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		<title>Wider den Finanzplatz?</title>
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		<pubDate>Thu, 05 Apr 2012 12:26:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>markus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Mittelland Zeitung]]></category>

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		<description><![CDATA[AZ Mittelland Zeitung
Die Ausgangslage in Sachen Abgeltungssteuer in Deutschland ist klar:  Heute Donnerstag wird das Zusatzabkommen durch die beiden Regierungen  unterzeichnet, dann geht das Papier in die beiden Parlamente. In der  Juni-Session soll es parallel im Stände- und Nationalrat verabschiedet werden.  So wie die Dinge liegen, wird das Abkommen in Bern [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>AZ Mittelland Zeitung</strong></p>
<p>Die Ausgangslage in Sachen Abgeltungssteuer in Deutschland ist klar:  Heute Donnerstag wird das Zusatzabkommen durch die beiden Regierungen  unterzeichnet, dann geht das Papier in die beiden Parlamente. In der  Juni-Session soll es parallel im Stände- und Nationalrat verabschiedet werden.  So wie die Dinge liegen, wird das Abkommen in Bern locker durchgewinkt werden.  Bis im Sommer sollten auch der Deutsche Bundestag und – davon darf man getrost  ausgehen – auch die links dominierte Länderkammer Ja sagen.</p>
<p>Das aktuelle Schweiz-Bashing in Nordrhein-Westfalen ist  Wahlkampfgetöse. Sobald dieses vorüber ist, wird sich die deutsche Linke dem  vielen Geld nicht verweigern, das der Deal in die Kassen spülen wird. Alleine  die Abgeltung der Altlasten bringt den Ländern sieben Milliarden und dem Bund  drei Milliarden obendrauf. Geld, das ohne Abkommen weg wäre. Die Schweiz kann es  lockernehmen. Kommt das Abkommen nicht, geht das Leben weiter wie bisher: Mit  Deutschland besteht ein Doppelbesteuerungsabkommen, die Schweiz verhält sich  OECD-konform, Auskunft über Steuersünder wird weiterhin nach den bestehenden  Richtlinien erteilt und die Banken müssten keine Milliardenbeträge  überweisen.</p>
<p>Bedenkenswert hingegen ist eine neue Initiative der EU, die unter dem  Namen Mifid II (Markets in Financial Instruments Directive) läuft. Damit ist die  Überarbeitung der seit 2007 geltenden Finanzmarktregulierung der EU gemeint.  Noch ist dieses Mifid-II-Papier nicht unter Dach und Fach, aber die Grundzüge  sind klar: Unter dem euphemistischen Begriff Anlegerschutz wird Protektionismus  betrieben. Konkret soll Banken aus Drittstaaten, insbesondere aus der Schweiz  und den USA, der direkte Kundenkontakt verboten werden, es sei denn, ein  Institut unterhalte innerhalb der EU eine Niederlassung. Für die Grossbanken ist  das kein Problem, aber die vielen Privatbanken könnten mit der ab 2015 geplanten  revidierten Richtlinie innerhalb der EU keine Kunden mehr betreuen.</p>
<p>Damit die Schweizer Banken allenfalls doch Marktzugang erhalten – was  auszuhandeln wäre –, übt sich die Finma seit langem in vorauseilendem Gehorsam  und übernimmt laufend Regeln aus der EU und den USA. Ihr Chef, Patrick Raaflaub,  redet sogar dem automatischen Informationsaustausch das Wort. In ihrem Übereifer  hat die Finma in den letzten Jahren und Monaten dem Finanzplatz ein Korsett  übergestülpt, das ihm die Wettbewerbsfähigkeit geraubt hat: Nicht nur haben wir  mit «Too big to fail» die mit Abstand härtesten Eigenkapital- und  Liquiditätsvorschriften, wir haben das strengste Geldwäschereigesetz, wir haben  de facto das Bankgeheimnis aufgegeben und wir verlangen von den Banken  Polizeifunktionen. Darob lachen sich die anderen Finanzplätze ins Fäustchen.  Statt dass sich die Schweiz als Kleinstaat um einen agilen Finanzplatz bemüht,  arbeitet der Regulator gegen die Interessen der Branche. Nötig wäre eine  tragfähige gemeinsame Strategie, stattdessen liegt man sich in den Haaren.</p>
<p>Artikel als pdf <a href="http://markusgisler.ch/wordpress/wp-content/uploads/2012/04/azm_20120405_33510_1_1.pdf"><img class="alignnone size-full wp-image-17" title="PDF" src="http://markusgisler.ch/wordpress/wp-content/uploads/2010/02/PDF.gif" alt="" width="37" height="46" /></a></p>
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		<title>Joe Ackermann back home</title>
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		<pubDate>Thu, 29 Mar 2012 12:21:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>markus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Mittelland Zeitung]]></category>

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		<description><![CDATA[AZ Mittelland Zeitung
Es gehört zu den Eigenheiten des heutigen Managerdaseins, dass  Karrieren selten mehr gradlinig verlaufen. Längst vorbei sind die Zeiten, da  einer als Lehrling oder Uni-Abgänger begann und kontinuierlich die Leiter  hinaufstieg, mit 55 Konzernleiter wurde, mit 60 als Verwaltungsratspräsident  nachrückte und mit 70 beglückt die Geschicke des Unternehmens seinem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>AZ Mittelland Zeitung</strong></p>
<p>Es gehört zu den Eigenheiten des heutigen Managerdaseins, dass  Karrieren selten mehr gradlinig verlaufen. Längst vorbei sind die Zeiten, da  einer als Lehrling oder Uni-Abgänger begann und kontinuierlich die Leiter  hinaufstieg, mit 55 Konzernleiter wurde, mit 60 als Verwaltungsratspräsident  nachrückte und mit 70 beglückt die Geschicke des Unternehmens seinem Nachfolger  anvertraute.</p>
<p>Joe Ackermann, der scheidende CEO der Deutschen Bank, ist ein  Paradebeispiel für die wechselvolle Vita auch erfolgsverwöhnter Topshots. Als er  als noch nicht einmal 40-Jähriger in das oberste Leitungsgremium der damaligen  Kreditanstalt gewählt wurde, war bald klar, dass er gute Chancen haben würde,  dereinst in die Fussstapfen des allmächtigen Rainer Gut zu treten. Allein,  Ackermanns sprichwörtlicher Ehrgeiz behagte Gut nicht und es kam zum Eklat. Doch  das Glück blieb Ackermann hold, Rolf Breuer holte ihn als Chef des  Investmentbanking in die Deutsche Bank und bestimmte ihn bald zu seinem  Nachfolger.</p>
