigenkapital und Liquidität gestärkt werden. Doch entscheidend ist, dass weder CS noch UBS gegenüber der ausländischen Konkurrenz benachteiligt werden. Eine CS mit prall gefüllten Kassen könnte rasch ins Visier einer amerikanischen Bank geraten. Entscheidend ist, dass international die Spiesse gleich lang sind.
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19. Juli 2009
SonntagsZeitung
Ein Pamphlet des Zürcher Historikers Philipp Sarasin im «Tages-Anzeiger» hat eine Grundsatzdebatte über unser Bildungssystem ausgelöst. In Zürich und anderswo wird mit rüder Benotung bei der Aufnahmeprüfung der Anteil der Gymnasiasten künstlich auf 20 Prozent der Gesamtschülerschar beschränkt. Nur mit bewusst schlechter Benotung etwa der Aufsätze gelingt es, durchaus fähige Schüler vom Gymi auszuschliessen, obwohl erwiesen ist, dass die Kinder heute viel schneller lernen und der Intelligenzquotient laufend steigt. Für die Bildungspolitiker ist klar: Sie wollen unsere Elite bei 20 Prozent beschränken. Von Recht auf Bildung keine Rede mehr. Oder geht es ganz einfach ums Geld? Jeder Gymischüler kostet den Kanton deutlich über hunderttausend Franken.
«Die Matura-Quote von 18 % entspricht nicht mehr den Bedürfnissen der Wirtschaft»
Erstaunlich ist, wie sich die Wirtschaft um diese Diskussion drückt. Wo bleiben die Stimmen der Arbeitgeberverbände oder von Economiesuisse? Unternehmen beklagen sich seit Jahren über fehlende Fachleute und Spitzenkräfte, es mangelt an Ingenieuren, fähigen Managern und an Spezialisten. Die Firmen legen die Latte bei Anstellungen immer höher, weil sie im globalen Wettbewerb nur mit herausragendem Personal überleben können. Den Schulabgängern – dem Markt also – ist das nicht verborgen geblieben. Sie bilden sich weiter von der Lehrabschlussprüfung mit Berufsmatur nahtlos bis zum Abschluss an einer Fachhochschule. Entsprechend melden diese hohe jährliche Zuwächse.
Der Markt schreit förmlich nach Bildung, und die Wirtschaft schaut zu, wie sich an Elitedünkel klammernde, mutlose Politiker am Numerus clausus in den Gymnasien festhalten. Die Wirtschaft bedient sich – den Bilateralen sei Dank – des bestausgebildeten Personals namentlich in Deutschland. Es bleibt ja nicht verborgen, wie die Schweizer mehr und mehr aus den Chefetagen unserer Topunternehmen verdrängt werden. Könnte es sein, dass wir zu früh zu hart selektionieren?
Wir fordern keine Quoten wie in Deutschland (40%) oder gar in Italien (76%), und es ist auch klar, dass das Lehrlingssystem wesentlich zur relativ tiefen Arbeitslosigkeit beiträgt, aber die gesamtschweizerische Matura-Quote von 18 Prozent entspricht nicht mehr den heutigen Bedürfnissen der Wirtschaft. Also soll diese sich, statt bloss immer tiefere Steuern zu fordern, auch dafür einsetzen, dass das Elitedenken nicht in dieser Quote stecken bleibt.
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16. Juli 2009
Mittelland Zeitung
Da staunt der Laie, und selbst die Fachleute wundern sich, wie gut es der Bank Goldman Sachs läuft. Rund 800 000 Franken Lohn (inkl. Boni) winken jedem Angestellten dieser Bank im Durchschnitt für das Kalenderjahr 2009, sofern das zweite Halbjahr gleich gut läuft wie das erste. Das ist › notabene › mehr als der bisherige Rekord, der bei 600 000 Franken pro Angestellten lag. Angesichts solcher Summen fragt man sich, ob die Banken wieder «überrissene» Boni zahlen. Haben die mahnenden Worte nichts genützt? Bleibt das Papier zu den Entlöhnungssystemen unbeachtet, welches das Financial Stability Forum unter der Leitung des designierten Nationalbankpräsidenten Philippe Hildebrand verabschiedet und als verbindlich erklärt hat?
