Undankbarer Job gut gemacht
19. August 2010Zum Rücktritt von Finma-Präsident Eugen Haltiner
Mittelland Zeitung
Es ist billig, wie dies gewisse Online-Medien schon gestern Mittwoch getan haben: den zurücktretenden Eugen Haltiner als den falschen Mann an der Spitze der Finma zu bezeichnen und ihn quasi für das UBS-Debakel mitverantwortlich zu machen. Bloss weil er seine lange Karriere in der UBS durchlief, wo er es bis zum Generaldirektor brachte, hat er in der Überwachung nicht versagt. Die Finma hätte das Investment der UBS in die giftigen Subprimes gar nicht verhindern können. Zudem lag das Problem vor allem daran, dass der ausserhalb der Bank geführte eigene Hedge Fund die gleichen Produkte in den Büchern hatte. Auch ist das Timing nicht Sache der Finma. Wann der richtige Zeitpunkt zum Aussteigen ist, muss die Bank selber wissen. Haltiner kann man auch nicht dafür verantwortlich machen, dass ein überehrgeiziger Marcel Ospel die UBS angetrieben hatte, um sie zur grössten Investmentbank der Welt umzuschmieden.
Als Haltiner 2006 zum damaligen Präsidenten der Eidgenössischen Bankenkommission (heute Finma) gewählt wurde, klatschte man Beifall, dass ein ehemaliger Generaldirektor der UBS für ein solches Amt gefunden werden konnte. Man versprach sich besondere Fachkenntnisse, die der Überwachungsbehörde bisher gefehlt haben. Zudem galt der Schaffhauser als gradliniger Typ, der sich sehr wohl getrauen würde, den mächtigen Grossbanken auf die Finger zu klopfen. Das hatte er auch bewiesen, als er – wie im GPK-Bericht über die UBS-Krise nachzulesen ist, im Frühling 2008, als die UBS eben wieder massive Verluste meldete, an einem Freitagnachmittag zusammen mit seinem Stellvertreter Peter Eckert nach Zürich zu Marcel Ospel fuhr und seinen Ex-Kollegen zum sofortigen schmachvollen Rücktritt zwang.
Haltiner musste in den schlimmsten Tagen der UBS in seinen Statements dauernd abwägen zwischen der brutalen Wahrheit und einer noch vertretbaren Besänftigung. Würde er zu deutlich, wäre unter den drei Millionen Schweizer Kunden Panik ausgebrochen, es hätten sich lange Schlangen vor den Schaltern gebildet und die Bank wäre nicht mehr zu retten gewesen. Wäre er zu schönfärberisch gewesen, hätte man ihn der Lüge und Vertuschung bezichtigt. Zudem wurde er ein Gefangener des Systems, ein Rücktritt während der grössten Krise war unmöglich, weil damit Zweifel an seiner Integrität (und jener der Finma) aufgekommen wären. Keine Frage, sein Job war 2008 und 2009 alles andere als ein Schleck. Dafür beneidete ihn niemand. Auch ihm war klar, dass an der Regulierungsbehörde etwas hängen bleiben würde, wenn eine Bank vom Format einer UBS an den Rand des Abgrunds gerät. Wo Fehler passieren, sucht man Schuldige, die in der Regel rasch gefunden werden. Ergo prasselte unaufhaltsam Kritik auch auf Haltiner nieder. Und weil ein Übel selten alleine kommt, wurde die Finma auch noch der Untätigkeit im Fall der Steueraffäre der UBS mit den USA bezichtigt. Doch erstens war Haltiner zur Tatzeit gar nicht im Amt und zudem spielten sich die Fälle ausserhalb des Kontrollbereichs der Finma ab.
Haltiners Rücktritt hat einen direkten Zusammenhang mit der Demission von Bundesrat Merz. Ein neuer Finanzminister wird diesen vorbelasteten Posten neu besetzen wollen. Also kommt Haltiner einer Rücktrittsaufforderung jetzt zuvor. Im Rückblick hat er einen schwierigen Job korrekt gemacht. Ob ein anderer effizienter gewesen wäre, ist eine hypothetische Frage. Schwierig wird es, einen Nachfolger zu finden. Von der UBS oder der Credit Suisse kann er nicht kommen.
Doch dann wird es wohl heissen, er verstehe vom Banking nichts.