<p>Zehn Jahre hielt der Melser durch, verhalf dem Institut international  zu Ansehen, war lange Vertrauter von Angela Merkel und wurde auch Präsident der  Vereinigung der weltgrössten Banken. Doch er sorgte zusehends für Irritation und  Eklats, angefangen beim berüchtigt gewordenen, im Affekt gezeigten  Victory-Zeichen im Mannesmann-Schmiergeldprozess über politisch unbedachte  Äusserungen, die Merkel erzürnten. Doch er schiffte die Bank elegant durch die  Finanzkrise. Zum gloriosen Abgang kam es nicht mehr. Das Aufsichtsratspräsidium  wurde ihm verwehrt, ebenso die Lösung des schwelenden Kirch-Prozesses.</p>
<p>Ackermanns Nachfolger wird mit Anshu Jain sein ärgster Widersacher in  der Bank, der Ackermanns Schweizer Kollegen in Spitzenpositionen schon  auswechselte, bevor er seinen Job antreten kann. Ackermann selber blieb in den  Augen des deutschen Wirtschaftsestablishments immer der Schweizer. Ein Ruf, eine  der führenden internationalen Organisationen – IWF, Weltbank – zu leiten,  erreichte ihn nicht, obwohl er sich das gewünscht hätte.</p>
<p>Ackermann verlässt Deutschland also mit gemischten Gefühlen. Für die  «Zürich», zu deren Präsident er heute gewählt wird, ist er ein Glücksfall. Kein  anderer Schweizer ist in der internationalen Wirtschaftspolitik besser vernetzt  als der promovierte HSG-Absolvent. Er war an der Umschuldung Griechenlands  beteiligt, er kennt Asien sehr gut, was für die «Zürich» von grosser Bedeutung  ist. Frei von deutschem Machtgerangel wird sich Ackermann hier wohl fühlen. Sein  Know-how kann der Finanzplatz gebrauchen, und ohne übertriebene Heimatgefühle  darf man festhalten: Endlich wird die Schweizer Versicherung wieder von zwei  Schweizern geleitet.</p>
<p>Artikel als pdf <a href="http://markusgisler.ch/wordpress/wp-content/uploads/2012/04/azm_20120329_30260_1_1.pdf"><img class="alignnone size-full wp-image-17" title="PDF" src="http://markusgisler.ch/wordpress/wp-content/uploads/2010/02/PDF.gif" alt="" width="37" height="46" /></a></p>
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		<title>Hunger in Europa</title>
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		<pubDate>Thu, 22 Mar 2012 10:37:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>markus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Mittelland Zeitung]]></category>

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In Primarschulen in Griechenland kommen Schüler ohne Frühstück und  Znüni zur Schule, schlafen beim Unterricht ein oder fallen mangels Nahrung gar  in Ohnmacht, wie Radio DRS diese Woche in einem eindrücklichen Beitrag  berichtete. Arbeitslosen Eltern fehlt schlicht das Geld für Nahrungsmittel.  Betroffen sind je nach Gegend bis zu einem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>AZ Mittelland Zeitung</strong></p>
<p>In Primarschulen in Griechenland kommen Schüler ohne Frühstück und  Znüni zur Schule, schlafen beim Unterricht ein oder fallen mangels Nahrung gar  in Ohnmacht, wie Radio DRS diese Woche in einem eindrücklichen Beitrag  berichtete. Arbeitslosen Eltern fehlt schlicht das Geld für Nahrungsmittel.  Betroffen sind je nach Gegend bis zu einem Drittel der Schüler. Die Lehrer  schlagen Alarm, doch der verhallt im finanziellen Streichkonzert, das dem Staat  durch die EU, den IWF und die Europäische Zentralbank aufoktroyiert worden ist.  Die Einsparungen sind so absurd, dass nicht einmal mehr Fürsorgegelder für die  Ärmsten bezahlt werden. Mittlerweile herrscht in Griechenland Armut und  Mangelernährung. So weit hat es Europa gebracht.</p>
<p>Derweil die Griechen den Niedergang ihres Staates fassungslos  hinzunehmen scheinen, starrt das übrige Europa auf das erfolgreiche Deutschland  und die tollen Exportzahlen. Doch die rekordhohen Abschlüsse von BMW, VW,  Mercedes und der grossen Industriekonzerne täuschen über den bedenklichen  Zustand der öffentlichen Haushalte hinweg. Besonders gravierend ist die  Situation in Nordrhein-Westfalen, dem bevölkerungsreichsten deutschen  Bundesland. Gestern streikten dort 70000 Beschäftigte des öffentlichen  Dienstes.</p>
<p>Zwar wird vordergründig bloss der Ausgleich des Reallohnverlustes  gefordert, doch der Unmut in der Verwaltung steckt weit tiefer. De facto sind  viele Kommunen kaum noch zahlungsfähig. Längst wurden viele Theater und  Bibliotheken geschlossen, Zoos verkleinert oder aufgelöst, Strassen werden nicht  geflickt oder frei gewordene Stellen in der Verwaltung nicht mehr besetzt. Im  bankrotten Oberhausen etwa bleibt der Busbetrieb ab 21 Uhr eingestellt, was  Kinos, Restaurants und Theater Besucher und Gäste kostet. Der Schuldenberg von  NRW (inklusive der Städte) betrug Ende September 2011 horrende 223 Milliarden  Euro, das sind zwei Drittel der jetzt noch verblieben Schulden  Griechenlands.</p>
<p>In einer Studie hat die Deutsche Bank aufgezeigt, dass die Schulden  dieser Städte so hoch sind, dass sie nie mehr zurückbezahlt werden können. Jetzt  droht die Kreditverweigerung durch die Banken. Die meisten dieser mit  Zentrumslasten überhäuften Städte stehen vor einer Nettoverschuldung, was  bedeutet, dass der Gegenwert der Grundstücke, Schulen und anderer  Infrastruktureinrichtungen geringer ist als der aufgetürmte Schuldenberg.  Deshalb ist die Rede von griechischen Verhältnissen.</p>
<p>Gestern gab Finanzminister Schäuble bekannt, ab 2016 dem  Bundeshaushalt keine zusätzliche Neuverschuldung mehr aufzubürden. Doch im  laufenden Jahr wächst der Schuldenberg weiter, um satte 35 Mrd. Euro. So  präsentiert sich die Lage im erfolgreichsten Land der EU.</p>