Tatsächlich regt sich in der Finanzgemeinde Opposition gegen die eingeführten und geplanten staatlichen Regeln. In den USA ist das verständlich. Noch unter dem Regime Bush hatte das Finanzdepartement die grössten Banken gezwungen, staatliche Hilfe anzunehmen, was zu ähnlichen Reaktionen geführt hat, wie wir das in der Schweiz bei der UBS beobachten konnten: Sofort haben die Politiker versucht, den Banken eine neue Strategie aufzuzwingen, was die Anleger mit massiv tieferen Aktienkursen quittierten. Mittlerweile ist es in den USA den Banken wieder anheimgestellt, die staatliche Beteiligung zurückzuzahlen, was Goldman Sachs getan hat.
Widerstand regt sich in den USA auch gegen das Vorhaben der Regierung Obama, dem Fed eine Generalvollmacht zur Überwachung von Systemrisiken zu übertragen. Damit könnte das Fed jede Finanzinstitution › ob Bank, Versicherung oder Hedge Fund › quasi aus dem Verkehr ziehen, wenn es zur Auffassung kommt, das Unternehmen sei zu gefährlich für das Finanzsystem. Eine Gruppe von neun renommierten Investoren, Analysten und ehemaligen Börsenchefs hat ein Papier vorgelegt und fordert darin ein unabhängiges Überwachungsgremium: Dies mit dem Argument, das Fed selber habe die Krise mitverursacht, was mit Blick auf die übermässige Geldversorgung unter dem ehemaligen Fed-Chef Alan Greenspan ein berechtigter Vorwurf ist. Das Auftreten der Gruppe zeugt vom neuen Selbstvertrauen der Finanzszene.
Auch unter den Schweizer Banken rumort es. Die Aufsichtsbehörde Finma plant noch für 2009 ein Rundschreiben, das den Banken nicht nur viel mehr Eigenkapital, sondern auch ein massiv dickeres Liquiditätspolster vorschreibt. Dagegen laufen die Banken Sturm. Ihr Argument: Die Schweiz könne nicht schärfere Vorschriften erlassen als das Ausland. Banken mit viel Geld in der Kasse könnten zudem Opfer werden von Übernahmeattacken. Diese Argumente stechen durchaus. Die wesentlichen Regulierungen müssen daher international abgesprochen werden.
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11. Juli 2009
SonntagsZeitung
Zwischen den Aktionären und dem Management des börsenkotierten Kunststoffunternehmens Quadrant herrscht ein wüster Kleinkrieg. Der Fall zeigt, wie unprofessionell die Behörden vorgehen und wie revisionsbedürftig der Schutz der Publikumsaktionäre ist. Stark verkürzt der Sachverhalt: Vier Manager von Quadrant – sie halten 15 Prozent der Aktien – bringen einen Grossaktionär dazu, ihnen 11 Prozent anzudienen. Sie bieten die Titel mit Paketzuschlag zu 114.50 Franken pro Aktie der japanischen Firma Mitsubishi an. Die Japaner greifen zu, gemeinsam (50:50) wird eine Firma in Holland gegründet, die den verbleibenden Quadrant-Aktionären anbietet, ihre Aktien zu 86 Franken zu übernehmen (114.50 minus 25 Prozent Paketzuschlag). Dagegen wehrt sich Peter Lehner, der den Small-Cap-Fonds von Sarasin leitet. Dieser Fonds hält 10 Prozent an Quadrant. Lehner wirft den vier Managern vor, sie seien die Handlanger von Mitsubishi. Er rekurriert, die Aufsichtsbehörde Finma lehnt den Rekurs mit formaljuristischen Argumenten ab – ohne ein Gutachten in Auftrag zu geben. Die Bewertung der involvierten Optionen wird vom Basler Finanzprofessor Heinz Zimmermann als völlig unprofessionell bezeichnet, in Übernahmen erfahrene Anwälte nennen den Fall «eine der grössten Schweinereien» auf dem Finanzplatz.
«Die Üko hatte den Deal schon im Vorfeld abgesegnet und damit ihre Unabhängigkeit verloren»
Ganz offensichtlich fehlen in der Übernahmekommission (Üko) die «Checks and Balances». Lehner wurde die Aktieneinsicht verweigert, seinen Anwälten ein Maulkorb verpasst – ein ungeheuerlicher Vorgang. Die Finma stützt sich in ihrem Urteil auf die Üko, und diese verweist auf das Gutachten einer Revisionsfirma, die – wen wunderts – im Auftrag des Quadrant-Managements gehandelt hatte. Zudem hatte die Üko den ganzen Deal schon in der Vorbereitung abgesegnet, womit sie ihre Unabhängigkeit verloren hat und ihre Einschätzung folglich gar nicht mehr ändern kann.
Was zu tun wäre: Der gesetzlich verankerte Paketzuschlag muss weg, und Finma und Üko brauchen unabhängige Profis.
