Stärkere Verschuldung des Staats vermeiden
31. Mai 2009SonntagsZeitung
Am Dienstag publiziert die Maschinenindustrie Schreckenszahlen: Der Auftragseingang brach im ersten Quartal um über 40 Prozent ein. Zwei Tage später folgte die Bestätigung aus der Realwirtschaft: Georg Fischer meldete einen Umsatzeinbruch im ersten Quartal von 38 Prozent. Doch offensichtlich geht es längst nicht allen Sektoren schlecht. Die Exporte medizinischer Instrumente etwa haben in dieser Periode um 13,5 Prozent zugenommen, und die Ausfuhren von klassischen Industrieprodukten wie Elektromotoren lagen über 5 Prozent im Plus. Auch wenn Quartalszahlen mit Vorsicht zu interpretieren sind, so zeigen sie doch, dass Bereiche mit hoher Wertschöpfung viel weniger anfällig sind als Produkte mit geringer Wertschöpfung. GF ist ein gutes Beispiel für die Krise in einem Bereich mit mageren Margen: Fast die Hälfte des Umsatzes macht sie mit gegossenen Autobestandteilen. Massenprodukte, die in schlechten Zeiten sogar unter den Gestehungskosten verkauft werden müssen. Entsprechend war das Betriebsergebnis von GF-Automotiv schon im letzten Jahr negativ. Die angekündigte Strukturanpassung ist dringend nötig.
Die Aussage von Swissmem-Präsident Johann Schneider-Ammann, wonach sich «für viele Unternehmen der Zugang zum Kredit- und Kapitalmarkt verschlechtert hat», ist dazu angetan, seine Verbandsmitglieder bei der Stange zu halten. Fakt ist, dass dies offensichtlich nur auf jene Firmen zutrifft, die ohnehin in strukturellen Schwierigkeiten stecken und es in den letzten fetten Jahren verpasst hatten, die nötigen Anpassungen vorzunehmen. Wir erinnern uns: In den Jahren 2004 bis 2007 berichtete die Maschinenindustrie geradezu euphorisch über Umsatzzuwächse. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass Wirtschaftsministerin Doris Leuthard Schneider- Ammann gestern öffentlich eine Absage erteilte. Nicht einmal die Exportrisikogarantie wird ausgeschöpft.
«Gerade die Briten haben erfahren, was es heisst, wenn Staatsschulden aus dem Ruder laufen»
Derzeit drängen insbesondere die USA und Grossbritannien oder der Internationale Währungsfonds zu staatlichen Schuldenprogrammen, um die Wirtschaft anzukurbeln. Die Schweiz tut gut daran, in diesem Spiel nicht mitzumachen. Gerade die Briten haben diese Woche erfahren, was es heisst, wenn die Staatsschulden aus dem Ruder laufen. Die Warnung einer Rating-Agentur hat die Staatspapiere massiv verteuert. Das nächste Debakel sind bankrotte Staaten. Nebst Ungarn, Rumänien oder Litauen sind auch Italien oder Spanien Kandidaten, manche reden sogar von Deutschland. Die weitsichtigste Vorsorge aus Staatssicht ist es deshalb, jetzt die Finanzen unter Kontrolle zu haben und die Staatsschulden nicht zu erhöhen. Gouverner, c’est prévoir.