<p>Artikel als pdf <a href="http://markusgisler.ch/wordpress/wp-content/uploads/2012/03/azm_20120322_27092_1_1.pdf"><img class="alignnone size-full wp-image-17" title="PDF" src="http://markusgisler.ch/wordpress/wp-content/uploads/2010/02/PDF.gif" alt="" width="37" height="46" /></a></p>
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		<title>Die Illusion zeigt sich an der Börse</title>
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		<pubDate>Sat, 17 Mar 2012 10:24:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>markus</dc:creator>
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Fast wär der Seufzer der Erleichterung hörbar, so rasant streben in  diesen Tagen die Börsenkurse nach oben. Credit Suisse, ehedem arg gebeutelt,  haben innert weniger Wochen um 15 Prozent zugelegt. Italienische Staatsanleihen,  bis vor kurzem noch mit einem prohibitiven Zins von über 7 Prozent belegt,  rentieren noch 4,8 Prozent. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>AZ Mittelland Zeitung</strong></p>
<p>Fast wär der Seufzer der Erleichterung hörbar, so rasant streben in  diesen Tagen die Börsenkurse nach oben. Credit Suisse, ehedem arg gebeutelt,  haben innert weniger Wochen um 15 Prozent zugelegt. Italienische Staatsanleihen,  bis vor kurzem noch mit einem prohibitiven Zins von über 7 Prozent belegt,  rentieren noch 4,8 Prozent. Die Nationalbank sieht keine Veranlassung, den  Frankenkurs weiter zu senken, die Konjunkturforscher, eben noch in tiefem  Pessimismus versunken, prognostizieren wieder ansprechendes Wachstum. Die  Jahresabschlüsse der Unternehmen für 2011 sind teilweise brillant ausgefallen.  Auch im europäischen Kontext scheint sich das Blatt gewendet zu haben.</p>
<p>Schön wärs, alles wäre paletti und wir könnten zur Tagesordnung  übergehen. Doch leider basiert die aufkeimende Euphorie auf der Schweinwelt  eines anscheinend unerschöpflichen Geldsegens. Mit ihrem 1000 Milliarden Euro  umfassenden Bankensanierungsprogramm hat die Europäische Zentralbank den finalen  Kollaps des Bankensystems verhindert und in gigantischem Ausmass neues Geld  geschaffen. Das ist zwar übel, aber war unvermeidlich. Der Giga-Kredit  ermöglicht es den Banken, mit einem Teil dieser Gelder Staatspapiere zu kaufen  und so vor allem die Krisenstaaten Italien, Spanien und Frankreich zu  finanzieren. Damit schlägt die EZB drei Fliegen auf einen Streich: Die Zinsen  sind gesunken, selber muss die EZB keine Staatspapiere mehr übernehmen und sie  ermöglicht den Geldhäusern erst noch ein gutes Geschäft. Diese bezahlen bei der  EZB 1 Prozent Zins, können es aber zu 3, 4 oder mehr Prozent wieder anlegen. Der  Vorgang ist einzigartig: Die Steuerzahler stellen (via EZB) ihren privaten  Banken eine automatische Geldmaschine zur Verfügung in der Illusion, in drei  Jahren, wenn der Kredit ausläuft, seien alle Banken wieder gesund.</p>
<blockquote>
<h3>«Leider basiert die aufkeimende Euphorie auf der Schweinwelt eines  unerschöpflichen Geldsegens.»</h3>
</blockquote>
<p>Gelöst sind selbstredend auch die Probleme der Krisenländer nicht.  Mittlerweile haben auch die Hardliner in der EU, der EZB und des IWF erkannt,  dass die Gesundschrumpfungsmethode nicht funktioniert, eine bessere Lösung haben  sie allerdings nicht. Auch nach dem Schuldenschnitt lebt Griechenland weiter auf  Pump und gibt nach wie vor wesentlich mehr Geld aus, als es einnimmt. Die  Wirtschaft schrumpft immer stärker, im vierten Quartal 2011 um erschreckende 7,5  Prozent.</p>
<p>Für Italien gilt Gleiches. Die Schulden wachsen weiter, allein in den  letzten Monaten haben die Ausstände um 36 Milliarden zugenommen, während die  Wirtschaft in eine heftige Rezession schlittert. Das mindert die  Steuereinnahmen, erhöht die Arbeitslosigkeit und schwächt die Unternehmen. Bald  wird das Augenmerk wieder auf Spanien gerichtet, den nächsten Krisenkandidaten.  Weil jährlich etwa 7 Prozent hinzukommen, wird die Schallmauer von 100 Prozent  bald durchbrochen. Es ist nur ein Frage der Zeit, bis die Kredite versiegen.</p>
<p>Das Beängstigendste an der gesamten Wirtschaftslage aber sind die  gewaltigen Arbeitslosenzahlen namentlich in Spanien und Griechenland, wo bis zur  Hälfte aller Jugendlichen ohne Job und ohne Perspektive aufwachsen. Dieser  soziale Zündstoff wird zwangsläufig irgendwann explodieren und mit Blick auf die  Geschichte und aktuell auf Ungarn graut einem vor den möglichen  Konsequenzen.</p>
<blockquote>
<h3>«Um die verloren gegangene Wettbewerbsfähigkeit zurückzuerobern,  müssten viele Reformen umgesetzt werden.»</h3>
</blockquote>
<p>All die Übel haben eine einzige Ursache: Von Deutschland, der Schweiz  und den nordischen Ländern abgesehen, hat sich das übrige, technisch nicht an  der Spitze bewegende Europa mit seinen teuren Sozialsystemen regelrecht aus dem  Markt katapultiert, am besten ist das an der 35-Stunden-Woche Frankreichs  ersichtlich. Gleichzeitig sind in Indien und namentlich in China zwei Giganten  auf den Markt getreten, die billiger, besser, zuverlässiger und schneller  produzieren. Um die verloren gegangene Wettbewerbsfähigkeit wieder  zurückzuerobern, müssten eine Vielzahl von Reformen umgesetzt werden: flexiblere  Arbeitsmärkte, damit Firmen überhaupt investieren, geringere Sozialkosten,  tiefere Steuern, eine andere Arbeitsmentalität und insbesondere bessere  Bildungssysteme, die diese Länder technologisch wieder an die Spitze führen.  Makroökonomisch ausgedrückt heisst das: Die Leistungsbilanzdefizite dieser  Länder müssen eliminiert werden.</p>
<p>Nüchtern betrachtet bleibt das ein frommer Wunsch. Die Zeit wird  nicht ausreichen, zumal die asiatischen Staaten in ihrer Wirtschaftspotenz  weiter zulegen. Kommt hinzu, dass Demokratien die nötigen Selbstbeschränkungen  nicht zulassen und reformwillige Politiker durch Populisten ersetzen, wie das  Beispiel Ungarn exemplarisch zeigt.</p>