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9. Juli 2009
Mittelland Zeitung
Der Zweikampf der Software-Giganten wird immer spannender. Nachdem Google eigene Bürosoftware ins Netz gestellt hat, folgt der nächste Angriff auf Microsoft: Google will noch dieses Jahr ein eigenes Betriebssystem auf den Markt bringen, eine Konkurrenz zu Windows. Google Chrome OS (Operating System) soll das System heissen, das im Wesentlichen möglich macht, dass ein Computer überhaupt läuft. Der Angriff von Google auf das Kerngeschäft von Microsoft kommt nicht überraschend, nachdem der Software-Gigant mit der Suchmaschine Bing versucht, Google anzugreifen. Wie Google kann Bing suchspezifische Werbung schalten. Damit werden die beiden Unternehmen immer ähnlicher, ein an sich logischer Vorgang im Wettbewerb.
Doch ob das Ansinnen hüben wie drüben gelingen wird, ist fraglich. Beide Firmen haben in ihrem Kerngeschäft riesige Marktanteile: Weltweit werden knapp zwei Drittel aller Suchaufträge via Google getätigt, Tendenz steigend, während fast 90 Prozent aller Rechner auf einem Windowssystem von Microsoft laufen, Tendenz sinkend. Um diese Vormachtstellungen zu knacken, braucht es Jahre. Google behauptet, das auf der Gratis-Software Linux basierende neue Betriebssystem Chrome sei nach dem Start des Computers schon in wenigen Sekunden betriebsbereit. Die langen Wartezeiten beim Aufstarten sind denn auch eines der Hauptärgernisse der Windowssysteme. Insofern hätte Google einen überzeugenden Marktvorteil, vorausgesetzt, dass dieses technische Kunststück auch gelingt.
Zweifellos täte mehr Wettbewerb gut und würde helfen, die monopolartige Stellung sowohl von Microsoft wie von Google zu knacken. Einfacher scheint die Aufgabe von Microsoft, die Dominanz der Google-Suchmaschine zu brechen. Anspruchsvoller dagegen ist die Aufgabe von Google, mit einem Betriebssystem auf breiter Front Marktanteile zu gewinnen und damit Geld zu verdienen. Zu überwinden sind in erster Linie die so genannten «Netzwerk-Externalitäten». Damit ist gemeint, dass es sich besonders für Grossanwender wie Firmen nicht lohnt, ein neues Betriebssystem anzuschaffen, da sich heute fast alle mit Windows auskennen. Mit der Einführung eines neuen Betriebssystems müsste dagegen viel Schulungsaufwand betrieben werden. Alle Windows-Benutzer bilden also quasi ein externes Netzwerk, das Microsoft vor Konkurrenz schützt. Google kann also höchstens auf private Benutzer setzen und hat daher vor allem die neuen billigen Netbooks im Visier. Deren Hersteller werden Chrome darauf installieren, wenn der Preis stimmt. Der Kampf wird lang und hart. Die Konsumenten aber freuts.
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5. Juli 2009
SonntagsZeitung
Die Firma Sulzer baut Pumpen für die Ölindustrie. Sie steckt in der Krise und muss sparen. Sie baut Stellen ab und wird das Jahr wohl mit einem Verlust abschliessen. Stellen Sie sich vor, Sulzer würde den Kunden mitteilen: «Die Krise zwingt uns zum Sparen, deshalb verwenden wir für unsere Pumpen jetzt billigeren Stahl, der hält halt etwas weniger lang. Zudem müssen wir leider den Preis erhöhen.» Wir würden Sulzer für verrückt erklären. Sulzer muss sich sputen, die Produktivität steigern, die Pumpen dürfen höchstens besser, aber bestimmt kein Mü schlechter werden. Wettbewerb eben.
Was tut beispielsweise die Post, die auch sparen will? Sie kündigt an, die Auslieferung auf den Nachmittag zu verlegen, weil damit Personal eingespart werden kann. Am Schalter stehen wir ohnehin schon Schlange und warten und warten. Kein Problem, eine Alternative zum Monopolbetrieb gibt es nicht. Was also müssen wir tun? Für die Aufgabe des Monopols kämpfen. Konkurrenz muss her!
«Was müssen wir tun? Für die Aufgabe des Monopols kämpfen. Konkurrenz muss her»
Zum Sparen gezwungen sind auch die Verleger. Sie leiden unter der Inserateflaute und den rückläufigen Abo-Verkaufszahlen. Auch die Verleger bauen ab: Backoffice-Personal und Journalisten wird gekündigt. Entlassen werden die teuersten Leute, bei den Journalisten sind das – mit Ausnahmen – die erfahrensten. Zeitungsleser sollten halt auf die Rezension von PM oder die Analyse von IS verzichten – who cares?
