UBS und CS nicht über den Berg
29. Januar 2009Über das Davoser Stelldichein der so genannten Wirtschaftselite › so es sie denn überhaupt gibt › ergiesst sich derzeit Medienhäme. Da träfen sich just jene, die uns den derzeitigen Schlamassel eingebrockt hätten, und suchten angeblich nach Lösungen, zu denen diese Leute nicht fähig seien. Das ist in doppeltem Sinn eine Verkennung. Weder hat Davos je abschliessende Lösungen gebracht, noch ist Davos eine Weltregierung, die Entscheide fällt. Davos ist auch kein Parlament und keine Exekutive. Davos ist nichts mehr als Verdichtung der Zeit. Das WEF ermöglicht in einem Ausmass Dialoge und Meinungsaustausch innerhalb weniger Tage, für die sonst Monate der Vorbereitung und des Reisens aufgewendet werden müssen. Davos ist nichts weiter als eine Etappe in der permanenten politischen und wirtschaftlichen Diskussion.
Deshalb hat Davos die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise weder ausgelöst, noch hat es sie verhindern können (beispielsweise letztes Jahr). Überhaupt lässt sich diese Krise nicht auf eine Ursache zurückführen, auch wenn sie mit der geplatzten Immobilienblase in den USA begann. Genauso spielt die Politik des günstigen Wohneigentums eine Rolle, die mangelnde Aufsicht, die gut gemeinte, aber letztlich fatale Geldmengenausdehnung des Fed, die von Grossbritannien, Spanien, Frankreich und den Golfstaaten kopiert wurde. Zu den Ursachen gehörten die falschen Anreizsysteme der Banken, die generell überhöhte Bedeutung der Finanzindustrie, die mit ihren Zaubertricks ein Perpetuum der Schuldenwirtschaft zu etablieren suchte. Nicht zu vergessen aber auch die massive Aufrüstung Chinas (und anderer asiatischer Länder) zur Fabrik der Welt mit den daraus folgenden Ungleichgewichten in den Handels- und Zahlungsbilanzen, was den USA ermöglichte, auf Pump zu leben. Aus all diesen Gründen ist es müssig, einzelne Schuldige zu suchen, und deshalb bringt es auch nichts, Davos zu verteufeln.
Wir können aber davon ausgehen, dass in Davos Lösungen debattiert werden. Eine ist für die Schweiz besonders wichtig. Sie betrifft die Frage, wie die so genannten Giftmüll-Papiere (toxic assets) zu behandeln sind, zu denen jene 60 Milliarden Wertpapiere zählen, welche die Nationalbank der UBS abkaufen will. Das Thema ist deswegen so brisant, weil mittlerweile die Häuserpreise in den USA weiter gesunken sind, im November › gemäss letzten Zahlen › um über 18 Prozent. Das bedeutet, dass auch der Wert dieser Immo-Papiere seit Anfang Oktober weiter gesunken ist (im Durchschnitt um einen Drittel). Das Modell SNB/UBS gilt mittlerweile weltweit als Vorbild. Die zentrale Frage lautet: Zu welchem Preis sollen diese Wertschriften den Banken abgekauft werden und wie bewertet die Zentralbank diese Papiere? Die Frage der Entschuldung der Banken ist deswegen so heikel, weil die Last › indirekt via Notenbanken › auf den Steuerzahler bzw. den Staat übergeht. Doch ohne diese Massnahme kommt ganz offensichtlich das weltweite Kreditwesen nicht wieder in Gang › mit verheerenden Folgen für die Industrie. Die Notenbanken haben die Zinsen praktisch auf null gesenkt, doch die Geschäftsbanken geben das günstige Geld nicht weiter, sie fürchten sich vor dem Bankrott unzähliger Industriefirmen, die jedoch dringend auf Kredite angewiesen sind.
Angesichts der dramatischen Entwertung von Immobilien, der zunehmenden Zahlungsunfähigkeit von Privaten und Unternehmen, der daraus resultierenden Abschreibungen auf allen möglichen Bilanzpositionen müssen wir uns darauf einstellen, dass auch UBS und CS zu weiteren riesigen Abschreibungen gezwungen sind. Wie aber dem Volk erklären, dass weitere Unterstützung nötig ist? Das Thema wird sehr bald akut werden. Darüber wird in Davos auch diskutiert.