<p>Artikel als pdf <a href="http://markusgisler.ch/wordpress/wp-content/uploads/2012/03/azm_20120317_25083_1_1.pdf"><img class="alignnone size-full wp-image-17" title="PDF" src="http://markusgisler.ch/wordpress/wp-content/uploads/2010/02/PDF.gif" alt="" width="37" height="46" /></a></p>
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		<title>Willkommen in der neuen Bankenwelt</title>
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		<pubDate>Thu, 08 Mar 2012 08:23:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>markus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Mittelland Zeitung]]></category>

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		<description><![CDATA[AZ Mittelland Zeitung
Die Weissgeldstrategie ist das zentrale Bankenthema. Die Vorreiter  der De-facto-Abkehr vom Bankgeheimnis wollen nur noch deklarierte Gelder  annehmen und glauben felsenfest, dass sich die Schweizer Beratungsqualität  durchsetzen werde – sodass kaum Vermögen abgezogen, dafür viele neue gewonnen  würden. Die Probe aufs Exempel lässt sich an den liechtensteinischen Banken  [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>AZ Mittelland Zeitung</strong></p>
<p>Die Weissgeldstrategie ist das zentrale Bankenthema. Die Vorreiter  der De-facto-Abkehr vom Bankgeheimnis wollen nur noch deklarierte Gelder  annehmen und glauben felsenfest, dass sich die Schweizer Beratungsqualität  durchsetzen werde – sodass kaum Vermögen abgezogen, dafür viele neue gewonnen  würden. Die Probe aufs Exempel lässt sich an den liechtensteinischen Banken  machen, die durch den Datenklau eines Mitarbeiters schon vor zwei Jahren zur  Weissgeldstrategie gezwungen wurden. Der Befund: Die Ergebnisse 2011 waren  katastrophal.</p>
<p>Das beginnt bei den verwalteten Vermögen. Die drei grossen Banken  LGT, Liechtensteinische Landesbank (LLB) und VP Bank verwalteten 2007 zusammen  170 Milliarden Franken, jetzt sind es noch 120. Rückgang: satte 30 Prozent. Die  Geschäftszahlen sehen zwangsläufig noch schlechter aus, weil erfahrungsgemäss  die lukrativsten Vermögen abgezogen werden und sich die Kosten nicht im gleichen  Ausmass senken lassen. Was das heisst, zeigen die eben publizierten Zahlen der  VP Bank: Mit verwalteten Vermögen von noch 27,4 Milliarden (–0,8 Prozent)  blieben unter dem Strich im letzten Jahr homöopathische 4,3 Millionen Franken  übrig. Das sind hauchdünne 0,015 Prozent und anderthalb Basispunkte. Die LLB  meldete provisorisch 15 Millionen Franken Gewinn, im Vorjahr waren es noch 108  Millionen gewesen. Verwaltet werden noch 48 Milliarden, die Nettomarge beträgt  damit 0,03 Prozent oder drei Basispunkte.</p>
<blockquote>
<h4>Das goldene Zeitalter ist auch bei den Boni vorbei.</h4>
</blockquote>
<p>Natürlich waren die Bedingungen letztes Jahr besonders garstig.  Dergestalt, dass sich sowohl die LGT wie auch die VP Bank aus Deutschland  zurückzogen. Dummerweise sind die Aussichten für dieses Jahr und darüber hinaus  kaum besser, weil die negativen Faktoren bleiben: Rezession, Verschuldung, tiefe  Zinsen. Die Anleger streiken nach wie vor und halten grosse Beträge in bar auf  den Konti.</p>
<p>Was für Liechtenstein gilt, wird leicht verzögert auch auf die  Schweizer Vermögensverwaltungsbanken zutreffen. Die Weissgeldstrategie vertreibt  bis zu 30 Prozent der Vermögen, die ertragreichsten wandern Richtung Singapur  ab, während viel deutsches Geld zurück in die Heimat fliesst. Zwar müssen die  Banken noch keine Verluste verkraften, aber die Margen tendieren gegen null. Das  wird alles nicht ohne Stellenabbau gehen; branchenintern wird geschätzt, dass  der Finanzplatz um 20000 bis 30000 Stellen schrumpfen wird. Das goldene  Zeitalter ist auch bei den Gehältern und Boni vorbei.</p>
<div>
<p>Artikel als pdf<a href="http://markusgisler.ch/wordpress/wp-content/uploads/2012/03/azm_20120308_20716_1_1.pdf"><img class="alignnone size-full wp-image-17" title="PDF" src="http://markusgisler.ch/wordpress/wp-content/uploads/2010/02/PDF.gif" alt="" width="37" height="46" /></a></p>
</div>
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		<title>Aufgescheuchte Hühner</title>
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		<pubDate>Thu, 16 Feb 2012 10:28:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>markus</dc:creator>
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		<description><![CDATA[AZ Mittelland Zeitung
Man kann nicht mal schadenfreudig sein. Den gut betuchten und ehedem  wohlbezahlten Bankern bläst ein eisiger Wind ins Gesicht, dergestalt, dass der  gesamte Bankensektor zu erstarren droht. Das wird unmittelbare Auswirkungen auf  die gesamte Wirtschaft und mithin auf den Wohlstand in diesem Land haben. So wie  die Dinge derzeit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>AZ Mittelland Zeitung</strong></p>
<p>Man kann nicht mal schadenfreudig sein. Den gut betuchten und ehedem  wohlbezahlten Bankern bläst ein eisiger Wind ins Gesicht, dergestalt, dass der  gesamte Bankensektor zu erstarren droht. Das wird unmittelbare Auswirkungen auf  die gesamte Wirtschaft und mithin auf den Wohlstand in diesem Land haben. So wie  die Dinge derzeit liegen, ist es vorbei mit der üppigen Wertschöpfung in der  Finanzbranche. Überall wird Personal abgebaut, Geschäftsmodelle bringen schlicht  nicht mehr genügend Ertrag. Kleinere und mittlere Institute werden gezwun- gen  sein, sich grösseren anzuschliessen. Ein Schrumpfungsprozess gröberen Ausmasses  steht bevor. Das Steuersubstrat schrumpft und reisst Löcher in die Kassen von  Gemeinden, Kantonen und Bund, die zu stopfen wohl nur über Steuererhöhungen  möglich sein wird.</p>