Könnte es sein, dass es den Leser oder die Leserin doch kümmert? Wie beispielsweise meine Bekannte (Uni-Abschluss, Mutter, am öffentlichen Leben interessiert, Vielleserin). Nüchtern stellt sie fest: Praktisch alle Inhalte, auch Hintergrundgeschichten und Analysen, seien gratis auf dem Internet nachzulesen, in aller Regel schon am Vorabend. Zudem werde der Zeitungsinhalt ausgedünnt und das Abo schlage sowieso jedes Jahr auf. «Meine Tageszeitung brauche ich nicht mehr», sagte sie letzte Woche und kündigte das Abo. Mit Gratiszeitungen und Internet, einem Wochenmagazin und den gebührenfinanzierten Radio und TV sei sie völlig ausreichend versorgt.
Vielleicht könnte Sulzer-CEO Ton Büchner den Verlegern mit ein paar guten Tipps zur Seite stehen.
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2. Juli 2009
Mittelland Zeitung
Das unbeugsame Statement der US-Regierung im Rechtsfall mit der UBS von Dienstagnacht hätte eigentlich dazu führen müssen, dass die Stimmung gegenüber der UBS kräftig taucht. Doch das Gegenteil war der Fall: Gestern Mittwoch legte die UBS-Aktie 1,13 Prozent zu und sie schnitt sogar besser als der Gesamtmarkt ab. Offensichtlich herrscht die Meinung vor, dass die Suppe nicht so heiss gegessen wird, wie sie jetzt noch kocht.
Tatsache ist, dass nicht nur die UBS, sondern auch Bern alle Hebel in Bewegung setzt, um ein juristisches Debakel zu verhindern. Würde das Gericht in Florida und danach der oberste Gerichtshof die UBS zur Herausgabe von Kundendaten zwingen, müsste das ihr die Schweizer Regierung verbieten, weil geltendes Recht nicht gebrochen werden darf. Dass das nicht geht, ist auch einem Rechtsstaat wie den USA klar. Hinter den Kulissen werden alle möglichen Kontakte genutzt, um zu einer Lösung zu kommen, die beiden Seiten erlaubt, das Gesicht zu wahren. Am kommenden Montag etwa reist Bundesrätin Doris Leuthard nach Washington. Auch wenn sie als Wirtschaftsministerin weder mit dem Präsidenten noch mit dem Justizminister Kontakt haben wird, ist der Zeitpunkt nicht zufällig gewählt. Am 13. Juli ist der Gerichtstermin in Florida. Ziel ist es, dass es dazu gar nicht kommt und eine aussergerichtliche Vereinbarung vorher unterzeichnet wird. Bereits wurde spekuliert, dass dies die UBS einen Milliardenbetrag kosten soll, Summen von drei bis fünf Milliarden Dollar wurden genannt.
Ein völlig unverhältnismässiger Betrag. Schon die erste Vereinbarung hatte die UBS 780 Millionen Dollar gekostet, was ziemlich genau der Summe entspricht, die dem amerikanischen Staat an Steuereinnahmen durch die Steuerumgehung der UBS-Offshore-Kunden entgangen sind. Sühne wurde also bereits geleistet. Zudem hat die UBS ein überzeugendes Druckmittel: Die Bank ist auf dem amerikanischen Bankenplatz keine kleine Nummer. Im Gegenteil: Ihre US-Bilanzsumme ist etwa fünfmal so gross wie jene von Lehman Brothers, deren Konkurs im letzten Herbst die Finanzkrise angeheizt hat. Eingedenk des Debakels, dass dieser Bankrott ausgelöst hat, wird sich der amerikanische Staat sehr wohl überlegen, was er der UBS zumuten kann. Sie könnte sich im Extremfall in den USA als zahlungsunfähig erklären, was eine gigantische Rettungsaktion auslösen würde. Das alles ist beim Fed und dem Finanzministerium natürlich bekannt, sodass davon ausgegangen werden kann, dass der Vergleich eine vertretbare Summe kosten wird, wir schätzen sie auf eine bis zwei Milliarden Dollar. Auch wenn mit einem Vergleich noch lange nicht alle Probleme der UBS gelöst sind › immer noch sind etwa Papiere von Kreditversicherern in den UBS-Büchern ›, käme ein Vergleich einer psychologischen Wendemarke gleich.
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