<p>Noch immer tut jedoch die öffentliche Schweiz so, als sei mehr oder  weniger alles im Griff. Es brauche bloss die Steuerabkommen mit Deutschland und  Grossbritannien sowie eine Pauschallösung mit den USA und schwupps sei alles in  Butter. Dabei wird längst klar, dass das Steuerabkommen im Deutschen Bundestag  scheitern wird, dass in der Folge auch das Vereinigte Königreich vom Vorschlag  Abstand nehmen wird. In den USA wird es keine Pauschallösung geben, vielmehr  wird sich die Justiz jede einzelne Bank vorknöpfen. Zu einer gemeinsamen  Haltung, zu einer für den hiesigen Finanzplatz kohärenten Strategie können sich  die Banken nicht durchringen. Die Bankiervereinigung ist der Club des kleinsten  gemeinsamen Nenners. Stattdessen sollten das Justizdepartement, die Finma, die  Steuerverwaltung und die Banken längst an einer gemeinsamen Finanzplatzstrategie  arbeiten. Doch die Herren (und einige Damen) liegen sich in den Haaren. Die  Banken sind über die Finma und das Justizdepartement frustriert, sie selber  bieten sich untereinander gegenseitig keine Hand. Jede versucht, ihr Scherflein  ins Trockene zu bringen, verhandelt direkt mit den Amerikanern und liefert  hemmungslos Daten über Kunden und eigene Mitarbeiter, dass einem die Haare zu  Berge stehen.</p>
<p>So gleicht der Finanzplatz einem Haufen in Panik geratener Hühner,  weil der Fuchs um den Zaun herumstreicht. Dazu kommen interne  Auseinandersetzungen über die Retrozessionen, die, sollten sie definitiv durch  ein Bundesgerichtsurteil den Kunden zugeteilt werden, die Geschäftsgrundlage der  beiden Grossbanken infrage stellt. Wie gerne würde man einen mit hellen Köpfen  zusammengesetzten Finanzplatz-Ausschuss sehen, der in der Lage ist, eine  tragfähige, zukunftsgerichtete Strategie für den gesamten Finanzplatz  auszuarbeiten. Vermutlich wird ein solcher eingesetzt, wenn die Dämme längst  gebrochen und die Kunden auf Nimmerwiedersehen abgewandert sind.</p>
<p>Artikel als pdf<a href="http://markusgisler.ch/wordpress/wp-content/uploads/2012/02/azm_20120216_11469_1_1.pdf"><img class="alignnone size-full wp-image-17" title="PDF" src="http://markusgisler.ch/wordpress/wp-content/uploads/2010/02/PDF.gif" alt="" width="37" height="46" /></a></p>
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		<title>130 Prozent Preisdifferenz</title>
		<link>http://markusgisler.ch/wordpress/?p=1976</link>
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		<pubDate>Thu, 09 Feb 2012 07:10:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>markus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Mittelland Zeitung]]></category>

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		<description><![CDATA[AZ Mittelland Zeitung
Die Frage ist schon fast philosophisch: Dürfen Produkte in der  Schweiz teurer sein als im Ausland, weil wir besser verdienen? Sind hohe Preise  quasi Garantie für einen insgesamt höheren Wohlstand in der Schweiz im Vergleich  zum umliegenden Ausland? Und, wenn ja, um wie viel darf denn der Preis in der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>AZ Mittelland Zeitung</strong></p>
<p>Die Frage ist schon fast philosophisch: Dürfen Produkte in der  Schweiz teurer sein als im Ausland, weil wir besser verdienen? Sind hohe Preise  quasi Garantie für einen insgesamt höheren Wohlstand in der Schweiz im Vergleich  zum umliegenden Ausland? Und, wenn ja, um wie viel darf denn der Preis in der  Schweiz höher sein als im Ausland?</p>
<p>Seit die Grossverteiler Migros und Coop mit Aldi und Lidl im direkten  Wettbewerb stehen und vor allem, seit der Euro so viel billiger geworden ist,  kauft wer kann im umliegenden Ausland ein. Dergestalt, dass die Grossverteiler  Umsatzeinbussen erleiden und die Preise senken müssen. Mitleid brauchen wir  keines zu haben, wie ein Beispiel zeigt: Kürzlich war ich in Deutschland in  einem edlen Foodgeschäft – alles andere als ein Harddiscounter – und hab mir  eher zufällig die Preise für mein Lieblings-Glace-Produkt von Unilever  angeschaut: After Dinner. Ein paar Tage zuvor hatte ich bei Coop für Fr. 8.50  eine Packung davon erstanden, was ich gefühlsmässig teuer fand. Die gleiche  Schachtel war im deutschen Edelladen für 2.99 Euro zu haben, also umgerechnet  und aufgerundet Fr. 3.70. Daraus ergibt sich von unten gerechnet (ist ja ein  ausländisches Produkt) eine Preisdifferenz von satten 130 Prozent.</p>
<p>Man mag das als ungeheuerlich abtun, Fakt ist: Unilever bzw. Coop  kann in der Schweiz mehr als das Doppelte verlangen und erreicht dennoch – das  ist der entscheidende Punkt – einen zufriedenstellenden Absatz. Genügend  Konsumenten sind bereit, für die Süssigkeit stolze Fr. 8.50 zu zahlen. Übrigens:  Die 2.99 Euro waren kein Aktions-, sondern ein regulärer Preis. Konkret: Der  Glace-Gigant verdient unter dem Strich offensichtlich mehr, als wenn er höhere  Mengen bei tieferen Margen absetzt.</p>
<p>Nun wissen wir aus diesem Preisvergleich zwischen Deutschland und der  Schweiz natürlich nicht genau, was Coop im Einkauf für After Dinner bezahlen  muss. Einkaufspreise sind bekanntlich ein gut gehütetes Geheimnis. Könnte es  sein, dass Coop satte 130 Prozent draufschlägt? Bei aller Abgebrühtheit von  versierten Händlern: Das glaube ich nicht. Undenkbar ist aber auch, dass Coop  sich mit bescheidenen fünf Prozent Marge zufrieden gibt. Die Wahrheit liegt  irgendwo dazwischen. Doch weil Coop via die deutsche Rewe an einer europäischen  Grosseinkaufsmacht angeschlossen ist, wird Coops Marge für dieses Luxusprodukt  aber hoch sein.</p>
<p>Auf einem andern Blatt steht, ob solche Riesenmargen taktisch klug  sind. Sie bestätigen, dass in den hiesigen Detailhandelspreisen offensichtlich  noch viel Spielraum nach unten steckt. Der Wohlstand bricht deswegen also noch  nicht zusammen.</p>
<p>Artikel als pdf<a href="http://markusgisler.ch/wordpress/wp-content/uploads/2012/02/azm_20120209_8417_1_1.pdf"><img class="alignnone size-full wp-image-17" title="PDF" src="http://markusgisler.ch/wordpress/wp-content/uploads/2010/02/PDF.gif" alt="" width="37" height="46" /></a></p>
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		<title>Ausgelieferte Bankberater</title>
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		<pubDate>Thu, 02 Feb 2012 07:03:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>markus</dc:creator>
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Hoch gehen die Wogen im aktuellen Steuerstreit zwischen der Schweiz  und den USA. Die Emotionen sind zwiespältig: Da ist auf der einen Seite der  ruchlose Druck der Amerikaner, die sich einen Deut um unterschiedliche  Rechtssysteme scheren und knallharte Machtpolitik ausüben. Es kümmert sie nicht,  dass sie eine Bank zerstören, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>AZ Mittelland Zeitung</strong></p>
<p>Hoch gehen die Wogen im aktuellen Steuerstreit zwischen der Schweiz  und den USA. Die Emotionen sind zwiespältig: Da ist auf der einen Seite der  ruchlose Druck der Amerikaner, die sich einen Deut um unterschiedliche  Rechtssysteme scheren und knallharte Machtpolitik ausüben. Es kümmert sie nicht,  dass sie eine Bank zerstören, obwohl weder ein Fehlverhalten nachgewiesen ist,  geschweige denn ein Urteil vorliegt.</p>
<p>Doch auch die gegenteilige Sichtweise hat ihre Berechtigung: Wie  konnten einzelne Banken nach dem UBS-Fall so töricht sein und aktiv jene  US-Kunden aufnehmen, welchen die UBS die Türe gewiesen hatte und die seit Jahren  Geld vor dem US-Fiskus versteckten und dies auch weiterhin tun wollten? Jetzt  soll sie der Staat aus der Falle befreien, die sie sich selber gestellt haben.  Dabei hätte diesen Geldhäusern das kompromisslose Vorgehen der US-Steuerbehörden  im Fall der UBS eine unmissverständliche Warnung sein müssen.</p>
<p>Wie dieser für den hiesigen Finanzplatz in höchstem Masse schädliche  Streit ausgehen wird, ist völlig offen. Vielleicht gelingt es Staatssekretär  Michael Ambühl, einen (milliardenteuren) Deal mit Schlussstrichwirkung  auszuhandeln, vielleicht aber war Wegelin erst ein Vorgeschmack auf das, was  noch folgt.</p>
<p>Für unbeteiligte Dritte hält sich das Bedauern mit den Bankern und  insbesondere mit den verantwortlichen Chefs in engen Grenzen. Etwas anders sieht  es mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus, den Bankberatern, deren Job es  jahrelang war, ihre amerikanischen Kunden zu betreuen, meist nur in der Schweiz.  Weil viele Daten schon geliefert sind – Mails, Kundenkontakte, Besuchsprotokolle  auch aus der Schweiz – müssen viele von ihnen befürchten, auf einer  «Verschwörer»-Liste zu stehen. Ihre Rechtsabteilungen haben ihnen längst  untersagt, in die USA zu reisen.</p>
<p>Doch damit nicht genug. Sie müssen jeden einzelnen Auslandaufenthalt  vorzeitig melden, auch wenn es sich um reine Ferien handelt. Die Gefahr besteht  nämlich, dass die USA solche Personen auf eine internationale Fahndungsliste  gesetzt haben. Sobald diese Personen in ein Land reisen, das mit den USA ein  Auslieferungsabkommen unterzeichnet hat, besteht die Gefahr, dass dieses Land  den USA einen Gefallen erweisen will und den gesuchten Bankberater verhaftet und  ausliefert.</p>
<p>Damit wird auch verständlich, weshalb der Bund entschied, in den  auszuliefernden Bankdaten die Namen der Berater zu verschlüsseln. Nur schon der  Fakt, dass die Namen bei einem Abkommen entschlüsselt werden, ist Bedrohung  genug. Immerhin haben diese Mitarbeiter im Auftrag der Bank gehandelt. Dass die  Schweiz sie potenziell ausliefert, ist schon eine Ungeheuerlichkeit an sich.</p>
<p>Artikel als pdf<a href="http://markusgisler.ch/wordpress/wp-content/uploads/2012/02/azm_20120202_5324_1_1.pdf"><img class="alignnone size-full wp-image-17" title="PDF" src="http://markusgisler.ch/wordpress/wp-content/uploads/2010/02/PDF.gif" alt="" width="37" height="46" /></a></p>
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		<title>Hummler findet Frieden mit Bach</title>
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		<pubDate>Sun, 29 Jan 2012 12:06:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>markus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Diverse]]></category>

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		<description><![CDATA[BaZ Basler Zeitung
Der Wegelin-Banker ist Rebell und Bildungsbürger in einer Person
St. Gallen. Es war böse, was der linke WOZ-Journalist im  Kulturmagazin «Saiten» über Konrad Hummler und dessen Freunde schrieb: «Was sich  aufgeschlossen und unideologisch gibt, ist zutiefst reaktionär und rechts: Man  strebt nach Geld und Glück und Vollkommenheit. Freiheit und Brüderlichkeit!  [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>BaZ Basler Zeitung</strong></p>
<h3><em>Der Wegelin-Banker ist Rebell und Bildungsbürger in einer Person</em></h3>
<p>St. Gallen. Es war böse, was der linke WOZ-Journalist im  Kulturmagazin «Saiten» über Konrad Hummler und dessen Freunde schrieb: «Was sich  aufgeschlossen und unideologisch gibt, ist zutiefst reaktionär und rechts: Man  strebt nach Geld und Glück und Vollkommenheit. Freiheit und Brüderlichkeit!  Gleichheit und Gerechtigkeit hingegen negiert man. Über die Dummen, die Armen  und die Ehrlichen wird gespottet.» Und seis nicht genug, setzte der Schreiber  noch eins oben drauf: «Hummler, der Superreiche, der eine Lohndumping-Politik  mitverantwortet: Anstelle der Demokratie soll es einen Hofstaat geben.»</p>
<p>Spannend ist nicht so sehr, ob und wie berechtigt diese  Pauschalverurteilung ist, aufschlussreich ist vielmehr, wie sich der Sohn des  St. Galler Stadtpräsidenten und FDP-Nationalrats Alfred Hummler gegen dieses  Pamphlet wehrte: Musikmäzen Hummler schrieb in ebendiesem Kulturmagazin einen  geharnischten Leserbrief mit folgender Sentenz: «Was wir heute (im «Saiten»,  Red.) zu lesen bekommen, ist ein aufgemotzter Dorfkalender, inseratemässig  finanziert von den inflationär um sich greifenden, oft nur mässig besuchten,  hochsubventionierten Veranstaltungen, drapiert mit zusammengekleistertem  schlechtem Fotomaterial und nicht einmal halbwegs lustigen Cartoons, das  kulturelle Alibi redaktionell zusammengekratzt mit  Möchtegern-Meienberg-Material. Meienberg ist tot; er hat im Dorf nur Würstchen  hinterlassen.»</p>
<p><strong>Vorbild Niklaus Meienberg</strong></p>
<p>Man merkt, da fehlt einem brillanten Kopf die Nonchalance, da  enerviert sich einer und sagt, wie es halt in St. Gallen üblich ist, wo Gott  hockt. Reaktionsschnell haut er in die Tasten, ganz so, wie er es in seinen  Anlagekommentaren der Bank Wegelin und immer öfter auch in der von ihm nach wie  vor präsidierten NZZ tut oder bisher tat. In langen, aber gut gedrechselten  Sätzen, so, wie es einige altgediente Redaktoren noch pflegen, sprudelt es nur  so aus ihm heraus, wortgewaltig und unverblümt, frech, direkt, schonungslos.  Keine Frage, Meienberg erwähnte er nicht zufällig. Dieser Sprachtitan war ihm  Vorbild.</p>
<p>Dass der 59-jährige so direkt und undiplomatisch ist, hat mit der  Gallusstadt zu tun. In diesem klosterdominierten Bischofssitz kennt sich Hinz  und Kunz, schliesslich sind alle in die «Flade» zur Schule gegangen und buhlten  in der gleichen Disco. Ob Harry Hasler oder Hummler, St. Galler nehmen kein  Blatt vor den Mund.</p>
<p>Eigenwilligkeit ist schon früh im Leben des Koni Hummler ein Thema.  Fünfzehnjährig türmt er 1968 nach Paris. Er will mit eigenen Augen sehen, wie  gegen das Establishment demonstriert wird. Er studiert in Zürich Jura und hängt  ein Wirtschaftsstudium in Rochester im US-Bundesstaat New York an, wird  begeisterter Offizier.</p>
<p><strong>Holzach-Assistent, «Widder»-Umbau</strong></p>
<p>Schon damals holen sich die Grossbanken die besten Köpfe, die  allerbesten dürfen ins Vorzimmer des Präsidenten. Hummler wird Assistent von  Robert Holzach, dem Grandseigneur der Bankgesellschaft mit Schloss im Thurgau.  Dieser betraut seinen Assistenten nicht nur mit allerlei Privatjobs rund um das  stolze Anwesen, Hummler betreut den kostspieligen Kauf und Umbau des Hotels  Widder am Zürcher Rennweg, das zum Prestigeobjekt der Bankgesellen wird. Wie in  der Bahnhofstrasse 45 damals üblich, gehörte eine zünftige Militärkarriere zum  Berufsethos, Hummler schafft es in den Generalstab. Bei den Bankgesellen lernt  er auch seinen späteren Kompagnon Otto Bruderer kennen, auch er ein Assistent  der Generaldirektion.</p>
<p>Es spricht für den unternehmerischen Geist der beiden, dass sie 1989,  als der bisherige Besitzer der Bank Wegelin, der kinderlose asketische Arthur  Eugster, einen Nachfolger für sein kleines Bänkli suchte, um die Privatbank  warben und die übliche Managerkarriere in der Grossbank ausschlugen. Wegelin  lief nicht besonders gut, der Preis war mithilfe von Bankkrediten zu stemmen.  Die beiden ergänzten sich prima, Otto Bruderer als intellektueller Kopf kümmerte  sich um die Interna, der umtriebige, gesellige Hummler entpuppte sich als  begnadeter Verkäufer. Die Bank gedieh, die Kundenvermögen stiegen von einer  Milliarde auf 21 Milliarden, die Mitarbeiterzahl explodierte von 30 auf 700.</p>
<p>Ein Treiber hinter diesem fulminanten Wachstum war Hummler mit seinen  immer ausführlicheren Anlagekommentaren, die sich zum absoluten «must» unter der  Bankenliteratur entwickelten und auf die Traumauflage von fast 100 000  Exemplaren anschwollen. Nach jedem neuen Erguss tingelte er von Filiale zu  Filiale, die Kunden und Mitarbeiter hingen an den Lippen des Gurus, die  Journalisten liebten die knackigen Sätze. Keiner schrieb prägnanter, keiner  sprach so Klartext wie der St. Galler Privatbanker. Das Bankgeheimnis  verteidigte er als Menschenrecht, und die amerikanische Politik und insbesondere  die verlogene Steuermoral geisselte er mit Blick auf Miami und Delaware als  «atemberaubende Doppelmoral».</p>
<p>Das Schulterklopfen war ihm sicher, allein, sein Erfolg machte ihn  blind. Als die UBS 2008 ihre US-Kunden vor die Tür setzte, sprang Wegelin, auf  das Bankgeheimnis pochend, in die Lücke und übernahm Dutzende US-Kunden, in der  falschen Annahme, unbehelligt zu bleiben, weil die Bank keine Niederlassung in  den USA besass. Doch Mitarbeiter flogen nach Miami und besuchten Kunden, einer  wurde erwischt, Anklage wurde erhoben. Ob Recht verletzt wurde ist offen, doch  Hummler wäre nicht Hummler, wenn er sich nicht weigern würde, Kundendaten  auszuliefern.</p>
<p>Im laufenden Steuerstreit zwischen elf Schweizer Banken und den USA  wurde Wegelin herausgepflückt und zum Bauernopfer gemacht. Die Amerikaner, so  die Lesart, sind nur dann zu einem abschliessenden Deal bereit, wenn sie einen  Erfolg in der Verfolgung von Steuersündern vermelden können. Obwohl noch keine  Anklage und schon gar kein Urteil gegen die Bank vorliegt, hat die  Finanzmarktaufsicht (Finma) Wegelin regelrecht zur Aufgabe gezwungen. Wie die  «Finanz und Wirtschaft» am Samstag meldete, hätte die Finma den Teilhabern die  Gewährleistung für eine einwandfreie Geschäftsführung entzogen, wenn sie nicht  in einen Verkauf der Bank eingewilligt hätten.</p>
<p><strong>Ideales Verhandlungspfand</strong></p>
<p>Mit der Trophäe Wegelin können die Amerikaner der Welt beweisen, dass  selbst die älteste Schweizer Privatbank aufgeben muss, wenn sie hilft,  steuerpflichtige Amerikaner vor dem Fiskus zu verstecken. Für die Schweizer  Verhandlungsdelegation ist das Verschwinden der Bank Wegelin von der Bildfläche  das kleinste Übel. Die Bank ist nicht systemrelevant, sie kann unter neuem Namen  von einem anderen Institut (Raiffeisen) weitergeführt werden, die meisten Jobs  bleiben erhalten.</p>
<p>Ob Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf und Verhandlungsleiter  Botschafter Michael Ambühl dank der mit Staatsräson begründeten Preisgabe von  Wegelin tatsächlich zum Ziel kommen und einen Vertrag mit den USA zustande  bringen, wird sich weisen. In jedem Fall haben sie Schweizer Recht gebrochen und  Kunden ans Ausland verraten. Genau dazu war der liberale Hummler nicht bereit.  Er mag leichtfertig oder gar tollkühn gewesen sein, aber fraglos hat er Stil  bewiesen.</p>
<p>Trost in der schmerzlichen Aufgabe seines Lebenswerkes wird Hummler  bei Johann Sebastian Bach finden. Wer eine solche Geistesgrösse ernsthaft als  seinen Übervater bezeichnen kann (Hummler, NZZ 19. 1. 2009), wird in den Klängen  des kongenialen Komponisten Frieden mit sich selber finden. Als Dank an diesen  Übervater finanziert Hummler über eine Stiftung in einem rund 20-jährigen  Projekt die Aufführung aller 224 Kantaten des Genies. Einmal monatlich in der  Kirche von Teufen, seinem steuergünstigen Appenzeller Wohnsitz.</p>
<p>Der neue Name der bisherigen Bank Wegelin ist Notenstein. So heisst  das Haus mitten in St. Gallen, in dem Wegelin den Hauptsitz hat. Ob Notenstein  eine Anspielung auf die Frieden bringenden Klänge Bachs sind, ist eher fraglich.  Im 15. Jahrhundert hiess das turmartige Haus Nothfeststein. Eine in Not  schutzbietende steinerne Festung ist tatsächlich, was die Kunden jetzt dringend  brauchen.</p>
<p>Artikel als pdf<a href="http://markusgisler.ch/wordpress/wp-content/uploads/2012/01/baz_20120129_0_0_bazab3.pdf"><img class="alignnone size-full wp-image-17" title="PDF" src="http://markusgisler.ch/wordpress/wp-content/uploads/2010/02/PDF.gif" alt="" width="37" height="46" /></a></p>
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		<title>Vorsicht vor zu viel Hoffnung</title>
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		<pubDate>Thu, 26 Jan 2012 05:59:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>markus</dc:creator>
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Die Wolken haben sich etwas gelichtet. Die Zinsen, die die südlichen  Eurostaaten entrichten müssen, sind etwas gesunken. Offensichtlich zeigt die  dreijährige de facto Gratisfinanzierung von Banken durch die EZB Wirkung. Gut  sichtbar wird das abgeflaute Fieber der Finanzmärkte an den deutlich höheren  Aktienkursen der Banken. UBS und CS haben [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>AZ Mittelland Zeitung</strong></p>
<p>Die Wolken haben sich etwas gelichtet. Die Zinsen, die die südlichen  Eurostaaten entrichten müssen, sind etwas gesunken. Offensichtlich zeigt die  dreijährige de facto Gratisfinanzierung von Banken durch die EZB Wirkung. Gut  sichtbar wird das abgeflaute Fieber der Finanzmärkte an den deutlich höheren  Aktienkursen der Banken. UBS und CS haben innerhalb von gut zwei Wochen um über  15 Prozent zugelegt. An den Bond-Märkten hat ein kleines Rally eingesetzt. Kein  Wunder: Die Institutionellen sitzen auf Bergen von Cash und warten nur, bis sich  eine Gelegenheit mit vertretbarem Risiko bietet, Geld wieder irgendwie  zinsbringend anzulegen. Zur besseren Stimmung haben auch die optimistischen  Aussichten der US-Wirtschaft beigetragen, insbesondere ist die Arbeitslosigkeit  auf den tiefsten Stand seit fast vier Jahren gesunken.</p>
<p>Durchaus möglich, dass dieser optimistischere Blick auf die Weltlage  eine Welle von Anleihen- und Aktienkäufen auslöst, nach dem Motto: La hausse  amène la hausse. Zumal Chinas Wirtschaftswachstum im vierten Quartal  überraschend hoch ausgefallen ist, sodass bereits spekuliert wird, dass der  prognostizierte Abschwung weitgehend ausbleiben dürfte. Setzt der Herdentrieb  erst einmal ein, können Dämme brechen, was die Zinsen kräftig drücken würde,  sodass eine positive Spirale in Schwung käme.</p>
<p>Doch so vielversprechend sich ein solches Szenario auch ausnimmt, uns  fehlt der Glaube. Der bevorstehende Schuldenschnitt Griechenlands kommt die  Banken teuer zu stehen und eine einseitig formulierte Zahlungsunfähigkeit ist  immer noch wahrscheinlich. In Italien hat Mario Monti zwar einen hoffnungsvollen  Anfang gemacht, doch die Umsetzung der Reformen und Steuererhöhungen muss erst  noch bewiesen werden. Irland und Portugal brauchen ebenfalls einen  Schuldenschnitt und Spanien ist auch nicht aus dem Schneider. Wenn die EZB ihre  griechischen Anleihen im Umfang von 40 Milliarden abschreibt, ist das zwar auf  den ersten Blick hilfreich, doch untergräbt sie damit ihre Wirkungskraft, weil  der Markt davon ausgehen wird, dass von der EZB aufgekaufte Anleihen wertlos  werden.</p>
<p>Vor allem aber ist das Grundproblem der Ungleichgewichte innerhalb  der EU nicht gelöst. So lange Deutschland dank dem Exporterfolg riesige  Zahlungsbilanzüberschüsse produziert, während der Süden in Defiziten versinkt,  wirkt der Euro für die schwachen Länder wie ein Knebel im Rad. Deutschland  müsste mehr konsumieren und der Süden seine Wettbewerbsfähigkeit verbessern.  Aber solche Reformen werden noch Jahre und Jahrzehnte auf sich warten lassen.  Die Lösung, glauben kritische Ökonomen, könne für die schwachen Länder nur darin  bestehen, den Euroraum zu verlassen. Nicht vorstellbar, dass der Süden ohne  Abwertung gesunden kann.</p>
<p>Artikel auf pdf<a href="http://markusgisler.ch/wordpress/wp-content/uploads/2012/02/azm_20120126_2153_1_1.pdf"><img class="alignnone size-full wp-image-17" title="PDF" src="http://markusgisler.ch/wordpress/wp-content/uploads/2010/02/PDF.gif" alt="" width="37" height="46" /></a></p>
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